Es war Donnerstag, der 24. Mai, als gegen 12.30 Uhr der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann bei Geisingen auf einer Brücke über die Autobahn 81 ein rotes Banner enthüllte. "Rennraser" ist darauf zu lesen, gekoppelt mit dem kleinformatigen Hinweis: Sofort melden: 110. An anderen Autobahnbrücken sind seither andere Schriftzüge auf Transparenten zu lesen, "Nächste Ausfahrt Gefängnis" zum Beispiel, oder "Todesfahrt", kombiniert mit zwei kleinen Kreuzen.

Die Parolen sind Teil einer Öffentlichkeitskampagne gegen illegale Autorennen. Bereits seit dem 7. März darf auf dem Autobahnabschnitt Engen-Geisingen maximal 130 Stundenkilometer schnell gefahren werden.

Verdacht auf Autorennen

Es war Samstag, der 26. Mai, als gegen 20.30 Uhr der Anruf eines Autofahrers im Polizeipräsidium einging. Der Mann war auf der A 81 zwischen Engen und Geisingen unterwegs. Der Sachverhalt: Verdacht auf ein bevorstehendes Autorennen.

Der Anrufer hatte zwei getunte Autos auf dem Standstreifen entdeckt und hegte den Verdacht, dass die Fahrer sich für ein illegales Rennen bereit machten, zu einer Zeit, in der das Verkehrsaufkommen auf dem Streckenabschnitt abflaut. Als die alarmierte Autobahnpolizei den beschriebenen Streckenabschnitt abfuhr, waren die gemeldeten Fahrzeuge längst weg, wie Polizeisprecher Bernd Schmidt berichtet. Es blieb bei der Vermutung. 

Verkehrsminister Winfried Hermann enthüllt auf der Autobahnbrücke bei Geisingen eines der Motive.
Verkehrsminister Winfried Hermann enthüllt auf der Autobahnbrücke bei Geisingen eines der Motive. | Bild: Roland Sigwart

Nun lässt sich der angezeigte Rennverdacht in zwei Richtungen interpretieren. Einerseits: Der aufmerksame Verkehrsteilnehmer, der den Alarm gab, war durch die Banner der Kampagne gegen Autorennen auf der A 81 entsprechend sensibilisiert.

Andererseits: Die mutmaßlichen Rennteilnehmer haben sich durch die weißen Schriftzüge auf blutrotem Grund nicht abschrecken lassen. Seit Jahresbeginn wurden übrigens vom Streckenabschnitt Engen-Geisingen bisher vier Rennsituationen oder verdächtige Situationen gemeldet. In keinem der Fälle konnte die alarmierte Polizei einen Fahndungserfolg verbuchen.

Gefährliche Ausschläge nach oben

Ungleich erfolgreicher sieht indessen die Bilanz der Geschwindigkeitskontrollen im neuen Tempo-130-Bereich der A 81 zwischen Engen und Geisingen aus. Seit Inkrafttreten der Geschwindigkeitsbeschränkung im März wurden nach Angaben des Polizeipräsidiums 45 Kontrollen durchgeführt. 4100 Verkehrsteilnehmer wurden wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen zur Kasse gebeten. 150 Fahrer wurden wegen massiver Überschreitung des Tempolimits mit einem Fahrverbot belegt.

Polizeisprecher Schmidt bewertet die Ergebnisse so: "Die Beanstandungsquote liegt bei den durchgeführten Kontrollen im Verhältnis zu der Anzahl der gemessenen Fahrzeuge im üblichen Bereich. Allerdings sind die dabei gemessenen Überschreitungen des Tempolimits teilweise gravierend." Einige Verkehrsteilnehmer passierten laut Schmidt die versteckten Kameras an den Kontrollstellen mit Geschwindigkeiten von über 200 km/h.

Die Aussagen des Polizeisprechers lassen sich vielleicht so interpretieren: Es gibt gefährliche Ausschläge nach oben. Aber aufs große Ganze gesehen, missachten Autofahrer auf dem neuen Tempo 130-Abschnitt nicht häufiger die geltenden Regeln als anderswo. Zu diesem Resultat kam jüngst auch die Bußgeldstelle in Karlsruhe, die die Knöllchen verschickt: Der Großteil der geblitzten Fahrer ist weniger als 21 Stundenkilometer zu schnell.