Das Mädchen zeigt mit großen Augen auf die Ente. "Mama, was hat die denn da?", fragt sie aufgeregt. Nun sorgen gewöhnliche Enten in Konstanz auch bei Kleinkindern kaum mehr für einen Anstieg des Pulses. Doch das Mädchen hat nicht irgendeine Ente vor sich, sondern das derzeit wohl bekannteste Exemplar der Stadt. Für die außergewöhnliche Aufregung sorgt ein kleines Plastikkästchen, das seit Wochen unter dem Hals der Stockenten-Dame baumelt.

Die berühmteste Stockente der Stadt ist Teil eines Forschungsprojekts

Das gehört zwar genau dort nicht hin, hat aber seinen Zweck. Es handelt sich um einen 22 Gramm schweren Logger, wie die Geräte zum Aufzeichnen von Positionsdaten heißen. Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell haben mehrere Dutzend Stockenten damit versehen, um ihre Wanderungsbewegungen studieren zu können.

Projektleiter: Enten verhalten sich auch mit Logger völlig normal

Das kleine Gerät, das eigentlich wie ein Rucksack hinter dem Kopf der Enten sitzen sollte, empfängt einmal pro Stunde ein GPS-Signal, das via Satellit kommt, und sendet es per Mobilfunk zurück an die Wissenschaftler. Projektleiter Wolfgang Fiedler erklärt: "Das Verhalten der Enten mit Loggern ist völlig normal, viele haben den Bodenseeraum verlassen und brüten derzeit in 1000 bis 1500 Kilometern Entfernung im Baltikum und Osteuropa." Andere bleiben am Bodensee. So wie die namenlose Enten-Dame mit übergeordneter Prominenz.

Erste Sorgen um das Wohl der Ente bereits Ende Mai

Bereits Ende Mai sorgten sich Bürger und Touristen um das Tier und wandten sich an den SÜDKURIER. Die Wissenschaftler aus Radolfzell bedankten sich für die Hinweise und wollten die Stockente umgehend kurzzeitig einfangen und aus ihrer misslichen Lage befreien. Die Sorgen um das Wohl der Ente schienen sich aufzulösen.

Noch hängt das Gerät an der falschen Stelle

Auch Vogelschützer wie Harald Jacoby witterten keine Tierqual, zumal der Versuch von einer Ethikkommission begleitet werde. Jacoby ist Teil des Vorstands der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee und betont die Bedeutung der Forschung, um das Verhalten der Tiere zu verstehen. Das Problem: Bis jetzt watschelt die berühmteste Ente von Konstanz am Bodenseeufer entlang – mit Logger.

Forscher geben Fangversuche vorerst auf: Die Ente ist zu scheu

Der Konstanz Richard Brems, der die Ente seit einiger Zeit beobachtet, sagt: "Das Tier erscheint mittlerweile etwas scheuer oder auch irritierter." Die Wissenschaftler aus Radolfzell räumen ein, dass sie das Gerät bisher nicht entfernen konnten.

Weil sie die wachsende Scheu ebenfalls feststellen und die Ente nicht zusätzlich stressen wollen, haben sie die anfänglichen Fangversuche vor wenigen Tagen vorläufig eingestellt. "Natürlich bleiben wir dran, aber mehr oder weniger blinder Aktivismus bringt uns leider nicht weiter", erklärt Projektleiter Fiedler.

Enten wissen, wer Freund und wer Feind ist

Das wachsende Misstrauen könnte auch damit zu tun haben, mutmaßt er, dass auch andere den Vogel einfangen wollten. Dass Enten grundsätzlich zutraulich und deshalb leicht zu fangen seien, verneint Fiedler. Selbst wenn sie aus mancher Menschen Hand fressen. "Stockenten werden seit über 2000 Jahren von Menschen gejagt und sind sehr gut darin, zu erkennen, wer sie fangen möchte und wer kein Feind ist", sagt er.

Dieser Erpel trägt den sogenannten Logger an der richtigen Stelle.
Dieser Erpel trägt den sogenannten Logger an der richtigen Stelle. | Bild: privat

Forscher hoffen jetzt, dass der Logger einfach abfällt

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass sich die Entendame nicht wegen des herabhängenden Geräts verheddert. Wolfgang Fiedler hält dies für unwahrscheinlich. "Eher wird er irgendwann abfallen, was mir natürlich das Allerliebste wäre", sagt er. Darauf warten wollen die Forscher aber nicht. So bleibt es vorerst bei der Beobachtung und zaghaften Fangversuchen der berühmten Watschlerin. Und dabei, dass sich Kinder über ihren ungewöhnlichen Halsschmuck wundern.

Probleme mit den Geräten treten wohl durch eine Änderung in der Befestigung auf

Moderne GPS-Logger sollen die klassische Beringung von Vögeln ersetzen. Wissenschaftler können so Daten sammeln, die über die Lokalisierung hinausgehen, unter anderem über das Wetter. Mit einer App für Smartphones können sowohl professionelle Forscher als auch Hobby-Vogelkundler die Routen der Tiere beobachten.

Flächendeckende Probleme mit den bei den Bodensee-Enten eingesetzten Loggern habe es laut Projektleiter Wolfgang Fiedler lange nicht gegeben. Zuletzt häuften sich allerdings Fälle von beschädigten Befestigungen der aus Teflon hergestellten Bänder. Laut Fiedler habe es an der Schlaufe eine kleine Änderung gegeben, die dazu führe, dass das Band an dieser Stelle reiße.