Bald wird Andreas Giger seine Segelyacht zum zweiten Zuhause machen. Denn kurz vor der Bodenseewoche hat er keine Zeit fürs Pendeln zwischen seinen eigentlichen vier Wänden und dem Konstanzer Hafen. Andreas Giger, Vizepräsident des Yacht Clubs Kreuzlingen, ist der Organisationschef der Bodenseewoche. Und als solcher hat er bereits unzählige Stunden in die Vorbereitung des sportlichen und gesellschaftlichen Ereignisses rund um den Wassersport gesteckt, das international einen guten Ruf hat.

Dass es auch 2017 eine Bodenseewoche gibt, habe sich definitiv erst im vergangenen Oktober entschieden, erläutert Giger. Denn nach der Neuausrichtung hin zu einer ehrenamtlichen Organisation im Jahr 2016 seien nicht alle Mitglieder in den 17 ausrichtenden Segelvereinen, Ruderclubs und DLRG sicher gewesen, ob das auch in Zukunft so zu stemmen sei. Aber die fantastischen Rahmenbedingungen und der weitgehend problemlose Ablauf im vergangenen Jahr hätten einen positiven Ausschlag gegeben.

Und so verbringt Andreas Giger nun seinen Unruhestand im Dienste der Bodenseewoche, die vom 8. bis 11. Juni wieder ein ganz besonderes Flair in den Konstanzer Hafen und auf den davorliegenden Seeteil bringen soll. Bummeln über den maritimen Markt, eine Fahrt mit dem Riesenrad mit Blick auf die Regatten, abends Ruderwettbewerbe, Musik und Tanz – man muss selbst kein Wassersportler sein, um sich dafür begeistern zu können.

Einige Änderungen im Vergleich zu den vorherigen Auflagen der im Jahr 2009 wiederbelebten Bodenseewoche wird es wegen der veränderten Organisationsstruktur aber schon geben. So entfallen die klassischen Motorboote und die Präsentation und Ausfahrten automobiler Oldtimer auf dem Hafengelände. Interessante Autos gibt es dennoch zu sehen, dafür sorgt Volvo als Partner der Bodenseewoche unter anderem mit einem Polizei-Showcar und einem Auto-Boot-Gespann. Auch der SÜDKURIER unterstützt jedes Jahr die Bodenseewoche und ist mit einem Stand gleich neben der Unterführung beim BSB-Kartenbüro vertreten. Auch verloste der SÜDKURIER unter anderem Karten für Fahrten auf einem der wunderbaren historischen Dampfboote, die vor der Hafenmeisterei anlegen, und für Fahrten auf BSB-Schiffen, von denen aus sich die Regatten aus der Nähe verfolgen lassen.

Einen würdigen Platz für die Dampfboote zu finden, war anscheinend gar nicht so einfach, denn das Interesse an einer Teilnahme an der Bodenseewoche ist enorm. Schon frühzeitig erreichten die Meldungen fast die Obergrenze von 160 Booten, erläutert Andreas Giger. Aber die Veranstalter haben ein Prinzip: "Alle Teilnehmerboote sollen im Konstanzer Hafen Platz finden. Wir wollen keine Zweiklassengesellschaft. Deshalb begrenzen wir die Teilnehmerzahl." Ausgerechnet die Liegeplätze für die Boote der Klasse Trias könnten aber gegebenenfalls nach Bottighofen ausgelagert werden. Dabei hatten sich deren Segler angesichts des 50. Trias-Jubiläums auf dem Bodensee in diesem Jahr eigens um eine Teilnahme an der Bodenseewoche beworben.

Wie die Bodenseewoche auch über das eigentliche Ereignis hinaus wirken kann, zeigt die Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk. Seit der Wiederaufnahme der Bodenseewoche verlegt das Konstanzer THW die Schwimmstege. Mittlerweile hat man die schweren Tonnenkonstruktionen gegen erheblich leichtere Kunststoffwürfel ausgetauscht, die sich schneller und mit geringerem Personalaufwand zusammenbauen lassen. Trotzdem sind beim Verlegen immer noch zehn bis 15 Leute im Einsatz. Die Würfel liegen auf dem THW-Gelände, zusammengesetzt zu je acht Meter langen Segmenten, die auf den Transporter passen. In der Nähe des Hafens wassern die Helfer sie ein und schleppen sie an ihre Bestimmungsorte. Peter Herr, Konstanzer THW-Ortsbeauftragter, erläutert: "In Konstanz haben wir 230 Quadratmeter der Kunststoffwürfel gelagert, weitere 120 Quadratmeter holen wir aus Ulm. 180 Quadratmeter gehören der Bodenseewoche, 50 seit 2016 dem THW." Durch das modulare System könnte man die 350 Quadratmeter Behelfssteg innerhalb von gut drei Stunden verlegen. Ziel sei, so viele der Würfel selbst zu kaufen, dass die aufwendigen Transporte nach Ulm entfallen.

Herr sieht praktischen Nutzen über den Wassersport hinaus: "Bei extremem Hochwasser könnten wir beispielsweise auf der Reichenau ganz schnell einen Behelfssteg beim Anleger installieren, über den die Seeverbindung nach Allensbach laufen würde." 1999, beim jüngsten Extremhochwasser, hätte das THW solche Module gut gebrauchen können. Noch ein Beispiel: "Unsere jetzigen Module würden reichen, in Konstanz beim Pulverturm eine zwei Meter breite Verbindung über den Rhein hinweg einzurichten. Je nach Verbau tragen die stapelbaren Module 200 bis 300 Kilogramm pro Quadratmeter."

In aller Kürze

  • Donnerstag, 8. Juni: Die Bodenseewoche beginnt um 12 Uhr ohne offizielle Eröffnung mit den Aktivitäten des maritimen Marktes auf der Hafenpromenade. Ab 15 Uhr rechnen die Veranstalter mit dem Einlaufen der ersten Segelyachten. An allen Tagen werden Feuerlösch- und Polizeiboote präsentiert.
  • Freitag, 9. Juni: Spannend zu beobachten ist ab 10 Uhr das Auslaufen der Boote zu den Regatten in enger Abstimmung mit der Kursschifffahrt. Die Regatten werden auf Großleinwand übertragen, aus der Nähe sind sie von Zuschauerschiffen der BSB zu beobachten. Die Rückkehr ab 16.30 Uhr kann zu einem farbenprächtigen Spektakel werden. Ab 21.30 Uhr gibt es eine Wasserski-Nightshow und die Rudersprintregatta Imperiasprint.
  • Samstag, 10. Juni: Regatten wie am Freitag, von 14 bis 17 Uhr Präsentation alter Dampfboote bei der Hafenmeisterei. Ab 18.45 Uhr Rudersprintregatta Kreuzlinger Prolog, Achter-Ruderregatta 3 Miles of Constance und Illuminierte Fontänenshow des Feuerlöschboots.
  • Sonntag, 11. Juni: Ab 10 Uhr Regatten, 11 Uhr Wasserskishow, ab 14 Uhr Einlaufen der Segelyachten.

Die Bodenseewoche in Konstanz bietet vom 8. bis 11. Juni ein großes sportliches und gesellschaftliches Programm. Auch Familien kommen nicht zu kurz