Den Wetterbericht schickt der Dienstleister aus der Saatgut- und Pflanzenschutzbranche täglich per Fax. Peter Graf schätzt die Zuverlässigkeit der Prognosen. Doch erfreut ist der Landwirtschaftsmeister in diesen Tagen nicht über die überwiegend sonnigen Aussichten. "Wir wünschen uns Regen", sagt er mit Nachdruck. Der Hof der Familie liegt im Hilzinger Ortsteil Duchtlingen; ein Standort, umgeben von den Hegaubergen. Wer hier seinen Acker bestellt, hat mit Steigung und Gefälle zu kämpfen. Wichtiger als diese Arbeitsbedingungen auf dem Feld sind derzeit aber die Wetterperspektiven. "Beim Mais entscheidet sich in den nächsten zehn Tagen, wie es weiter geht", erläutert der 62-Jährige. Die Pflanzen, die die Maiskolben noch ausbilden müssen, brauchen jetzt Wasser, damit die Ernte im September/Oktober eine gute wird.

Grünfutter für die Kühe

Spärliches Grün und braune Flecken: Die Wiese leidet. Bei ausreichend Niederschlag sind fünf Grünschnitte pro Jahr möglich. In dieser Saison sind es bisher erst zwei.
Spärliches Grün und braune Flecken: Die Wiese leidet. Bei ausreichend Niederschlag sind fünf Grünschnitte pro Jahr möglich. In dieser Saison sind es bisher erst zwei. | Bild: Domgörgen, Franz

Peter Graf vertritt als Vorsitzender des Kreisverbands Konstanz im Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) die Interessen von rund 1000 Haupt- und Nebenerwerbslandwirten. Für alle will er nicht sprechen, wenn es um die Folgen von Trockenheit und Hitze geht. Denn die Erfahrung lehrt, dass Niederschläge auch in der kleinteiligen südbadischen Landwirtschaft ungleich verteilt sein können. Wenn es in Hilzingen gewittert, kann es in Duchtlingen trocken bleiben. Graf muss vom eigenen Hof aus nicht weit fahren, um zu zeigen, wie es um die Äcker in der näheren Umgebung bestellt ist. Er zeigt, wie trocken die Wiesen sind, deren Mahd er als Futter für seine 110 Kühe und rund 100 Jungtiere benötigt. Er zeigt den Mais, dessen Zukunft offen ist und den Winterweizen, dessen Ertrag noch akzeptabel ausfallen dürfte. Anders als bei der Wintergerste, wo es klare Einbußen gibt. Entscheidend war hier, dass bereits im Frühjahr Regen gefehlt hat. Der April, eine wichtige Wachstumsphase für bestimmte Feldfrüchte, war heiß und viel zu trocken.

Wo die Kosten steigen

Graf macht auch deutlich, dass es bei einer schlechten Ernte nicht nur um ausbleibende Einnahmen geht. Denn zugleich entstehen den Bauern Kosten. Zum Beispiel, wenn sie Futter für die Tiere zukaufen müssen, weil Klee und Gräser wegen Wassermangels nicht sprießen. Wenn der Duchtlinger Landwirt auf die Wetterentwicklung schaut, ist für ihn der Klimawandel spürbar. Ausbleibender Regen ist für den BLHV-Kreisvorsitzenden nur eine Sorge. Derzeit stellt die europäische Agrarpolitik die Weichen bei der Verteilung der Zuschüsse neu. Wie es um die Zukunft bestellt ist? "Kleine Betriebe haben es immer schwerer", ist Graf überzeugt.