Sie ist Spanierin, etwa 50 Zentimeter groß, hat treu dreinblickende, dunkle Augen und fährt gern Wohnmobil. Die Rede ist von Violetta. Bernd Kallweit hat die Hündin vor rund eineinhalb Jahren aus einem spanischen Tierheim geholt und mit in den Hegau genommen. Seither lebt der Terrier-Mischling bei ihm in Singen. „Sie will uns immer auf Schritt und Tritt folgen“, erzählt ihr Herrchen. Und das darf sie auch – sogar in den Ferien. „Wir reisen mit dem Wohnmobil, da kann sie ohne Probleme mitkommen“, erklärt Kallweit.

Er ist froh, dass er seine Hündin nicht anderweitig unterbringen muss. Seiner Meinung nach gibt es in der Region zu wenige Möglichkeiten, ein Haustier gut und sicher einzuquartieren, wenn man es nicht mit in den Urlaub nehmen kann. „Das könnte schon etwas mehr sein, der Bedarf ist ja da.“

Tierische Ferien in der Pension Pfotentraum

Eines dieser raren Quartiere für Vierbeiner ist die Tierpension Pfotentraum in Moos. Bis zu 35 Hunde bellen hier zur Hauptsaison um die Wette, entspannen sich in Einzelzimmern mit eigenem Außenbereich oder tollen mit ihren Artgenossen im hauseigenen „Funpark“ herum. Betreiberin Claudia Gentile bietet – wie in einem herkömmlichen Hotel – verschiedene Programme an, mit dem die vierbeinigen Feriengäste verwöhnt werden.

Minibar und All inclusive für den Vierbeiner

Das Angebot reicht von der Halbpension mit Minibar und Zimmerservice auf zwölf Quadratmetern bis hin zum All-Inclusive-Ultra-Paket, bei dem ein 18-Quadratmeter-Zimmer, zusätzliche Snacks und ein buntes Animationsprogramm auf den Luxus-Urlauber warten. Zwischen 19 und 31 Euro pro Tag kostet die Unterbringung je nach Programm – gebucht wird online.

Sie bescheren Haustieren schöne Ferien: Claudia Gentile (links) und Kathleen Treuter von der Tierpension Pfotentraum mit den Vierbeinern Bo und Rosi.
Sie bescheren Haustieren schöne Ferien: Claudia Gentile (links) und Kathleen Treuter von der Tierpension Pfotentraum mit den Vierbeinern Bo und Rosi. | Bild: Graf, Svenja

Für jede Menge Leben in dem tierischen Feriendomizil sorgen außerdem bis zu 30 Katzen, die in Einzel- oder Gruppenzimmern mit verschiedenen Spiel- und Klettermöglichkeiten wohnen. Zwischen 11,50 und 17 Euro kostet die Betreuung der Stubentiger pro Tag. "Für die Besitzer ist es anfangs oft schwierig, das eigene Tier an Fremde abzugeben. Deshalb ist es wichtig, dass die Kunden uns vertrauen und sich auf uns verlassen können", schildert Claudia Gentile ihre Erfahrungen.

Vertrauen aufzubauen ist wichtig

Um dieses Vertrauen aufzubauen, finden vorab grundsätzlich ein Vorgespräch und ein Probewohnen statt, bei dem sich alle Beteiligten ein wenig beschnuppern und kennenlernen können. Aufgrund der hohen Nachfrage sollten sich Tierhalter jedoch möglichst frühzeitig melden, rät die Betreiberin der Tierpension: "Die meisten Leute buchen schon im Dezember für den Sommerurlaub."

Bild: Graf, Svenja

Ähnlich sieht es im Konstanzer Tierschutzheim aus. Hier werden zwar hauptsächlich herrenlose Tiere gepflegt und weitervermittelt, doch auch für Pensionsgäste stehen Plätze zur Verfügung. "Gerade in der Ferienzeit sind diese schnell belegt und die Wartelisten füllen sich", erzählt Leiterin Heidi Schätzle. Neben Hunden und Katzen versorgt sie mit ihren Mitarbeitern auch Kleintiere und Vögel.

Genau wie im Pfotentraum gibt es auch im Tierschutzheim eine Grundvoraussetzung für alle tierischen Urlaubsgäste: "Sie müssen unbedingt ausreichend geimpft und parasitenfrei sein", betont Schätzle. In dem Heim würden sich Krankheiten wahnsinnig schnell ausbreiten, erklärt sie und fügt hinzu: "Jeder Kunde soll seinen Liebling ja nach dem Urlaub gesund zurückbekommen."

Zahl der Aussetzungen scheint zurückzugehen

Als Leiterin des Tierschutzheims hat Heidi Schätzle in den vergangenen Jahren eine erfreuliche Entwicklung festgestellt: "Ich habe das Gefühl, dass es inzwischen immer seltener vorkommt, dass Hunde vor dem Urlaub einfach an irgendwelchen Straßen oder Raststätten ausgesetzt werden."

Halter, die ihre Haustiere lieber mit auf die Reise nehmen möchten, sollten sich vorher genau darüber informieren, in welchem Urlaubsdomizil das möglich ist. Viele Betreiber von Hotels oder Ferienwohnungen nehmen keine tierischen Gäste auf. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. "Wir selbst reagieren auf Tierhaare allergisch und da immer mehr Menschen an Allergien leiden, sind bei uns keine Haustiere erlaubt", erklärt Rita Rohr, die die Ferienwohnung Rohr in Hilzingen vermietet.

Wenn Tierhalter sich nicht an Regeln halten

Sybille Späth vom Apartment Hotel in Konstanz hat in der Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Dabei waren allerdings nicht die Vierbeiner selbst, sondern die Besitzer das Problem. "Wir hatten leider häufig Gäste, die nicht einsehen wollten, dass Hunde aus hygienischen Gründen nicht in den Frühstücksraum dürfen", schildert sie. Mitarbeiterinnen, die die Halter auf das Verbot aufmerksam gemacht hätten, seien wüst beschimpft worden.

Jetzt werden Hunde nur noch auf Anfrage aufgenommen. "Wir sind keine Hundehasser, nur leider gibt es immer wieder Gäste, die sich nicht an die Regeln halten", so Späth.

Für alle Gäste offen – auch für Hunde

Es gibt jedoch auch Urlaubsunterkünfte, in denen Hunde ausdrücklich willkommen sind – zum Beispiel in Singen. Obwohl der Reinigungsaufwand wegen der vielen Haare größer sei, habe man sich dafür entschieden, Tiere aufzunehmen, sagt Cathrin Dietrich vom Hotel Trezor. "Aus dem einfachen Grund, dass wir für alle Gäste offen sind."

Selbst für Tierhalter, die ihre Vierbeiner so bequem mit in die Ferien nehmen können wie Wohnmobil-Urlauber Bernd Kallweit, gibt es noch viele Hindernisse. Man sei als Hundebesitzer sehr gebunden, zum Beispiel bei Restaurantbesuchen oder anderen Freizeit­aktivitäten, schildert er. Für ihn steht deshalb fest: "Im Zweifel entscheide ich mich dann eben für Violetta und verzichte auf andere Dinge." Damit steht dem nächsten Urlaub der Hunde-Dame nichts mehr im Wege.

Tipps für den Urlaub mit Haustieren

Manche Tiere verreisen gern, andere sind zu Hause besser aufgehoben. Schon bei der Urlaubsplanung sollten sich Tierhalter einige Fragen stellen

  • Nehmen wir unser Tier mit? Nicht alle Tiere sind die geborenen Urlauber. „Während Hunde durchaus mit auf die Reise gehen können, sollten Katzen und kleine Heimtiere am besten in ihrer gewohnten Umgebung versorgt werden“, rät Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Im besten Fall kümmern sich Familie, Freunde oder Nachbarn um das Tier, weil dann oft schon ein Vertrauensverhältnis besteht. Ist das nicht der Fall, sollten Betreuer und Vierbeiner vorab die Möglichkeit haben, sich kennenzulernen. Wer eine Unterbringung in einer Tierpension bevorzugt, sollte sich diese zunächst ganz genau anschauen, empfiehlt der Tierschutzbund.
  • Gibt es eine Tiersitter-Börse? Tierhalter, die keinen Tiersitter in der Familie oder dem Bekanntenkreis haben, können sich an der Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm’ ich dein Tier“ des Deutschen Tierschutzbundes beteiligen. Dabei betreuen Tierfreunde ihre Vierbeiner gegenseitig und örtliche Tierschutzvereine helfen bei der Vermittlung.
  • Wie sollten Hunde reisen? Lange Flugreisen sind für Hunde mit enormem Stress verbunden, weil sie stundenlang in einer Box im Frachtraum ausharren müssen. Der Transport im Auto ist daher laut Deutschem Tierschutzbund eher zu empfehlen. Dabei sollten Halter allerdings ausreichend Pausen einplanen und bei langen Fahrten genug Futter und Wasser an Bord haben.
  • Was muss ins Hunde-Gepäck? Neben dem gewohnten Futter und dem Lieblingsspielzeug sollte am besten auch das eigene Körbchen oder die Lieblingsdecke mit ins Reisegepäck. Außerdem rät der Tierschutzbund dazu, einen Heimtierausweis, die Versicherungsnummer und eine Reiseapotheke vom Tierarzt dabei zu haben. Leine, Halsband und gegebenenfalls ein Maulkorb dürfen natürlich auch nicht fehlen. (svg)

Informationen im Internet: http://www.tierschutzbund.de