Es müssen nicht immer Treppen oder hohe Bordsteine sein. Auch Sprache kann eine Barriere bilden, wenn sie zu kompliziert ist und Menschen sich durch sie ausgeschlossen fühlen. Um dieses Hindernis zu überwinden, hat der Caritas-Verband Singen-Hegau sein inklusives Angebot erweitert und ein Büro für Leichte Sprache eröffnet.

Unter dem Namen Wort-Wechsel werden dort Dienstleistungen angeboten, die Menschen mit eingeschränkter Lesefähigkeit einen besseren Zugang zu Kommunikation ermöglichen sollen. Konkret bedeutet das: Geschultes Fachpersonal übersetzt Informations-Texte, Briefe und vieles mehr in Leichte Sprache. Vor allem kryptische Behördentexte müssen oft vereinfacht werden.

So wird zum Beispiel aus der komplizierten Lichtsignalanlage eine einfache Ampel. Außerdem bietet Wort-Wechsel Kurse an, in denen die Grundlagen dieser Ausdrucksweise vermittelt und eingeübt werden. "Wir wollen Inklusion leben", erklärte Jochen Roth, Leiter des Caritas-Bereichs Arbeit, zum Start von Wort-Wechsel.

Barrierefreiheit spielte auch bei der Eröffnung eine große Rolle, denn sie fand in einem sogenannten Webinar statt. Per Mausklick konnten sich Gäste online zuschalten und den Auftakt digital erleben. Ingrid Laible, die zertifizierte Übersetzerin und inhaltlich Verantwortliche des Büros, betonte die Wichtigkeit des Angebots als Aspekt der Inklusion: "Menschen, die bisher immer auf Fürsprecher angewiesen waren, bekommen dadurch eine Stimme." Jeder Mensch habe das Recht, überall mitzumachen, führte sie aus. Doch das sei nur möglich, wenn jeder auch alles verstehen könne.

Netzwerk hat auch ein Qualitätssiegel

"Wo Leichte Sprache draufsteht, muss sie auch drin sein", fordert Jochen Roth. Deshalb sei es wichtig zu erwähnen, dass Wort-Wechsel das Qualitätssiegel des Netzwerks Leichte Sprache verwenden darf. Das stellt sicher, dass die Texte tatsächlich allen Regeln entsprechen, die von dem Netzwerk erarbeitet wurden. Diese sind vielfältig, denn neben dem Inhalt unterliegt auch die Gestaltung eines Textes festen Kriterien.

Ein praktisches Beispiel lieferten Ingrid Laible und Jochen Roth zum Abschluss ihrer Präsentation: "Fischers Fritze fischt frische Fische. Frische Fische fischt Fischers Fritz" wird in Leichte Sprache übersetzt zu dem erheblich kürzeren und verständlicheren "Fritz angelt".

Wort-Wechsel richtet sich an Menschen aus der ganzen Region, die eine eingeschränkte Lese- oder Schreibfähigkeit besitzen. Diese senden ihre Texte an das Büro, wo sie übersetzt und geprüft werden. Derzeit arbeitet das Team noch in der Förderstätte St. Teresa.

Zukünftig soll es aber in die neue Werkstätte für Menschen mit Behinderung in der Singener Südstadt integriert werden. "Für die Arbeitspraxis hat der Standort aber nur eine geringe Bedeutung", so Ingrid Laible. Aufträge erhalte das Team, so sei es geplant, in der Regel online – also vollkommen barrierefrei.

Kurze Sätze, einfache Wörter: Leichte Sprache hat feste Regeln

Leichte Sprache sieht einfach aus, unterliegt jedoch zahlreichen Regeln. Menschen mit und ohne Lernschwierigkeiten haben sie gemeinsam im Verein Netzwerk Leichte Sprache erarbeitet.

  • Einfache Wörter sind Begriffe, die etwas möglichst genau beschreiben. So ist zum Beispiel der „Öffentliche Personennahverkehr“ eher abstrakt und damit nicht so leicht zu verstehen wie „Bus und Bahn“. Auch Fremdwörter und Abkürzungen haben in der Leichten Sprache keinen Platz.
  • Kurze Sätze sorgen außerdem für ein besseres Leseverständnis. Komplizierte Schachtelsätze, Konjunktive oder Passivkonstruktionen sind zu vermeiden. Redewendungen werden ebenfalls schnell missverstanden.
  • Gestaltung und Bilder sind wichtige Bestandteile Leichter Sprache. Eine große und gerade Schrift erleichtert das Lesen, und ein Satz sollte immer in einer neuen Zeile beginnen. Einfache Bilder können zusätzlich dabei helfen, Texte besser zu verstehen.

Informationen im Internet: www.leichte-sprache-caritas.de