Es ist eine gemischte Bilanz, die das Polizeipräsidium Konstanz am Dienstag bekannt gemacht hat. Einerseits weist die schriftlich vorgelegte Verkehrsunfallstatistik verschiedene positive Entwicklungen aus. So sank 2018 die Zahl der Verkehrstoten aus den Straßen im Präsidiumsbereich mit den Landkreisen Konstanz, Sigmaringen, Ravensburg und dem Bodenseekreis gegenüber dem Vorjahr deutlich. Auch die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle und der Autobahnunfälle im Bodenseeraum ging zurück. Andererseits zeigen die Zahlen in einigen Bereichen beunruhigende Tendenzen.

Zehn Radfahrer tödlich verunglückt

Große Sorge bereite der Polizei die seit Jahren kontinuierliche Zunahme der Fahrrad- beziehungsweise Pedelecunfälle, wie der kommissarische Leiter des Polizeipräsidiums, Gerold Sigg, in der Unfallbilanz ausführt. So habe sich 2018 die Zahl dieser Zweiradunfälle um sieben Prozent auf 1339 Schadensereignisse erhöht. Zehn Radfahrer wurden getötet (2017: 9) und 285 (268) wurden schwer verletzt sowie 1071 (939) leicht verletzt. Laut Sigg liegt der Schluss nahe, dass die steigenden Unfallzahlen mit dem Anstieg der Elektro-Fahrradnutzer einhergehen.

Sigg kündigt für das neue Jahr verstärkte polizeiliche Maßnahmen an. Dabei soll es um Aufklärungsaktionen, aber auch um konsequente Ahndung von Verstößen gegen Verkehrsregeln gehen. Markus Sauter, Sprecher des Konstanzer Polizeipräsidiums, verwies gegenüber dieser Zeitung auf die Zielrichtung von Präventionsprogrammen. Hier setzt die Prävention schon in Kindergärten und Schulen an. Da oftmals ältere Menschen auf Fahrrädern mit unterstützendem Elektroantrieb unterwegs sind, setzen Präventionsmaßnahmen der Polizei auch bei diesem Personenkreis an. "Wir nutzen jede Gelegenheit, um in Seniorenrunden auf die Probleme hinzuweisen", erklärte Polizeisprecher Sauter. Als unerfreulich bezeichnet Polizeichef Gerold Sigg in der Verkehrsunfallbilanz auch die Tatsache, dass 2018 deutlich mehr Fußgänger an Unfällen beteiligt gewesen seien. Die Zahl der beteiligten Fußgänger stieg gegenüber dem Vorjahr von 312 auf 346 (plus 7,8 Prozent).

"Wie im Blindflug unterwegs"

Die Statistik des Polizeipräsidiums zeigt unterdessen auch: Gut 42 Jahre nach Einführung der Anschnallpflicht in Autos gibt es immer noch reichlich Verstöße gegen diese Regel, und die Tendenz ist offenbar steigend. Bei Verkehrskontrollen ertappten Polizisten auf den Straßen im Präsidiumsbereich über 9000 Fahrzeuginsassen, die nicht angeschnallt waren, etwa 500 mehr als 2017. Als gravierende Unfallgefahr stuft Polizeichef Sigg in seiner Analyse auch die Nutzung von Handys während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung ein. Kontrollen zeigten: Zeitweise seien Autofahrer "wie im Blindflug unterwegs", so beschreibt Sigg die Lage. Im vergangenen Jahr stellten Kontrolleure der Polizei im Präsidiumsbereich 4885 Anzeigen wegen verbotener Handynutzung aus, 1370 mehr als 2017.

Fast drei Unfälle in der Stunde

  • Die Unfallzahlen: Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz mit den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen, Konstanz und Bodenseekreis wurden im vergangenen Jahr pro Stunde fast drei Verkehrsunfälle gemeldet. In der Summe weist die Statistik 24 848 Verkehrsunfälle aus. Das bedeutet einen Rückgang gegenüber 2017 um vier Prozent.
  • Die Motorradfahrer: Auf den Straßen im Präsidiumsbereich kamen im vergangenen Jahr 37 Menschen ums Leben (minus 36 Prozent). Zehn der tödlich Verunglückten waren Motorradfahrer. 205 motorisierte Zweiradfahrer wurden bei Unfällen schwer verletzt, 470 kamen mit leichteren Blessuren davon. Motorradfahrer waren an 797 Unfällen beteiligt.
  • Alkohol und Drogen: In 392 Fällen (2017: 411) war 2018 nach Polizeiangaben Alkohol die Unfallursache. Bei alkoholbedingten Unfällen wurden drei Menschen getötet und 55 schwer verletzt. Bei 31 Verkehrsunfällen stand jeweils einer der beteiligten Fahrer unter Drogeneinfluss. Die Bilanz dieser Unfälle: Eine Person wurde getötet. Elf Personen wurden verletzt. (fdo)