Die Corona-Pandemie hat inzwischen auch den Kreis Konstanz fest im Griff, die Menschen sind dazu angehalten, möglichst zu Hause zu bleiben und soziale Kontakte zu vermeiden. Darum, dass Lebensmittel knapp werden könnten, muss sich nach Aussagen der Behörden derzeit niemand sorgen. Doch wie sieht es mit Strom, Gas, Wasser oder dem Internet aus? Was passiert, wenn bei Energie- oder Wasserversorgern viele Mitarbeiter auf einmal erkranken oder in Quarantäne müssen – könnte es dann zu Versorgungslücken kommen? Wir haben bei den Unternehmen im Landkreis nachgefragt, wie sie mit der aktuellen Ausnahmesituation umgehen.

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Keine Einschränkungen in Konstanz

„Die Versorgung mit Gas, Strom, Trinkwasser und Telekommunikation ist uneingeschränkt gesichert“, heißt es in einer Information der Stadtwerke Konstanz. Um zu gewährleisten, dass dies so bleibt, hat das Unternehmen bereits erste Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter getroffen. So versuche man, das Personal – soweit möglich – von zu Hause aus arbeiten zu lassen. „Das geht aber natürlich nicht bei allen“, sagt Pressesprecher Josef Siebler. „Im Gegensatz zu einem Büroangestellten kann ein Monteur schließlich nicht im Home-Office arbeiten.“ Besonders wichtig sei es, erklärt Siebler, dass der reibungslose Netzbetrieb gesichert ist. Falls wichtiges Schlüsselpersonal, das in diesem Bereich tätig ist, krankheits- oder quarantänebedingt ausfällt, sei für Ersatz gesorgt.

Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz, auf dem Solarfeld der Stadtwerke – im Hintergrund ist der kugelförmige Gasbehälter zu sehen.
Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz, auf dem Solarfeld der Stadtwerke – im Hintergrund ist der kugelförmige Gasbehälter zu sehen. | Bild: Michael Buchholz

„Wie alle anderen müssen wir natürlich auch schauen, wie sich die Lage insgesamt entwickelt, schließlich ist die Situation neu und ungewohnt“, sagt der Stadtwerke-Sprecher. „Aber wir haben einen Krisenstab, der bei Bedarf zusammenkommt und über entsprechende Maßnahmen berät.“ Außerdem verfüge das Unternehmen über Notfallpläne – nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. „Die hatten wir sozusagen schon vorher in der Schublade“, so Siebler.

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Pandemie-Plan in Radolfzell aktiv

Ähnlich äußert sich auf SÜDKURIER-Anfrage auch der Geschäftsführer der Stadtwerke Radolfzell, Andreas Reinhardt. Auch er kann die Kunden beruhigen: „Zu Versorgungslücken kann es nicht kommen.“ Das Unternehmen greife zurzeit auf ein Krisen- und Notfallmanagement zurück, das eigens für kritische Infrastrukturen erstellt worden sei, und stehe darüber hinaus in engem Austausch mit der Stadt.

Marco Bach, Michael Just und Thorsten Götter (von links) sind bei den Stadtwerken Radolfzell dafür zuständig, dass die Kunden mit Gas versorgt werden.
Marco Bach, Michael Just und Thorsten Götter (von links) sind bei den Stadtwerken Radolfzell dafür zuständig, dass die Kunden mit Gas versorgt werden. | Bild: Stadtwerke Radolfzell

Zum Schutz der Mitarbeiter sei bereits seit der vorletzten Woche der „Pandemieplan aktiv gestellt“ worden, der Maßnahmen wie strikte Hygienevorschriften und die räumliche Trennung des Personals vorsehe, erklärt Andreas Reinhardt. Sollte sich die Situation noch weiter verschärfen, würden auch die Schutzmaßnahmen erhöht. „Dann sind wir gehalten, unser Schlüsselpersonal noch stärker in den eigens dafür vorgesehenen Räumlichkeiten bis hin zu einer dauerhaften Unterbringung zu separieren.“ Dabei geht es laut dem Geschäftsführer um Mitarbeiter, die die Steuerung der jeweiligen Netzbetriebe Strom, Gas, Wasser, Wärme und Telekommunikation gemeinsam mit der IT-Abteilung abgeschottet aufrechterhalten können.

Innovativer Service im Hegau

Auch im Hegau werden die Haushalte weiterhin mit Strom versorgt. „Der Betrieb zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit ist weiterhin in vollem Umfang gewährleistet“, teilt die Thüga in Singen mit. Deshalb habe das Unternehmen seine Mitarbeiter in Arbeitsgruppen eingeteilt, Home-Office-Lösungen eingerichtet und sämtliche Dienstreisen ausgesetzt.

Regiocenter-Leiter Karl Mohr von der Thüga Energie in Singen vor der neuen Videokabine, die zur Kundenberatung eingesetzt wird.
Regiocenter-Leiter Karl Mohr von der Thüga Energie in Singen vor der neuen Videokabine, die zur Kundenberatung eingesetzt wird. | Bild: Thüga Energie

Um den Kundenservice weiterhin anbieten zu können, setzt die Thüga Energie auf ein innovatives Angebot: Sie bietet in Singen Beratung in einer geschützten Videokabine an, wodurch der direkte Kontakt mit dem Servicepersonal vermieden wird.

Zeitversetzte Schichtarbeit in Engen

Bei den Stadtwerken in Engen ist man ebenfalls auf den Ernstfall vorbereitet. „Bei uns läuft alles normal, ich gehe derzeit nicht davon aus, dass es zu Einschränkungen in der Versorgung kommt“, sagt Geschäftsführer Peter Sartena. Damit das so bleibt, arbeite das Personal zeitversetzt in zwei Schichten und er selbst berate regelmäßig mit den Abteilungsleitern das weitere Vorgehen, so Sartena.

Stadtwerke Stockach in ständigem Kontakt mit Verbänden

In Teams aufgeteilt wurden auch die Mitarbeiter der Stadtwerke Stockach. „Um bei einem Szenario ‚Hoher Personalausfall durch Krankheit oder Quarantäne‘ auch weiter handlungsfähig zu bleiben, sind wir in ständigem Austausch mit den Verbänden und überregionalen Versorgern, die uns im Notfall unterstützen können“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Man habe sehr schnell einen Krisenstab gebildet, der sich in kurzen Intervallen austauscht. Aktuell seien keine Einschränkungen in der Versorgung absehbar.

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Auch Schaffhauser Elektrizitätswerk kann beruhigen

Auch für das Elektrizitätswerk des Schweizer Kantons Schaffhausen (EKS), das neben Büsingen auch weitere Teile des Landkreises Konstanz wie Moos oder Gailingen mitversorgt, haben der Schutz der Mitarbeiter und die Versorgungssicherheit oberste Priorität. Darum, dass wegen der Pandemie möglicherweise die Stromversorgung zusammenbrechen könnte, müssten sich die Kunden keine Sorgen machen, teilt das Unternehmen mit. Die Versorgungssicherheit sei aktuell nicht gefährdet.