Es ist gerade mal eine gute Woche her, dass der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle für den 30. April 2019 seinen Rücktritt angekündigt hat. Und doch gibt es Indizien dafür, dass die Suche nach dem Nachfolger zumindest die CDU als stärkste Fraktion im Kreistag in dieser kurzen Zeitspanne schon intensiv beschäftigt haben dürfte.

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Das legt eine persönliche Erklärung nahe, die der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion und Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt am Dienstagabend bekannt gemacht hat und die unten im Wortlaut nachzulesen ist. Burchardt, der in der Vergangenheit gelegentlich als Nachfolger des amtierenden Landrats gehandelt wurde, sagt in dieser Erklärung etwas zur eigenen Positionierung, zugleich gibt er Einblick in die taktischen Überlegungen seiner Kreis-Partei.

Er sieht sich in der Verantwortung

Burchardt tut kund, dass er in seinem Amt als Konstanzer Oberbürgermeister glücklich sei und zunächst einmal nicht als Bewerber um den Landratsposten zur Verfügung stehe. Er sehe sich aber in der Verantwortung, für die CDU-Fraktion nach geeigneten Kandidaten zu suchen und werde sich an diesem Findungsprozess auch intensiv beteiligen. Sollte sich am Ende zeigen, dass die Union doch keinen fähigen (und aussichtsreichen) Bewerber präsentieren könne, dann müsse die Situation neu bewertet werden. In diesem Falle ist es doch noch möglich, dass der Konstanzer Oberbürgermeister sich selbst bewirbt. Burchardts persönliche Erklärung bedeutet in Bezug auf die eigene Kandidatur: zunächst nicht, am Ende vielleicht doch.

Bundestagsabgeordneter Jung sagt ab

Ein idealer Kandidat aus den regionalpolitischen Zirkeln der Christdemokraten im Hegau und am Bodensee, der Burchardt den Schritt in die Offensive ersparen könnte, ist auf Anhieb nicht in Sicht. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung wäre für manchen in und außerhalb der CDU die Idealbesetzung. Im Gespräch mit dieser Zeitung formulierte Jung am Dienstag aber eine klare Absage. "Ich bewerbe mich nicht um dieses Amt. Ich nehme mit Leidenschaft meine Aufgabe als Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Konstanz wahr."

Sondersitzung des Kreistags

Uli Burchard will in seiner Erklärung am Ende für die eigene Person nichts ausschließen. Wobei das Ende vorgegeben ist. Das Verfahren sieht eine Bewerbungsfrist vom 30. November bis zum 31. Dezember 2018 vor. Bereits am 12. November soll der Kreistag mit der Einsetzung eines Sonderausschusses die Weichen für die Neuwahl des Landrats stellen. Das Gremium, besetzt mit Vertretern aller Kreistagsfraktionen, soll dann die Regie übernehmen.

Die Erklärung im Wortlaut

Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt hat sich in der Frage der Nachfolge von Landrat Frank Hämmerle folgendermaßen positioniert:


"Nach der Ankündigung von Landrat Frank Hämmerle, im kommenden Frühjahr vor dem regulären Ende seiner Amtszeit zurückzutreten, werde ich von vielen Seiten gefragt, ob ich Landrat des Landkreises Konstanz werden möchte. Dazu ist heute von meiner Seite folgendes zu sagen:

1. Ich bin als OB in Konstanz gewählt, ich bin in und mit meinem Amt glücklich und es gibt in Konstanz noch viel für mich zu tun. Deshalb erkläre ich jetzt auch nicht meine Bewerbung für die Nachfolge von Frank Hämmerle.

2. Auch wir in Konstanz brauchen unbedingt eine gute Landrätin oder einen guten Landrat. Dafür dass diese Nachfolge gelingt, trage ich als 1. Stellvertreter des Landrates und als Vorsitzender der größten Fraktion im Kreistag auch persönlich einige Verantwortung und dafür stehe ich gerade. Wir werden daher aktiv nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten suchen.

3. Die Bewerbungsfrist wird frühestens mit dem Jahreswechsel 2018/2019 enden. Die Entwicklung bis dahin bleibt nun abzuwarten und ich werde sie konstruktiv begleiten. Ich kann heute nicht endgültig ausschließen, dass dann eine Situation eintritt, in der ich über eine mögliche Bewerbung erneut nachdenken werde."