Das Ende hat ein Datum: Mitarbeiter der Südbadenbus-Gesellschaft der Niederlassung Radolfzell haben ein Schreiben erhalten, dass ihr Vertrag an diesem Standort zum 31. Dezember 2019 ausläuft. Betroffen sind rund 140 Mitarbeiter, davon arbeiten 120 als Busfahrer und 20 Mitarbeiter in Verwaltung und Werkstatt. An diesem Tag verliert die Südbadenbus GmbH (SBG) als Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn den Auftrag für den Regionalbusverkehr im Landkreis Konstanz. Der Kreistag hat die Leistungen im Regionalbusverkehr ab dem 1. Januar 2020 an die Firma Behringer aus Tuttlingen und die Firma Stadtbus Klink in Tuttlingen vergeben.

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Was der SBG als Geschäft noch bleibt, ist der Stadtbusverkehr in Radolfzell. Etwa 20 bis 25 Mitarbeiter dürften am Standort bleiben, um diese Leistung aufrecht zu erhalten. Diese Zahl nennen Beschäftigte, sie wollen sich aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht mit Namen öffentlich äußern. Auch für die anderen Mitarbeiter, die nicht in Radolfzell bleiben können, bedeutet das Aus der Niederlassung nicht, dass ihnen zwangsweise gekündigt wird. Vielen Beschäftigten muss die Deutsche Bahn nach dem Beschäftigungssicherungsvertrag innerhalb des Konzerns einen Arbeitsplatz anbieten. Einige sind ohnehin Bundesbeamte, denen nicht gekündigt werden kann.

Im Bahnkonzern bleiben oder anderen Arbeitgeber suchen?

Aber: Viele Busfahrer müssen sich nach jahrelanger Treue zur Bahn überlegen, ob sie den Wohnort verlassen oder zu einem anderen Arbeitgeber wechseln sollen. "Viele haben Familie, haben hier gebaut oder eine Wohnung, die wollen nicht nach Stuttgart oder auf Lokführer umschulen", sagen Betroffene. Diese Aussagen bestätigt der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Benz: "Die Stimmung ist gedrückt, um es milde zu formulieren." Ein Sozialplan sei unterschrieben, es gebe für scheidende Fahrer eine Abfindung. Und für diejenigen, die bis zum 31. Dezember bleiben, sogar eine Halteprämie. Denn Südbadenbus muss den Regionalverkehr laut Vertrag noch bis zu diesem Zeitpunkt erfüllen. Begeistert ist Betriebsrat Benz über die Konditionen nicht, aber immerhin: "Aus unserer Sicht haben wir das erreicht, was man erwarten kann."

Deutsche Bahn sah keine Chance bei dieser Ausschreibung

Enttäuscht ist Benz über das Engagement der DB-Regiobus Baden-Württemberg, die das unternehmerische Handeln der SBG bestimmt: "Wir haben immer wieder versucht, unseren Arbeitgeber zu bewegen, ein Angebot für den neuen Regionalbusverkehr abzugeben." Doch die Antwort lautete: "Das kriegen wir nicht hin." Die Südbadenbus habe es schwer mit anderen privaten Anbietern zu konkurrieren. Das schreibt die Pressestelle der Deutschen Bahn AG in Stuttgart auf unsere Anfrage: "Das Tarifwerk der SBG sieht deutlich mehr bezahlte Arbeitsbedingungen vor als das WBO-Tarifwerk."

Südbadenbus zahlt besser bei Pausen

Das Kürzel WBO steht für den Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer. Busfahrer dieser Unternehmen bekommen 17 Euro Stundenlohn und damit drei Euro mehr als SBG-Fahrer. Aber die SBG bezahlt nach Aussagen von Busfahrern "weitaus besser und fairer" Pausen und Stillstandzeiten. "Um den gleichen Verdienst nach WBO-Tarif zu erhalten, müsste ein SBG-Fahrer bei einem neuen Arbeitgeber statt 180 Stunden im Monat etwa 230 bis 250 Stunden leisten", rechnet ein Busfahrer vor.

Zuschlag an den günstigsten Bieter

Der Kreis Konstanz hat aber seine neuen Leistungen ab dem 1. Januar 2020 zum WBO-Tarif ausgeschrieben. Und damit den bisherigen Anbieter Südbadenbus aus dem Rennen gekippt. Das sei dem Landratsamt sehr wohl bewusst gewesen, denn mit einem ehemaligen Mitarbeiter der SBG habe ein Fachmann in den Reihen der Kreisverwaltung an der Ausschreibung mitgewirkt, berichten Mitarbeiter der SBG. Da der Zuschlag an den günstigsten Bieter gehen sollte, sei klar gewesen, dass die SBG nicht zum Zuge kommen konnte: "Die Qualität kann nicht besser werden, wenn es immer billiger werden soll", hält der erfahrene Busfahrer fest. Zur Qualität zählt er: Streckenkenntnis, Tarifsicherheit, Servicebereitschaft.

Gewerkschafter Hänel kritisiert Kommunen

Frank-Michael Hänel, Sekretär der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, kritisiert die Kommunen. Sie seien mit daran schuld, dass die SBG keine Bewerbungen auf Ausschreibungen mehr abgebe: "Es würde helfen, wenn die Kommunen diese Klausel aufnehmen: Der neue Betreiber muss die Beschäftigten zu alten SBG-Bedingungen übernehmen." Dann würde das Ergebnis ganz anders aussehen, glaubt Hänel. Der Gewerkschaftssekretär ist enttäuscht über die unternehmerische Entscheidung der Bahn, sich mit der SBG nicht mehr an solchen Ausschreibungen zu beteiligen: "Das ist traurig und bitter für die Beschäftigten."

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Das Aus der Niederlassung Radolfzell trifft auch kleinere Busunternehmer im Kreis, die für die SBG im Linienverkehr im Einsatz waren. Die Ausschreibungslose für den Kreis Konstanz gingen an Unternehmen im Klettgau und in Tuttlingen. Wie stellt ein Mitarbeiter der SBG resigniert fest: "Es sieht so aus, als ob alle Busunternehmer im Kreis Konstanz mit ihren Fahrern zu den Verlieren dieser Ausschreibung gehören."