Zugführer mit Desinfektionsmittel in der Tasche und das vorläufige Ende des Ticketverkaufs bei Fahrern der Regiobusse: Die Coronavirus-Krise erreicht nun auch die Verkehrsbetriebe im Landkreis. Alle Betreiber setzen darauf, dass Mitarbeiter und Fahrgäste die allgemeinen Hygienevorschriften einhalten, also etwa Abstand halten, und bei Symptomen wie Fieber und Husten zu Hause bleiben.

Seehas wird häufig gereinigt

Im Seeshas, der unter der Regie des Deutschland-Ablegers der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zwischen Konstanz und Engen verkehrt, seien Lokführer und Mitarbeiter mit Desinfektionsmittel ausgestattet, sagt Daniel König, Leiter Marketing und Qualität. Die Zugbegleiter seien zudem angehalten, Tickets bei der Kontrolle nicht mehr in die Hand zu nehmen.

Dies werde schon seit Wochen praktiziert. Man habe schon seit langem Pläne für den Fall einer Pandemie in der Schublade, und sich dabei eng mit Schweizer Behörden abgestimmt. Diese seien dann frühzeitig auf den Bahnbetrieb zugekommen, als sich in Italien die Coronavirus-Fälle häuften.

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Sein Unternehmen, so versichert König, setze immer die höchsten Vorgaben und Empfehlungen der Behörden aus Deutschland und der Schweiz um. In den Zügen geben Plakate der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Tipps zum Schutz vor Ansteckungen. Am Automat der SBB sind Hygienevorschriften des Schweizer Bundesamts für Gesundheit das Erste, was Kunden auf dem Bildschirm sehen.

An der Reinigungspraxis im Seehas werde aktuell nichts verändert, denn die Standards seien schon im Alltag hoch, sagt Daniel König. Das Abwischen der Halte-Griffe und Knöpfe zum Öffnen der Türen gehöre zur täglichen Praxis. Alle zwei Stunden, bei jeder Wende des Zugs, werde im Seehas sauber gemacht, unter anderem die Toilette und die Sitzplätze. Immer über Nacht werde der Zug zudem einer Grundreinigung unterzogen.

Keine Fahrkarten beim Busfahrer

Die Regiobusse des Landkreises setzen in Abstimmung mit dem Landratsamts zeitnah Empfehlungen des Kreistages zum Schutz vor dem Coronavirus um, schreibt auf Anfrage Marlene Pellhammer, Sprecherin der Kreisverwaltung. Demnach bleibt die Fahrertür künftig geschlossen. Kein Fahrgast darf mehr vorne einsteigen, er bekommt auch keine Tickets mehr beim Fahrer, sondern muss diese Online, am Automaten oder anderen Verkaufsstellen beziehen.

Die Busse sollen zudem besonders gründlich gereinigt werden. Ansonsten gelten die üblichen Verhaltensregeln, die ein Ausbreiten des Virus verhindern sollen. Jetzt stehe jeder in der Verantwortung, der Ausbreitung des Virus entgegen zu wirken, schreibt Marlene Pellhammer. Das Landratsamt empfiehlt: „Besonders für Personen über 65 Jahre und alle mit Vorerkrankungen gilt zusätzlich, die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs zu vermeiden, und bei nötigen Fahrten auf Randzeiten auszuweichen.“

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Busunternehmer Rainer Klink sagt, Haltegriffe und Stangen in den Bussen seinen schon in den vergangenen Tagen mehrfach in der Woche desinfiziert worden. Auch für die allgemeinen Hygieneregeln habe man die Fahrer schon sensibilisiert. Der Krankenstand sei derzeit in dem für diese Jahreszeit üblichen Rahmen.

Katamaran und Fähren

Auf dem Katamaran, der zwischen Konstanz und Friedrichshafen verkehrt, achte man besonders darauf, dass auf der Toilette die Mittel zur Reinigung der Hände nicht zur Neige gehen, sagt Pressesprecherin Susi Miculic. Die Mitarbeiter kontrollierten zudem die Tickets nur mehr auf Sicht. Sie verzichteten darauf, die Karten in die Hand zu nehmen. Am täglichen Putzstandard sei nichts verändert worden. Die Schiffe würden jeden Abend einer Grundreinigung unterzogen.

Auf den Fähren zwischen Konstanz und Meersburg seien Mitarbeiter strikt angehalten, die allgemeinen Hygiene-Vorschriften einzuhalten, sagt Josef Siebler, Sprecher des Betreibers Stadtwerke. Diese orientierten sich an den Vorgaben von Bund und Land in Sachen Coronavirus. Man setze darauf, dass auch die Fahrgäste, die Hygieneregeln beachten.

Bahn will Regionalverkehr anpassen

Wie die Schwarzwaldbahn mit der Krise umgeht, war auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht zu erfahren. Ein SÜDKURIER-Kollege aus dem Schwarzwald traf einen Zugbegleiter, der behauptete, er und seine Kollegen seien angewiesen, bei einem Corona-Verdachtsfall schnell zu handeln, also sowohl dem Passagier als auch sich selbst eine Schutzmaske aufzusetzen. Eine entsprechende Schutzmaske hatte der Mann tatsächlich bei sich.

Nach Medienberichten will die Bahn in den nächsten Tagen den Regionalverkehr schrittweise der sinkenden Nachfrage anpassen. Dem Presseportal der Deutschen Bahn ist zu entnehmen, dass Kontaktflächen an und in den Zügen des Fern- und Regionalverkehrs verstärkt gereinigt werden, dass verstärkt geprüft wird, ob die Spender von Seifen- und Desinfektionsmittel in den Zugtoiletten gefüllt sind, und die Mitarbeiter mit Desinfektionsmitteln ausgestattet sind. Wenn technisch möglich, würden Fahrzeugtüren beim Halt automatisch geöffnet und geschlossen.

Mit Desinfektionsmitteln unterwegs

Manche Fahrgäste, die am Wochenende im Seehas unterwegs waren, trugen bewusst Handschuhe, andere hatten Desinfektionsmittel in der Tasche. Er folge den üblichen Hygieneanweisungen, sagte Hansfried Koch, der im Seehas nach Konstanz unterwegs war.

Er berichtete, er sei aufgrund seiner Arbeit bestens vertraut ist mit dem Vorbeugen von Infektionen. Denn er arbeite im Gesundheitswesen. Ihm sei bewusst, dass das Virus auf manchen Materialien tagelang überleben könne.

Timo Schwickerath hat ein Desinfektionsspray dabei. Er arbeitet in einer Bäckerei und ist es gewöhnt, Hygieneregeln zu beachten.
Timo Schwickerath hat ein Desinfektionsspray dabei. Er arbeitet in einer Bäckerei und ist es gewöhnt, Hygieneregeln zu beachten. | Bild: Rindt Claudia

Sandra Kuppinger, die zu ihrem Arbeitsplatz pendeln muss, steigt derzeit lieber in die Bahn als in den Bus. In Bussen gehe es viel enger zu. Besonders schlimm sei es beim Schienenersatzverkehr, da stünden die Menschen in der Regel sehr eng. Sie erklärt, wenn sie nicht zur Arbeit müsste, würde sie derzeit in gar kein öffentliches Verkehrsmittel steigen. Um Infektionen vorzubeugen, wasche sie sich gemäß Experten-Empfehlung gründlich die Hände.

Auf die gründliche Reinigung der Hände mit heißem Wasser und bei Bedarf auch Desinfektionsmitteln setzt auch Fahrgast Ali Mansha, der nach Allensbach pendelt. Er sagt: „Man muss jetzt halt mehr aufpassen.“

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