Es begann alles im Kleinen. Als Dieter Bös 1985 das erste Mal das Open-Air-Konzert Rock am See im Konstanzer Bodenseestadion veranstaltete, gab es nur wenig Konkurrenz auf dem Markt. Allein das Hohentwiel-Festival auf dem Singener Hausberg hatte sich bereits etabliert, Rock- und Metal-Musik für junge Menschen wurde dort allerdings nicht gespielt.

Rock am See endet im Jahr 2016

15 000 Besucher kamen zum ersten Rock am See und sahen Herbert Grönemayer und Nina Hagen live auf der Bühne. "Schon im ersten Jahr ein toller Erfolg", sagt Dieter Bös heute. Mit diesem Festival ist Bös mehr als 30 Jahre durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Bis zum Ende. Das vorerst letzte Rock am See fand 2016 statt. Es habe sich am Schluss finanziell einfach nicht mehr gerechnet. Für Bös jedoch kein Rückzug für immer. Er veranstaltet Konzerte und Festivals im süddeutschen Raum sowie Schweiz und Österreich.

Das letzte Rock am See fand im Jahr 2016 in Konstanz statt.
Das letzte Rock am See fand im Jahr 2016 in Konstanz statt. | Bild: Oliver Hanser

Preise für Tickets steigen an

Sein Blick zurück auf die Entwicklung der Branche fällt jedoch gemischt aus. "Es hat eine ungeheuere Professionalisierung und Kommerzialisierung der Musikszene stattgefunden", sagt Bös. Einerseits habe sich das Angebot für den Festivalbesucher stark verbessert, auf der anderen Seite sind die Preise für eine Eintrittskarte in den vergangenen Jahren extrem angestiegen. Dem Veranstalter bliebe aber kaum etwas anderes übrig, als die Preise zu erhöhen.

Hälfte des Budgets für Künstlergagen

Die Gagen der Künstler hätten in den vergangenen Jahren stark angezogen. Musik werde heute online über Strea­ming-Seiten gehört, aber nicht mehr gekauft. Die CD-Verkäufe sind rückläufig. Künstler machen das Geschäft heute mit den Konzerten, erklärt Bös. Mehr als die Hälfte des gesamten Festival-Budgets gehe allein für Künstlergagen drauf, sagt Bös. Aber auch Sicherheit sei ein großer Kostenfaktor. "Das Unglück der Love Parade im Jahr 2010 hat eine Zäsur in der Festivalbranche dargestellt", sagt Bös. Alles sei im Anschluss auf den Prüfstand gestellt worden. Seitdem steigen die behördlichen Auflagen von Jahr zu Jahr.

"Ich habe das Gefühl, wir sind am Maximum"

Marc Oßwald hat viele Jahre gemeinsam mit Dieter Bös' damaliger Konzertagentur Koko das Rock-am-See-Festival organisiert. In der Region veranstaltet er unter Vaddi Concerts, Oßwalds neuer Agentur, unter anderem das Hohentwiel-Festival sowie die Open-Air Konzerte in Meersburg und Tett­nang. "Es spielt eine große Rolle, dem Besucher ein subjektives Sicherheitsgefühl zu geben", sagt er.

Das Singener Hohentwiel-Festival mit seiner einmaligen Lage auf der Burgruine Hohentwiel ist jedes Jahr aufs Neue ein großer Besuchermagnet. Archivbild: Gerhard Plessing
Das Singener Hohentwiel-Festival mit seiner einmaligen Lage auf der Burgruine Hohentwiel ist jedes Jahr aufs Neue ein großer Besuchermagnet. Archivbild: Gerhard Plessing

Neben Brandschutz und Unwetterauflagen kämen seit einigen Jahren die internen Kontrollen der Mitarbeiter hinzu. "Niemand mit bösen Absichten soll sich als Mitarbeiter in das Konzert schleusen können", sagt Oßwald. Alles treibe die Kosten in die Höhe. Aber laut Oßwald sei die Grenze erreicht. "Es gibt keine Garantie, dass diese Preise auch zukünftig bezahlt werden. Ich habe das Gefühl, wir sind am Maximum", sagt er. Ein Konzert am Hohentwiel-Festival kostet zwischen 38 und 67 Euro, je nach Künstler.

Southside bietet All-Inklusive-Schlafplatz für 589 Euro

"Infrastruktur und Innovation gehören heute zu einem modernen Festival dazu", sagt Jonas Rohde. Er ist Presseverantwortlicher bei FKP Scorpio Konzertproduktionen, dem Veranstalter des South­side-Festivals in Neuhausen ob Eck, dem größten Festival der Region. Jährlich führe man unter den 60 000 Southside-Gästen eine Umfrage durch.

Komfort, Services und effizientere Abläufe stünden ganz oben auf dem Wunschzettel. Darauf haben die Organisatoren reagiert: Neben normalem Camping können Besucher auch das Komplett-Sorglos-Paket mit bezugsfertigem Zelt, Betten, Strom und WLAN buchen. Diese Annehmlichkeiten kosten zwischen 459 und 589 Euro. Das Festivalticket ist inbegriffen. Karten für das dreitägige Festival ohne Luxus kosten mit Frühbucher-Rabatt 159 Euro. Danach steigt der Preis, je näher das Festival rückt: erst auf 179 Euro, dann 199 Euro, Spätentschlossene müssen aktuell bereits 219 Euro bezahlen.

Das ist das Southside: Rund 60 000 Festivalbesucher feiern in diesem Jahr vom 22. bis 24. Juni in Neuhausen ob Eck.
Das ist das Southside: Rund 60 000 Festivalbesucher feiern in diesem Jahr vom 22. bis 24. Juni in Neuhausen ob Eck. | Bild: Felix Kästle

Festival deckt vier Musik-Genres ab

"Wir sind aber der Ansicht, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis beim Southside stimmt", sagt Jonas Rohde. Im musikalischen Programm habe sich das Festival immer breiter aufgestellt. Neben drei Hauptbühnen gibt es seit einigen Jahren auch eine Elektro-Bühne. So könne man die vier Genres Rock, Alternative, Hip Hop und Elektro bedienen.

Mehr als 100 Bands und Künstler treten vom 22. bis 24. Juni auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Neuhausen ob Eck im Kreis Tuttlingen auf. Das Unterhaltungsprogramm abseits der Konzerte sei ebenfalls vielfältiger, so Rohde. Bei der Gastronomie setze man auf ein großes Angebot, biete immer wieder neue Getränke an und arbeite mit regionalen Anbietern zusammen.

Campus Festival kostet 34,70 Euro

Mit einem ähnlichen Anspruch wie das Southside-Festival geht auch Xhavit Hyseni von der Agentur Nachtschwärmer-KN an sein Festival. Nur eben viel kleiner. Der Student der Politik-Verwaltungswissenschaften organisiert gemeinsam mit anderen Studenten der Universität Konstanz bereits zum vierten Mal das Campus Festival. Ihr Konzept: Ein anspruchsvolles Angebot für den studentischen Geldbeutel.

Das Campus Festival in Konstanz zieht viele Studenten an.
Das Campus Festival in Konstanz zieht viele Studenten an. | Bild: nik

Der Wettbewerb um die Künstler ist hart

Karten für das zweitägige Festival gibt es ab 34,70 Euro. Hyseni misst dem Drumherum eine ebenso große Bedeutung bei wie der Auswahl des Bühnenprogramms. "Wir stehen im Wettbewerb mit vielen anderen Veranstaltungen, da muss alles stimmen", sagt er. Für einen Marktneuling sei es vor allem eine große Herausforderung die gewünschten Künstler für sich gewinnen zu können. Da müsse man sich erst einen Namen machen, so Hyseni.

Konzertveranstalter Dieter Bös stimmt dem zu. Es sei in der Tat heute schwieriger, sich zu etablieren. Große Veranstalter würden kleine Festivals verdrängen. Für das Campus Festival sieht Bös allerdings gute Chancen: "Sie haben bewiesen, dass man noch immer aus dem Nichts ein tolles Festival gestalten kann."

Festivals in der Region: Ein Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

  • Rock am See: 30 Jahre lang war Rock am See eines der letzten Festivals der Saison. Ende August/Anfang September wurde es im Bodenseestadion in Konstanz noch einmal richtig laut. Rockgrößen wie Metallica, Die Ärzte, die Toten Hosen, The Cure, Green Day, BAP und Santana spielten vor bis zu 25 000 Besuchern. Doch die Besucherzahlen schwankten. So kamen 2015 nur 11 000 Besucher, um den Headliner Kings of Leon zu sehen. 2016 fand das vorerst letzte Rock-am-See-Festival statt. Die Veranstalter gaben an, dass es sich finanziell nicht mehr rechne.
  • Hohentwiel-Festival: Das älteste Festival in der Region. Im kommenden Jahr wird die Konzertreihe auf der historischen Karlsbastion zum 50. Mal stattfinden. Pro Konzert können rund 3800 Besucher auf den Hohentwiel. Das Line-Up für dieses Jahr steht schon fest: Zwischen dem 21. und 29. Juli wird es Konzerte von Dieter Thomas Kuhn (21. Juli), Beth Ditto (23. Juli), Kontra K (26. Juli) und Alan Parsons Live Project (29. Juli) geben. Karten gibt es in allen SÜDKURIER-Geschäftsstellen oder unter der Telefonnummer: (0800) 800-8000, www.hohentwielfestival.de
  • Campus Festival: Bereits zum vierten Mal findet auf dem Parkplatz der Universität Konstanz das Campus Festival statt. Am 1. und 2. Juni spielen im Uni-Wald Bands wie Treppmann, Moop Mama und Von wegen Lisbeth. Es gibt neben der Hauptbühne noch zwei weitere Bühnen mit Programm. Auch lokale Musiker bekommen hier die Chance auf ein großes Publikum, am ersten Festivaltag gibt es einen Poetry Slam. Die Studentenvertretung der Uni Konstanz ist Mit-Veranstalter. Karten gibt es online über reservix.de oder im Vorverkauf beim SÜDKURIER. www.campusfestival-kn.de
  • Milchwerk-Musik-Festival: Zum ersten Mal wird in Radolfzell das Milchwerk-Musik-Festival abgehalten. Anders als die übrigen Konzerte findet dieses Festival im Tagungs- und Kultur-Zentrum Milchwerk, also in einer Halle, statt. Vom 5. bis zum 9. September spielen Künstler wie Ex-Kelly Family-Mitglied Michael Patrick Kelly, Soulsänger Laith Al-Deen oder Radio Doria, die Band von Tatort-Star Jan Josef Liefers, in Radolfzell. Das Milchwerk bietet Platz für 2000 Besucher. Karten gibt es an den SÜDKURIER-Vorverkaufsstellen. Weitere Informationen unter www.milchwerk-radolfzell.de
  • Gute-Zeit-Festival: Neu auf dem Festival-Markt ist das Gute-Zeit-Festival im Bodenseestadion. Es fand in diesem Jahr im Mai bereits zum vierten Mal statt und hat sich auf elektronische Musik spezialisiert. Auf mittlerweile drei Bühnen traten lokale und international bekannte DJs auf. Da das Bodenseestadion nur zur Hälfte für das Festival genutzt wird, passen etwa 5000 Besucher auf das Gelände. Am Samstag, 26. Mai, traten Künstler der Elektro-Szene wie Monika Kruse, Alle Farben und Super Flu auf. Weitere Informationen unter: www.gutezeit-festival.de