Der Fahrgast-Beirat im Landkreis Konstanz lässt kein gutes Haar am Baustellen-Management der Deutschen Bahn. Es hätte vermieden werden müssen, dass während der derzeitigen Gleisbauarbeiten der Streckenabschnitt zwischen Allensbach und Radolfzell gleich komplett gesperrt wird, heißt es in einer Presseerklärung des Gremiums. Dieses versteht sich als Interessenvertretung für Nutzer von Bus und Bahn. "Bei zweigleisigen Strecken sollte zumindest werktags von 6 bis 20 Uhr immer ein Gleis für den Schienenpersonenverkehr zur Verfügung stehen", so der Beirat.

Weil die Bahn zwischen Allensbach und Radolfzell Schienen und Gleise erneuert, ist dieser Abschnitt seit einer Woche gesperrt – auf beiden Gleisen. Das soll bis zum 3. Oktober dauern. Es gibt einen Ersatzverkehr mit Bussen, der nicht immer reibungslos verläuft und den viele Fahrgäste als stressig empfinden. Zwischen Konstanz und Allensbach verkehrt der Seehas derweil nur noch stündlich statt wie bisher halbstündlich. "Mit Reisezeitverlängerungen von bis zu 40 Minuten pro Wegstrecke werden die Konkurrenten der Schiene einen weiteren Nachfragezuwachs erhalten", heißt es in der Presseerklärung des Beirats. Als in den 70er-Jahren die Schwarzwaldbahn elektrifiziert wurde, habe man die Profile von 36 Tunneln erweitern müssen – und trotzdem habe es damals keine einzige Vollsperrung gegeben.

Ein Bahnsprecher wies gestern die Kritik zurück. Bei derart umfassenden Bauarbeiten, "brauchen wir für das Heran- und das Wegfahren an die Baustelle ein zweites Gleis". Die Bahn setzt einen mehrere hundert Meter langen Gleisumbauzug ein. Bereits vor einigen Tagen hatte ein weiterer Bahnsprecher argumentiert, dass, würde man ein Gleis offen lassen, ein Schutzzaun aufgestellt werden müsste. Dafür aber sei es in Allensbach räumlich zu eng. Und ließe man den Zaun weg, müsste eine elektrische Warnanlage her, "da stünden die Allensbacher senkrecht in den Betten".