Nachdenklich lässt Theresa Jobst ein kleines Kreuz zwischen ihren Fingern hin- und hergleiten. Das etwa zwei Zentimeter große Schmuckstück hängt an einer kleinen Halskette. „Nein, richtig gläubig bin ich eigentlich nicht“, sagt die 18-jährige Schülerin aus Markelfingen. Das Kreuz sei Modeschmuck. Theresa ist Schülerin am Schloss Gaienhofen. Die Schule, welche ihren Campus direkt am See hat, ist eine evangelische Privatschule. Sie besucht dort das Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium. 2020 macht sie auf der Höri ihr Abitur.

Ein Teil der Schule ist im alten Schloss Gaienhofen untergebracht.
Ein Teil der Schule ist im alten Schloss Gaienhofen untergebracht. | Bild: M. Bischofberger

Nicht immer ist Theresa auf eine Privatschule gegangen. Bis zur neunten Klasse hat sie eine staatliche Schule besucht: das Friedrich-Hecker-Gymnasium in Radolfzell. Doch Ende der neunten Klasse keimt in ihr der Wunsch auf das Wirtschaftsgymnaisum in Gaienhofen zu wechseln. „Für mich war es nicht wichtig, dass es eine evangelische Privatschule ist“, sagt sie. Entscheidender sei gewesen, dass auch ihre beste Freundin wechselte. Ganz im Gegensatz zu ihrem Vater. Für Norbert Jobst ist es schön zu wissen, dass die Tochter christliche Werte vermittelt bekomme. „Ich glaube, dass gibt einen jungen Menschen wichtige Werte mit auf ihren Lebensweg“, sagt Norbert Jobst

Andrang auf christliche Schulen steigt

So wie Theresa entscheiden sich immer mehr Schüler und Eltern für christliche Privatschulen. Das belegen die Anmeldezahlen der Schulen in der Region. Neben der christlich geprägten Schule in Gaienhofen gibt es noch das Marianum in Hegne und die Christliche Schule in Hilzingen. Am Marianum steigen seit Jahren die Anmeldungen. „Besonders für die Realschule und das berufliche Gymnasium ist die Zahl der Anfragen deutlich höher als die zur Verfügung stehenden Plätze“, sagt Volker Pudzich, Leiter der Schule in Hegne.

Das Marianum in Hegne ist umgeben von viel Natur.
Das Marianum in Hegne ist umgeben von viel Natur. | Bild: Zooey Braun
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Ähnlich ist das Bild an der Christlichen Schule in Hilzingen. „Ich bemerke schon eine Zunahme“, sagt Siglinde Unger. Sie ist Rektorin der Schule in Hilzingen. Korrekte Zahlen habe sie nicht, da sie keine klassischen Klassen haben, sondern Lerngruppen. „Wir füllen die Lerngruppen kontinuierlich auf“, sagt Unger. Dafür führe die Schule eine Warteliste, die aber immer gut gefüllt sei.

Die Christliche Schule ist 2015 in Hilzingen in einen Neubau gezogen.
Die Christliche Schule ist 2015 in Hilzingen in einen Neubau gezogen. | Bild: Meraner & Hauser ohg/snc

Gemeinschaftsgefühl ist sehr stark

Auch am Schloss Gaienhofen gebe es jährlich viele Anmeldungen. „Jedes Jahr sind wollen mehr Schüler auf unsere Schule gehen“, sagt Dieter Toder, Schuldirektor in Gaienhofen. Er sieht den Grund dafür einmal in der guten Ausstattung der Schule, der offenen Struktur, der starken Schulgemeinschaft und auch der christlichen Ausrichtung. „Ob Schüler evangelisch oder katholisch sind, ist für uns nicht wichtig“, sagt Toder. Aber die evangelische Ausrichtung stärke das Gemeinschaftsgefühl – und das verbinde über Konfessionen hinweg.

Theresa Jobst fühlt sich gut in Gaienhofen aufgehoben: „Das Gemeinschaftsgefühl in der Schule, der Klasse und zu den Lehrern ist wirklich stark. Das gefällt mir sehr.“ Gerade bei den morgendlichen Andachten spüre sie das stark. „Für mich ist das weniger ein Gottesdienst, sondern ein Gedankenanstoß zu Grundsatzfragen“, sagt sie.