Diplomaten sagt man nach, in einer eigenen Sprache Unstimmigkeiten hinter Floskeln zu verstecken. Der Französische Generalkonsul für Baden-Württemberg, Nicolas Eybalin, zeigte bei seinem Besuch im Konstanzer Landratsamt am Vorabend des Europatags, dass man die Dinge auch klar ansprechen kann. Die Europäische Union befinde sich in einer schleichenden Krise, "Europa hat seine Selbstgewissheit verloren", diagnostizierte der Diplomat, der in wenigen Monaten nach Paris zurückkehren wird.

Die Programme vieler Parteien beschäftigten sich mit einem EU-Austritt, auch in Spanien und Italien wachse die Europa-Skepsis. "Wir brauchen neue Impulse für ein souveränes demokratisches Europa", so Eybalin. Und da komme es auf Deutschland und Frankreich an. Beide Länder hätten die historische Chance, in ihren bilateralen Beziehungen und in der EU nach vorne zu schreiten. Für Eybalin ist der Fortschritt des europäischen Projekts ohne die Begeisterung der Bürger undenkbar.

Grund genug also, die deutsch-französischen Beziehungen auf der Ebene der bürgerschaftlichen Begegnungen in den vielen Partnerschaftsorganisationen zu stärken. Das befand auch der Konstanzer CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung, der die Deutsch-Französische Parlamentariergruppe führt. "Wir haben allen Anlass, die Sprache des Nachbarn zu sprechen", so Jung. Die deutsch-französische Freundschaft sei nichts fürs Geschichtsbuch, sie werde gebraucht. Es sei ein Glückfall, einen Präsidenten Macron zum Partner zu haben.

Claus-Dieter Hirt, Kreisrat der Grünen und Vorsitzender der Deutsch-Französischen Gesellschaft Konstanz, regte an, Französisch-Unterricht zum Beispiel an Volkshochschulen kostenlos möglich zu machen. Landrat Frank Hämmerle hatte zu Beginn den Stellenwert des europäischen Bündnisses fixiert: "Die EU leistet einen unverzichtbaren Beitrag für ein friedliches Zusammenleben." Die Einladung an den Französischen Generalkonsul auf Wunsch des Kreistags ist Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe zur Würdigung der EU-Partnerschaften.