Bodenseeraum Straftaten in der Bodensee-Region: Die Gewaltbereitschaft wächst

Mehr Körperverletzungen, mehr Übergriffe: Die Gewaltbereitschaft wächst. Das belegt die Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Konstanz für 2016. Den Trend zur Gewalt bekommen auch die Polizisten in Dienst selbst zu spüren. Tatverdächtige spucken, kratzen, beißen.

Die Polizei registriert im Spektrum der Straftaten einen deutlichen Anstieg bei Gewaltdelikten. So ist im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz mit den vier Landkreisen Konstanz, Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis die Zahl sogenannter Rohheitsdelikte im Jahr 2016 merklich nach oben geklettert (rund zehn Prozent). Unter Rohheitsdelikten summiert die Polizei Straftaten wie Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung, Freiheitsentzug und Raub. Insgesamt wurden hier knapp 7000 Vorfälle aktenkundig. Die Körperverletzungsdelikte seien um über zehn Prozent angestiegen, führte Polizeipräsident Ekkehard Falk am Freitag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für das vergangene Jahr aus.

Auffällig ist nach Angaben von Falk die wachsende Beteiligung von Flüchtlingen an Straftaten. Nachdem Asylbewerber in der ersten Phase der Flüchtlings-Zuwanderung als Täterrandgruppe galten, hat sich inzwischen das Bild gewandelt. Laut Kriminalstatistik waren etwa zehn Prozent von rund 19.200 Tatverdächtigen im Jahr 2016 Flüchtlinge (2015: sechs Prozent). "Auch bei uns ist die Zahl der von Flüchtlingen begangenen Straftaten im vergangenen Jahr deutlich gestiegen", so der Polizeipräsident.

Statistiken für den Landkreis Konstanz und den Bodenseekreis


Einen Sonderstatus nimmt in dem Zusammenhang der Landkreis Sigmaringen mit der dort angesiedelten Landes-Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber ein. Dort wurden im vergangenen Jahr 1176 Straftaten mit Beteiligung von Flüchtlingen registriert. 2015 waren es noch 550. So habe sich die Zahl der Körperverletzungen verdoppelt, hieß es. Viele Straftaten ereigneten sich in den Unterkünften. Für die Polizei ist Sigmaringen ein Brennpunkt. Zehn Beamte kümmern sich dort um das Thema Flüchtlinge.

Betrachtet man nur die Summe der Straftaten 2016, dann hat sich die Sicherheitslage kaum verändert. Rund 47.700 Delikte wurden 2016 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz registriert. Das bedeutet eine geringe Zunahme von 0,6 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Rechne man die Verstöße gegen das Ausländerrecht heraus, die nur von Ausländern begangen werden können, dann sei sogar ein Rückgang der Straftaten festzustellen (minus 0,4 Prozent), wie Ekkehard Falk bei der Präsentation der Kriminalstatistik anmerkte. Der Polizeipräsident stellte in seiner Analyse auch positive Entwicklungen heraus.

Straftaten in den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen



So ging die Zahl der Diebstähle zurück. Und die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen (die 2014 noch bei 24 Prozent lag) konnte die Polizei auf 32 Prozent steigern. Eine Sonderermittlungsgruppe kümmert sich von zwei Standorten aus (Radolfzell und Ravensburg) um die Aufklärung der Fälle. Dass die Zahl der Wohnungseinbrüche dennoch leicht anstieg (um 23 auf 683) lag an einer Serie in Ravensburg. Von 31 Einbruchsversuchen waren allerdings nur zwei erfolgreich. Die mutmaßlichen Täter sind noch nicht ermittelt. Am Ende riet der Polizeipräsident zu Augenmaß bei der Betrachtung der Statistik: "Wir leben im Präsidiumsbereich in einer sicheren Region." Er appellierte, die Bürger könnten Vertrauen in die Polizei haben.

Armin Engelberg, Leiter der Kriminalinspektion für den Bereich Kapitalverbrechen, verwies auf die aktuellen Ermittlungen im Falle der Bluttat vor einer Konstanzer Shisha-Bar. Dabei war ein junger Mann durch eine Messerattacke tödlich verletzt worden. "Es ist wichtig, möglichst rasch viel Personal zusammenzuziehen", sagte Engelberg. Die 50-köpfige Ermittlungsgruppe bleibt weiter im Einsatz, auch wenn in der Zwischenzeit ein mutmaßlicher Hauptverdächtiger gefasst wurde.

Acht Drogentote in einem Jahr

  • Mord und Totschlag beschäftigten 2016 verstärkt die Polizei am Bodensee. Die Zahl der Kapitalverbrechen im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz stieg von 23 (2015) auf 36. Die Aufklärungsquote bei den Tötungsdelikten habe 2016 bei nahezu 100 Prozent gelegen, sagte Polizeipräsident Ekkehard Falk. Aufsehenerregendster Fall war der Dreifach-Mord in Ravensburg-Untereschach. Dort tötete ein Mann mit Beil und Messer seine Frau und zwei seiner drei Kinder. Der mutmaßliche Täter nahm sich später im Gefängnis selbst das Leben. Weil vorher ein Mitinsasse den Mann in der JVA angegriffen hatte, kommt es demnächst noch zu einem Prozess.
  • Drogen: Die Zahl der festgestellten Rauschgiftdelikte ist 2016 um vier Prozent auf 3453 Straftaten angestiegen. Man habe durch den Einsatz revier­übergreifender Ermittlungsgruppen das Dunkelfeld deutlich aufhellen können, so heißt es in den Erläuterungen zur Kriminalstatistik. Bei den Drogensubstanzen lag Cannabis mit 2127 Fällen deutlich vorne. An zweiter Stelle rangieren Amphetamine mit 478 Fällen. Mit großem Abstand folgen Verstöße mit Kokain und Heroin. Acht Menschen starben im vergangenen Jahr an den Folgen von Drogenkonsum (2015: 13). Viermal war eine Überdosis die Todesursache, in den anderen Fällen war es der Langzeitkonsum. Vor allem bei jungen Leuten unter 21 Jahre sei ein deutlicher Anstieg des Konsums von Cannabisprodukten und Amphetaminen zu beobachten, so hieß es. Die Polizei kündigte weitere intensive Kontrollen an.
  • Sexualdelikte: 2016 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums 517 Sexualstraftaten angezeigt. Das sind 55 Delikte mehr als im Jahr zuvor. Wobei nach Angaben von Polizeichef Ekkehard Falk die Zahl der Vergewaltigungen und des sexuellen Missbrauchs rückläufig waren. Die Zunahme der Sexualdelikte machte sich insbesondere in den Landkreisen Konstanz und Sigmaringen bemerkbar.

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