Die Gefahr ist unsichtbar. Und sie kann den Tod bringen. Wer zu nahe an die 15 000-Volt-Oberleitungen der Bahn herankommt, muss um sein Leben fürchten. Zwei Tage nach einem schweren Stromunfall an einem Bahnübergang bei Markelfingen konnte das Polizeipräsidium Konstanz zumindest in einem Punkt Entwarnung geben. Lebensgefahr bestehe nicht für den 48-Jährigen, der von einem Stromschlag getroffen worden war. Der Mann befinde sich in einer Spezialklinik und werde dort wegen schwerer Verbrennungen behandelt.

Bootsmast stößt an Oberleitung

Dem Ermittlungsstand der Polizei zufolge hatte der 48-Jährige am Samstagnachmittag mit zwei weiteren Personen eine Segeljolle auf einem Trailer über den Bahnübergang am Markelfinger Naturfreundehaus bugsiert.

Dabei war der Mast des Boots mit der Oberleitung der Bahn in Kontakt gekommen. Der 48-Jährige wurde durch einen Stromschlag schwer verletzt. Die beiden Begleiter blieben unverletzt. Nach Einschätzung von Thomas Heim hätte der Kontakt mit der Hochspannungsleitung noch viel schlimmere Folgen haben können. "Das hätte tödlich enden können", sagte der Präventionsbeamte der Bundespolizeiinspektion Konstanz. Die Bundespolizei ist für die Sicherheit im Bahnverkehr zuständig.

Unfall am Bahnübergang beim Naturfreundehaus in Radolfzell-Markelfingen
Unfall am Bahnübergang beim Naturfreundehaus in Radolfzell-Markelfingen | Bild: Bundespolizei Konstanz

Der wichtigste Ratschlag: wegbleiben

Thomas Heim hält unter anderem Vorträge in Schulen, um Kinder und Jugendliche über die Gefahren aufzuklären, die auf Bahnanlagen lauern. Er erzählt dann unter anderem, dass man die Fahrleitung gar nicht anfassen muss, es reicht schon, in die Nähe der Stromanlagen zu kommen, um in akute Gefahr zu geraten, von einem überspringenden Lichtbogen erfasst zu werden.

Der einzuhaltende Mindestabstand beträgt laut Heim 1,50 Meter. Also: Wegbleiben, lautet der dringende Ratschlag Heims. Wenn der Präventionsfachmann den Unterschied der Stromspannung zwischen Steckdose und Oberleitung deutlich machen will, bringt er schon mal einen Flächenvergleich.

Die 230-Volt-Steckdose ist das kleine Schachbrett, die 15.000-Volt-Oberleitung das Fußballfeld. Ist es Übermut und Sorglosigkeit? Nach Erfahrungen von Deutscher Bahn und Bundespolizei setzen sich immer wieder Menschen über Warnhinweise an Bahnanlagen hinweg. So auch bei einem Stromunfall in Konstanz im Juni 2014.

Die Oberleitungen des Seehas' sind tödlich: Durch sie fließen rund 15.000 Volt.
Die Oberleitungen des Seehas' sind tödlich: Durch sie fließen rund 15.000 Volt.

"Tragisch, was da passiert ist"

Damals war nachts im Konstanzer Bahnhof ein 21-Jähriger auf einen Seehas-Zug geklettert. Der junge Mann wollte noch drei Begleiter animieren, ihm zu folgen. Wenig später traf ihn ein Lichtbogen aus der 15 000-Volt-Leitung. Der 21-Jährige starb auf dem Dach des Zuges. Der Vorfall am Samstag bei Markelfingen beschäftigt auch die Deutsche Bahn. "Das ist sehr tragisch, was da passiert ist", sagte ein Sprecher der DB Regio in Stuttgart. Und weiter stellte er fest: "Wir raten zu extremer Vorsicht." Nach Angaben der Bahn zeigte die Inspektion der Anlagen nach dem Unfall, dass an den Leitungen am Bahnübergang in Markelfingen keine Reparaturmaßnahmen erforderlich sind. Wegen des Stromunfalls blieb der Bahnverkehr auf der Strecke für etwa 90 Minuten unterbrochen. Betroffen waren davon die Verbindungen der DB, aber auch der deutschen SBB, die den Seehas zwischen Konstanz und Engen betreibt. Man bedaure den tragischen Stromunfall außerordentlich, stellte SBB-Geschäftsführer Patrick Altenburger fest.

Schilder wie dieses warnen auch am Konstanzer Bahnhof: Vorsicht, Lebensgefahr. Für einen 21-Jährigen kam jede Hilfe zu spät, nachdem er im Juni 2014 auf einen Seehas geklettert war. | Bild: Hanser