Gut zwei Wochen vor dem Ende der Sommerferien in Baden-Württemberg ist der Start ins neue Schuljahr für die Kinder und Jugendlichen noch weit. Für die Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau aber ist er schon ganz nah.

Die Organisation, die sich für mehr Sicherheit auf den Straßen engagiert, startet in diesen Tagen ihre Kampagne, mit der motorisierte Verkehrsteilnehmer für Vorsicht und Rücksichtnahme sensibilisiert werden sollen.

„Schule hat begonnen!“

Sichtbares Zeichen der Kampagne sind die gelben Banner, die zum Beginn des neuen Schuljahres an Ortseingängen oder in der Nähe von Grundschulen aufgehängt werden: „Bitte langsam! Schule hat begonnen“ ist darauf zu lesen. Rund 40 Transparente werden kreisweit augenfällig angebracht. Die Arbeit erledigen Mitarbeiter der jeweiligen Kommunen.

Rund 3000 Kinder werden im Landkreis Konstanz im September eingeschult. Schulanfänger seien auch Verkehrsanfänger, sie gehörten aufgrund ihres Alters und Entwicklungsstandes im Straßenverkehr zu den schwachen Verkehrsteilnehmern, mahnt die Kreisverkehrswacht in einer Mitteilung.

25 Verkehrsunfälle mit Schülern

Für den Kreisverkehrswacht-Vorsitzenden Willi Streit gilt: „Unser aller Ziel muss sein, dass kein Kind auf dem Weg zur oder von der Schule verunglückt.“ Noch ist dieses Ziel allerdings ein Stück weit entfernt.

2018 ereigneten sich im Landkreis Konstanz 25 Verkehrsunfälle mit Schulkindern (2017: 31). 24 der beteiligten Schülerinnen und Schüler wurden verletzt. 16 verursachten der Statistik zufolge durch eigenes Fehlverhalten den Unfall.

Schulwegtraining für Erstklässler

Willi Streit, der im Beruf Polizeibeamter ist und das Revier in der Stadt Radolfzell leitet, rät Eltern von Erstklässlern dringend zum Schulwegtraining. Dabei sollen die Erwachsenen den Kindern erklären, was sie auf dem Schulweg zu beachten haben.

Das Einüben des richtigen Verhaltens sei eine verantwortungsvolle Aufgabe, die Zeit und Geduld erfordere, erläutert der Verkehrswachtvorsitzende.

Elterntaxis sorgen für Ärger

Ein dringender Appell der Verkehrswacht richtet sich übrigens an jene Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und abholen. Die sogenannten Elterntaxis sorgen vielerorts für Ärger, weil die Fahrer sich zu oft nicht an Verkehrsregeln halten. Parken im absoluten Halteverbot, Wenden auf dem Gehweg, Missachtung von Einbahnstraßenregelungen: Willi Streit sieht eine wachsende Problematik.

Vermeidbarer Stau, verursacht von Elterntaxis: So sah es 2017 oft zu Schulbeginn vor der Waldeck-Schule in Singen aus. Inzwischen hat sich die Situation im Nahbereich der Grundschule dank einer Reihe von Maßnahmen deutlich entspannt.
Vermeidbarer Stau, verursacht von Elterntaxis: So sah es 2017 oft zu Schulbeginn vor der Waldeck-Schule in Singen aus. Inzwischen hat sich die Situation im Nahbereich der Grundschule dank einer Reihe von Maßnahmen deutlich entspannt. | Bild: Stephanie Esch

„Wir haben das Gefühl, dass sich das Verhalten von Jahr zu Jahr verstärkt. Manche Eltern würden am liebsten in die Schule hineinfahren“, sagt der Chef der Verkehrswacht. Er macht sich für verstärkte Kontrollen durch Ortspolizei und Gemeindevollzugsdienste stark: „Die Regeln sind da, sie werden aber nicht befolgt.“

Polizei kündigt Kontrollen an

  • Das Polizeipräsidium Konstanz hat zum Schulstart in der zweiten Septemberwoche eine gezielte Verkehrsüberwachung im Umfeld von Schulen angekündigt. Dabei gehe es nicht nur um Tempokontrollen, sagte Polizeisprecher Markus Sauter. So halten Patrouillen zum Beispiel auch nach an Schulen verkehrwidrig abgestellten Fahrzeugen Ausschau. Das könnte Elterntaxis treffen. Die Kontrollen richten sich auch auf die Anschnallpflicht in Autos und die technische Sicherheit von Fahrrädern.
  • Die Kreisverkehrswacht rät Eltern von Erstklässlern, vor Beginn des Schuljahrs den Schulweg mit dem Kind mehrfach gemeinsam abzugehen. Dabei sollten sich die Eltern für den sichersten Weg entscheiden, der nicht immer der kürzeste sein müsse. Über Gefahrenpunkte sollten die Erwachsenen mit den Kindern sprechen. Auch Unvorhersehbares sollte abgeklärt werden. Beispielsweise: Was ist zu tun, wenn die Ampel ausgefallen ist, oder der Weg durch eine eingerichtete Baustelle oder parkende Fahrzeuge blockiert ist? Ob ein Kind alleine mit Bus oder Bahn fahren kann, hängt nach Auskunft der Verkehrswacht von seiner Reife ab. Demnach trauen Experten Grundschulkindern drei Stationen mit dem Bus zur Schule zu fahren durchaus zu. Beim Umsteigen werde es dagegen schwieriger. Es gelte die Devise: üben, üben, üben.