Der Beweis, dass sich das Leben als Grenzgänger lohnen kann, steht in Hilzingen, hat vier Wände, eine Garage und einen direkten Blick auf den Hohentwiel. Es ist das Haus von Torsten Rosin und seiner Familie, die sich dort niedergelassen haben. Das Vorhaben, das neue Eigenheim dort zu bauen, gab es zuvor schon lange, aber der Weg dorthin hätte durchaus weniger steinig sein können, wie er rückblickend erkennen musste.

Bau in Zürich keine Alternative

Das hat vor allem mit dem Schweizer Franken zu tun, jener Währung, in der er sein Gehalt von seinem Arbeitgeber in Zürich erhält. Dort arbeitet Rosin in der Entwicklungsabteilung eines Informatikunternehmens und fährt jeden Tag die rund 60 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz. „Als Wohnort kam Zürich aber nie in Betracht. Bei den Grundstückspreisen dort ist unter einer Million Franken kaum etwas zu machen“, erklärt er.

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Mit seiner Frau wohnte er zwar für sechs Jahre im schweizerischen Eglisau, beide stammen aber ursprünglich aus Engen, wo auch viele ihrer Verwandten und Freunde leben. „Es waren letztlich die starken familiären Bindungen nach Engen, die uns dazu bewegten, zurück nach Deutschland zu ziehen und hier zu bauen“, sagt Rosin. Wenn man aber seinen Hauptwohnsitz nicht in der Schweiz habe, sei es sehr schwierig, von den dortigen Banken einen Kredit zu bekommen, erklärt er.

Kredit in Euro die bessere Wahl

So habe er schließlich bei einer deutschen Bank die eine Hälfte des Kredits in Euro aufgenommen und die zweite als Fremdwährungskredit in Schweizer Franken. Dieser gab jedoch in der Folge stetig nach, weshalb der Hausbau für Rosin faktisch immer ein wenig teurer wurde, je mehr der Franken gegenüber dem Euro an Wert verlor. „Im Nachhinein betrachtet wäre es sicher besser gewesen, den ganzen Kredit in Euro aufzunehmen. Das ist zwar ärgerlich, aber wir sind deswegen nicht in ernste Schwierigkeiten geraten“, sagt er.

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Es ist eine Unsicherheit, die sich nicht vermeiden lässt, wie Wolfgang Aich, Sprecher der Sparkasse Konstanz, betont: „Gerade bei Krediten ist man als Grenzgänger langfristig immer den Währungsschwankungen ausgesetzt, und die kann man auf keinen Fall voraussagen.“ Grundsätzlich könne es nämlich durchaus sinnvoll sein, sein Geld in Schweizer Franken und in Euro gleichermaßen anzulegen, um die Risiken solcher Schwankungen zu verteilen. Bei Krediten, ergänzt Aich, hänge dies jedoch von einer Reihe weiterer Faktoren ab, etwa wo man ein Haus bauen oder seinen Lebensabend verbringen möchte.

Lohnende Altersvorsorge in der Schweiz

Als weitaus lohnender erwies sich für Torsten Rosin die Möglichkeit, als Grenzgänger eine private Altersvorsorge in Deutschland einzurichten. Diese Grenzgänger-Direktversicherung funktioniert ähnlich wie die sogenannte dritte Säule der schweizerischen Altersvorsorge mit monatlichen, steuerlich begünstigten Beiträgen. Das, so betont Rosin, müsse jedoch mit dem schweizerischen Arbeitgeber abgesprochen sein, da dieser dabei als Versicherungsnehmer auftrete. „Auch bei mir hat es einige Diskussionen mit der Personalabteilung gegeben, bis das geklappt hat“, bemerkt er.

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Als Rosin vor 18 Jahren sein berufliches Leben als Grenzgänger begonnen hatte, hätten Fragen zum durchaus privilegierten schweizerischen Rentensystem aber noch keine Rolle gespielt, wie er sagt. „Ich habe nach meinem Studium der technischen Informatik von Anfang an auch den Arbeitsmarkt in der Schweiz im Blick gehabt, weil diese Branche in der Region um Konstanz einfach nicht so stark vertreten ist.“

"Die offen konfrontative Art wird da nicht gerne gesehen"

So habe er dann in einer kleineren Firma angefangen, wo er sich als Deutscher so manchen Spruch habe gefallen lassen müssen. "Später bin ich dann zu einem großen Unternehmen gegangen. Dort war das dann kein Thema mehr, weil die Belegschaft insgesamt sehr international war", schildert Rosin. Überhaupt rät er Grenzgängern, sich der Zurückhaltung der Schweizer anzupassen: "Die offen konfrontative Art wird da nicht gerne gesehen. Das ist ganz ähnlich wie in Süddeutschland, da sind die Mentalitätsunterschiede nicht so groß." Für Leute, die aus anderen Teilen Deutschlands kommen und als Grenzgänger arbeiten möchten, empfehle er jedoch, erst in die Nähe der Grenze zu ziehen und etwas "ins Nachbarland reinzuschnuppern". Er, so betont Rosin, würde diesen Schritt jederzeit wieder machen.