Konstanz Telefonbetrug: Wie falsche Polizisten Senioren abkassieren

Die echte Polizei am Bodensee ist besorgt: Immer häufiger melden sich ältere Menschen, die von mutmaßlichen Betrügern angerufen wurden. Diese Betrüger geben sich als Polizisten aus, sie erzählen abenteuerliche Geschichten und drängen die Senioren zur Herausgabe von Geld. Oft genug haben die falschen Polizisten Erfolg mit ihrer Betrugsmasche. Sie kassieren Millionen. Eine heiße Spur zu Tätern gibt des im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet bisher nicht.

Der Anrufer gibt sich gegenüber der alten Frau als Polizist aus. Er erzählt, dass man bei Ermittlungen nach einem Einbruch eine Adressenliste gefunden habe, wonach auch in der Wohnung der Seniorin eingebrochen werden solle. Der falsche Polizist rät der Frau dringend, Geld und Schmuck vorübergehend bei der Polizei zu deponieren, bis die Einbruchserie aufgeklärt sei. Am Ende übergibt die verängstige Seniorin einem Abholer eine fünfstellige Summe. Als später nach Rückfrage bei der echten Polizei herauskommt, dass die Geschichte vom drohenden Einbruch nur Angstmache und ein großer Schwindel war, ist das Geld weg. Die Betrugsmasche von den Telefonanrufen falscher Polizisten ist nicht ganz neu, aber im Frühjahr 2017 so präsent wie nie. So verzeichnet das Polizeipräsidium eine steigende Zahl von Rückmeldungen älterer Menschen, die von mutmaßlichen Betrügern kontaktiert wurden. "Die Zahl der Anrufe hat massiv zugenommen", sagt Bernd Schmidt, Mitarbeiter in der Medienabteilung des Polizeipräsidiums Konstanz.

Seit Jahresbeginn waren die Abzocker bereits in mehreren Fällen erfolgreich. Die Schadenssumme beziffert Schmidt auf 180 000 Euro. Das ist weniger als im ganzen Jahr 2015 (300 000 Euro), aber deutlich mehr als 2016 (60 000 Euro). Der Konstanzer Polizeisprecher ist sicher, das sich hier nur ein kleiner Teil des Geschehens abbildet. "Viele Geschädigte scheuen aus Scham den Weg zur Polizei", sagt er.

Die Masche mit Anrufen falscher Polizisten ist derzeit auch in den Ostschweizer Kantonen hochaktuell. Allein im Kanton Zürich erbeuteten Telefonbetrüger seit Jahresbeginn rund eine Millionen Schweizer Franken. Im Kanton St. Gallen war es unwesentlich weniger. Summiert sind jeweils finanzielle Schäden durch Anrufe von falschen Polizisten und von Betrügern, die die sogenannte Enkeltrick-Methode anwenden. Enkeltrick-Betrüger gaukeln ihren (betagten) Opfern vor, sie müssten rasch Geld geben, um nahe Verwandte aus einer existenziellen Notlage herauszuhelfen. Die St. Galler Kantonspolizei hat jüngst einen Fall gemeldet, bei dem falsche Polizisten eine Rentnerin um Geld, Schmuck und Gold im Wert von über 300 000 Franken betrogen haben. Hans-Peter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei in St. Gallen, versichert, es sei das erste Mal, dass die Polizei vor der Polizei warnen müsse. "Wir sind überzeugt, dass wir nur eine kleine Zahl der Fälle kennen", sagt Krüsi.

Die St. Galler Kantonspolizei beobachtet das Phänomen der Anrufe falscher Polizisten etwa seit einem Jahr. Ermittlungserfolge oder Aufgriffe mutmaßlicher Täter sind bisher nicht zu verzeichnen. Es gibt keine heiße Spur. Schweizer Fahnder verorten die Basis der Telefonbetrüger in Osteuropa. Die falschen Polizisten bereiten die Geldübergabe unter Umständen über Tage vor. Sie haben auf alle Einwände und Vorbehalte der Opfer eine Antwort parat. Das gilt auch für den Tatort auf baden-württembergischer Seite des Bodensees. Im März hatte ein falscher Polizist im Landkreis Ravensburg eine Seniorin überredet, ihr Geld einem Abholer anzuvertrauen.

Als der Mann dann vor der Haustür stand, kamen der Frau Zweifel. Der Abholer sah nicht so aus, wie die Seniorin sich einen Polizisten vorstellte. Sie ging ins Haus zurück und meldete telefonisch Bedenken bei dem falschen Polizisten an, der die Geldübergabe vorbereitet hatte. Dessen Antwort: Der Abholer dürfe nicht als Polizist erkannt werden, er sei verdeckter Ermittler. Im Polizeipräsidium Konstanz geht man davon aus, dass die Betrüger aus Osteuropa oder der Türkei kommen. Es sind Leute, die Hochdeutsch reden. Polizeisprecher Schmidt spricht von "bandenmäßig organisierter Kriminalität". Ermittlungserfolge können auch hier die Kripobeamten nicht vorweisen. Immer wenn die echte Polizei eingeschaltet wird, sind die falschen Polizisten über alle Berge.


Vorsicht, Falle

  • Die Telefonbetrüger teilen dem Angerufenen mit, dass kriminelle Personen es auf sein Vermögen abgesehen hätten. Das Geld daheim und auf dem Bankkonto, aber auch Wertgegenstände in Schließfächern seien nicht mehr sicher. Deshalb sollte das Vermögen der Polizei zur Lagerung übergeben werden. Die Anrufe erfolgen oft unter einer manipulierten Rufnummer. So kann selbst eine Polizeirufnummer auf dem Display erschienen.
  • Das Polizeipräsidium rät Angerufenen, keine Auskünfte über Vermögenswerte zu geben: „Das erfragt die Polizei nicht.“ Zudem: Niemals Bargeld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben. Die Schweizer und auch die deutsche Polizei betreiben intensive Präventionsarbeit. (fdo)
Weitere Informationen unter: www.polizei-beratung.de oder www.telefonbetrug.ch

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