Das Langensteiner Fasnachtsmuseum in Orsingen-Nenzingen plant den Umzug aus dem Schloss, in dem es im Jahr 1969 eingerichtet wurde, in einen Neubau. Einige Gründe sprechen für diesen radikalen Schritt, wie Michael Fuchs, Präsident des Museumsvereins, bei einem Pressetermin vor Ort erklärt. Zum einen habe das Museum im historischen Gemäuer einige Nachteile zu verkraften, die mit einem Neubau auf einen Schlag beseitigt wären.

Denn die derzeitigen Räume sind nur über eine Wendeltreppe mit mehr als 60 Stufen zu erreichen – für Menschen, die schlecht zu Fuß sind, ein echtes Hindernis. Auch während des Pressegesprächs muss ein Teil einer Gruppe mit älteren Besucherinnen mit dem Café beim Langensteiner Golfplatz vorlieb nehmen, statt ins Museum zu gehen. Ein Neubau hätte zudem moderne Toiletten. Und ein Minuspunkt am derzeitigen Quartier seien die Schlossmauern – denn die sind zwar zweifellos sehr stimmungsvoll, aber auch ziemlich kalt. Ein wärmegedämmter Neubau wäre auch für das Archiv des Museums ein Vorteil, erklärt Fuchs. Und er würde eine ganzjährige Öffnung ermöglichen – bislang ist das Fasnachtsmuseum im Winter geschlossen. Auch ein richtiger Rundgang sei in den bestehenden Räumen nicht möglich, so Fuchs.

Zum anderen spielt das Projekt Museum 4.0 in die Umzugspläne hinein, das durch 1,1 Millionen Euro Zuschuss vom Bund möglich geworden ist. Denn die neuen Konzepte, die die Museumsmacher planen, könnten in einen Neubau maßgeschneidert eingepasst werden. So begründet auch Leopold Graf Douglas als Mitglied der Eigentümerfamilie von Schloss Langenstein, wie die Idee vom Umzug aufkam: Das neue Konzept ließe sich in den bestehenden Räumen nicht umsetzen, schreibt er auf Anfrage. Daher ergebe sich nun die Chance, das Museum neu aufzustellen. Und dafür würde die Familie dem Museum auch einen Bauplatz zur Verfügung stellen, der allerdings noch von den Behörden genehmigt werden müsse.

Dieser neue Standort wäre an der Straße zwischen Eigeltingen und Wiechs in der Nähe des Cafés am Golfplatz. Erste Entwürfe für das neue Gebäude gibt es schon, von außen soll es sich möglichst gut in das bestehende Ensemble einpassen, erklärt Fuchs. Innen könne sich das Museum ausbreiten und seine digitalen Konzepte umsetzen. So soll etwa der Gast unsichtbar durch das Museum geführt werden, so Fuchs’ erste Informationen zu den Plänen. Und nicht zuletzt erhofft sich der Verein durch einen Neubau mehr Besucher. Deren Zahl schätzt Fuchs derzeit grob auf etwa 4000 im Jahr. Das Ziel sei ein Ort der Begegnung im Hegau.

Unterstützung für die Umzugspläne kommt offenbar von allen Seiten. So hätten alle Narrenzünfte, an die man mit der Idee bisher herangetreten sei, die Idee positiv aufgenommen, sagt Michael Fuchs. Und auch die Kommunalpolitik hat bereits Unterstützung signalisiert. Eine Bauvoranfrage des Museumsvereins, die im Gemeinderat von Orsingen-Nenzingen besprochen wurde, erntete dort, wie von Bürgermeister Bernhard Volk vorgeschlagen, eine zustimmende Stellungnahme. Tenor der Räte: Man wolle das Museum auf dem Gebiet der eigenen Gemeinde und in der Nähe des Schlosses erhalten. Beim Museumsverein sind jetzt vor allem Geldgeber begehrt. Denn Fuchs rechnet mit Kosten von etwa zwei Millionen Euro, die der Neubau kosten würde. „Und ich werde als Präsident den Verein nicht verschulden“, sagt er.

Der Pachtvertrag zwischen Museumsverein und Schloss laufe noch bis 2025, sagen Fuchs und Douglas. Trotzdem wolle der Verein bis 2020 mit dem Neubau fertig sein, erklärt Fuchs – nicht zuletzt, um ein verspätetes 50-jähriges Bestehen zu feiern.

Bauarbeiten und Orden

Auf Schloss Langenstein laufen derzeit einige Bauarbeiten. Laut Leopold Graf Douglas werden derzeit Mietwohnungen ausgebaut, um das Schloss "langfristig finanziell auf sichere Beine zu stellen". Es sei auch der Traum seines Vaters Christoph gewesen, das Schloss so wieder dauerhaft zu beleben. Man wolle die Öffentlichkeit aber nicht komplett heraushalten. So soll der Alefanz-Orden der Langensteiner Cumpaney weiter im Schloss verliehen werden, schreibt Douglas. Auch anderes wie die regelmäßigen Benefizkonzerte wolle man weiter beherbergen. (eph)