Die schwäbisch-alemannische Fastnacht gehört in unserer Region zum festen Bestandteil des Lebens. Das Brauchtum hat sich aber erst im Laufe der Zeit zu dem entwickelt, wie wir es heute kennen. Um diese Entwicklung und die verschiedenen Facetten und Elemente auch Menschen nahezubringen, die sonst nur wenig oder gar keine Berührungspunkte damit haben, sind Museen der richtige Ort. Doch ihnen haftet der Ruf des Althergebrachten an.

Viele junge Menschen fühlen sich im digitalen Zeitalter nicht mehr von der klassischen Wissensvermittlung der Museen angesprochen. Das Zurschaustellen einiger Exponate in abgedunkelten Räumen reicht daher nicht mehr aus. Aus diesem Grund versucht man nun im Rahmen des Projekts „Museum 4punkt0“ neue Wege zu beschreiten. Auf einer Museumstagung, die jetzt in Radolfzell stattfand, erläuterte unter anderem Teilprojektleiter Michael Fuchs und Präsident des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein, welche Pläne man für das Museum hat.

Nach seiner Aussage soll das Museum nach dem geplanten Neubau im Jahr 2020 das „erste Museum mit künstlicher Intelligenz“ sein. Denn die digital unterstützten Vermittlungstrategien, die zur Anwendung kommen sollen, werden zentral von einem sogenannten „Master Brain“ gesteuert. Dieses mit lernende System ermöglicht eine individuelle Anpassung der Inhalte an den jeweiligen Besucher. „Uns geht es um die individualisierte Wissensvermittlung“, erklärte Fuchs dem Fachpublikum aus verschiedenen Museen. Auf diese Weise soll der Besucher genau lernen, was ihn persönlich interessiert.

Möglich werden soll das Prinzip durch die künstliche Intelligenz des Computers, der den Menschen praktisch im Museum verfolgt und die Umgebung (zum Beispiel Licht) auf ihn abstimmt. Dazu schlüpft der Besucher zu Beginn mittels eines kleinen Senders in eine der vorgegebenen Rollen. Genau auf diese werden dann die Wissensinhalte des Museums abgestimmt.

Aktuell sind die Dinge noch im Aufbau und in der Erprobung. In einem Büro in der Höllturmpassage grübeln Michael Fuchs und seine Mitarbeiter täglich darüber nach, wie das Konzept in dem künftigen Museum umgesetzt werden kann. Unterstützt werden sie außerdem von einem noch größeren Team in Leipzig, dass unter anderem an 3D-Visualisierungen arbeitet.

Überhaupt wird der Neubau, in dem sich Fastnachtsmuseum Schloss Langenstein auf zwei Etagen und rund 1100 Quadratmetern präsentiert, vor modernen Technologien nur so strotzen. Unter anderem soll dort eine Augmented Reality-Brille (AR) zum Einsatz kommen, mit der man sich fühlt, als sei die Zukunft bereits Realität. Durch die Brille sieht man das reale Umfeld und gleichzeitig wird in das Sichtglas ein elektronischer Inhalt projeziert. Auf diese Weise können zum Beispiel die Ausstellungsgegenstände mit vielfältigen Inhalten verknüpft werden.

Michael Fuchs bremst allerdings die Erwartungen: „Wir müssen nicht alles umsetzen, was machbar ist“, sagte er. Für die Fachbesucher war trotz aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten eines relevant – die Frage, wie sich die Technik im Alltag bewähren wird. „Es wäre spannend, nach einem Jahr zu hören, wie das mit der Technik funktioniert“, formulierte eine Besuchern ihren Vorbehalt. Das wüsste Michael Fuchs sicherlich auch gerne.