Von den rund 60.000 deutschen Grenzgängern, die in der Schweiz arbeiten, kommen fast 76 Prozent aus den direkt angrenzenden Landkreisen Lörrach, Waldshut und Konstanz. Was macht die Schweiz für Arbeitnehmer so attraktiv? „Das Arbeitsangebot und die damit verbundenen Chancen waren im Vergleich zum südbadischen Raum riesig“, erzählt Sascha Langnickel aus der Hotzenwaldgemeinde Rickenbach. Der heute 36-Jährige hatte eine Weiterbildung als Bilanzbuchhalter begonnen, als ihm klar wurde, dass sich seine Berufsziele auf deutscher Seite nicht verwirklichen lassen.

„Man schätzt und respektiert sein Gegenüber"

Seit Dezember 2012 pendelt Langnickel über die Grenze. Er arbeitet inzwischen im Business Support Finance eines Unternehmens der Möbelbranche in der Nähe von Basel. Gut zwei Stunden braucht Langnickel täglich für den Weg zur Arbeit und wieder nach Hause. Er habe sich daran gewöhnt, meint Langnickel, der seine Arbeit in der Schweiz insgesamt positiv erlebt. Er arbeite in einem internationalen Umfeld und werde nicht speziell als Grenzgänger wahrgenommen: „Man schätzt und respektiert sein Gegenüber. Ein wirkliches Gefühl Grenzgänger zu sein, habe ich daher nicht“, so Langnickel. Außer dem guten Jobangebot sind für ihn die bessere Bezahlung und die Pensionskassen klare Vorteile eines Grenzgängers. Er glaubt nicht, dass es für ihn einen wirklichen Anreiz geben kann, wieder in Deutschland zu arbeiten.

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Ähnlich geht es Moritz Seifried. Dem 33-Jährigen gefällt es so gut in der Schweiz, dass er ein Angebot aus seinem Wohnort Konstanz ablehnte. Nach dem Studium in München fand er 2010 einen Job in der Schweiz – es lockten das Gehalt und die Nähe zum Bodensee. Seifried ist User Experience Designer, das heißt er konzipiert Apps und Software möglichst nutzerfreundlich. Für seine erste Festanstellung zog er nach Kreuzlingen.

Bessere Kinder-Unterstützung in Deutschland

Zum Grenzgänger wurde Moritz Seifried dann der Liebe wegen. Wenn seine heutige Frau in die Schweiz gezogen wäre, hätte er viel Bürokratie bewältigen müssen, außerdem sei mit Blick auf die Kinderplanung die Unterstützung in Deutschland besser. "Und Konstanz gefällt uns einfach auch besser", sagt Seifried. Dafür nimmt er höhere Steuern in Kauf: "Ich habe erstmal geschluckt, weil es in Deutschland deutlich mehr ist." Auch um die Krankenversicherung habe er sich kümmern müssen. Doch letztlich gehe die Rechnung für ihn auf. Dass er in der Schweiz weniger Urlaubstage hat, habe er bei seiner Entscheidung nur kurz in die Waagschale geworfen.

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Patrick Gansser hat bereits zweimal den Wechsel in die Schweiz gewagt: 1991, als er nach seiner Automechaniker-Lehre in Gailingen beruflich keine Perspektive am Hochrhein sah, und 2007, als er seine aktuelle Stelle im Schulungsbetrieb des Autogewerbeverbands fand. Zwischendurch kehrte er nach Gailingen zurück, um eine Werkstatt zu übernehmen, doch das sei nicht lange gut gegangen. Zu viele Vorstellungen konnte er nicht umsetzen, zu lieb gewonnen hatte er die nachhaltig zukunftsorientierte Vorgehensweise der Schweizer. Über die Grenze zu ziehen, habe er zwar kurz überlegt, doch dafür sei er etwa als Narrenpräsident viel zu sehr in Gailingen verwurzelt.

Wohnort in der Schweiz wäre von Vorteil

Meist ist nur von Männern als Grenzgängern die Rede. Aber auch viele Frauen gehen zum Arbeiten in die Schweiz. Sabine Dorfmeister pendelt seit mittlerweile 33 Jahren. Die 55-Jährige aus der Hotzenwaldgemeinde Görwihl bildet in der aargauischen Baden Mitarbeiter eines Technologiekonzerns weiter. Auch für sie war das bessere Stellenangebot seinerzeit der Grund, in die Schweiz zu wechseln: „In meiner Umgebung gab es keine adäquaten Jobs.“ Dorfmeister ist täglich gut zwei Stunden unterwegs.

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Trotzdem hat sie nie daran gedacht, auch in ihr Arbeitsland zu ziehen: „Ich fühle mich in Deutschland wohl“ – auch wenn ein Wohnsitz in der Schweiz steuerlich von Vorteil wäre. Als Grenzgängerin schätzt Dorfmeister bis heute den interkulturellen Austausch. Diesen Status will sie nicht ändern: „Jeder Job hat seine guten und schlechten Seiten. Solange die guten überwiegen, sehe ich keinen Grund für einen Wechsel.“