3.30 Uhr morgens. Kein Auto ist weit und breit auf der Mainaustraße zu sehen. Ein einsamer Fahrradfahrer strampelt Richtung Bushaltestelle Salzberg. Es ist Martin Löber, einer von 1709 Zustellern bei der DKZ, von denen 515 in dieser Region tätig sind.

21 Uhr, Konstanz: Der Zeitungsdruck beginnt. Bis alle 16 Ausgaben der Tageszeitung gedruckt sind, dauert es vier Stunden. Hier sieht man Marcel Krumbiegel beim Einziehen der Papierbahnen in die Druckmaschine Cortina.
21 Uhr, Konstanz: Der Zeitungsdruck beginnt. Bis alle 16 Ausgaben der Tageszeitung gedruckt sind, dauert es vier Stunden. Hier sieht man Marcel Krumbiegel beim Einziehen der Papierbahnen in die Druckmaschine Cortina. | Bild: Nina Kenda

Mitten in der Nacht beginnt sein Arbeitstag. Der 70-Jährige bepackt die Satteltaschen. 120 Exemplare des SÜDKURIER, dazu 20 Fremdzeitungen und einen dicken Packen Prospekte muss er im ersten seiner zwei Bezirke an die Kundschaft bringen. An sechs Tagen in der Woche ist der gebürtige Hesse unterwegs. Bei Wind und Wetter. „Am 10. August hatte ich mein Zehnjähriges“, sagt Martin Löber stolz. Er hat einen harten Job und macht ihn voller Leidenschaft – immer unterwegs im Auftrag der Demokratie.

23.30 Uhr, Konstanz: Die Zeitungen werden verladen. Bis zum Ende des Zeitungsdrucks, der gegen 1 Uhr ist, werden die rund 120.000 Zeitungsexemplare verladen und ausgeliefert. Hieu-Nghia Le hat beim Einladen der Zeitungen alle Hände voll zu tun.
23.30 Uhr, Konstanz: Die Zeitungen werden verladen. Bis zum Ende des Zeitungsdrucks, der gegen 1 Uhr ist, werden die rund 120.000 Zeitungsexemplare verladen und ausgeliefert. Hieu-Nghia Le hat beim Einladen der Zeitungen alle Hände voll zu tun. | Bild: Nina Kenda

„Als ich in Rente gegangen bin, habe ich eine Beschäftigung gesucht und wollte mir etwas dazuverdienen“, sagt der frühere Altenpfleger. Gefunden hat der Frühaufsteher eine perfekte zweite Karriere. „Das Radfahren hält mich körperlich fit – und geistig, denn man muss viel organisieren“, sagt er. Seine Planung erledigt Löber akribisch.

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Wie viele Zeitungen er aus der Satteltasche nehmen muss, weiß er selbst bei großen Häuserblocks. „Der hier will die Zeitung aufs Bänkle vor der Tür“, erklärt er. Einige Häuser weiter flüstert er: „Der hat Schlafstörungen, da muss ich den Briefkasten leise zuklappen.“ Sein Atem bildet Wolken in der kalten Nacht, während Löber sanft die metallene Klappe schließt.

2:00 Uhr, Konstanz: Die Zusteller übernehmen. Die ersten Zusteller nehmen die Zeitung ab 2 Uhr an ihren Abladestellen in Empfang. Um 3.30 Uhr packt Martin Löber an der Bushaltestelle Salzberg in Konstanz die Zeitungen und Prospekte auf sein Fahrrad.
2:00 Uhr, Konstanz: Die Zusteller übernehmen. Die ersten Zusteller nehmen die Zeitung ab 2 Uhr an ihren Abladestellen in Empfang. Um 3.30 Uhr packt Martin Löber an der Bushaltestelle Salzberg in Konstanz die Zeitungen und Prospekte auf sein Fahrrad. | Bild: Feiertag, Ingo

Martin Löber weiß, was seine Kunden wünschen. Eine Frau möchte ihre Zeitung extra früh haben. Für sie radelt er einen Umweg. Manche teilen ihm zuweilen mit schroffen Worten mit, wenn etwas schiefgegangen ist, andere kleben Fotoanweisungen an den Briefschlitz. Dabei macht sich Martin Löber viele Gedanken, wie er seinen Job zu erledigen hat. Das beginnt schon beim Falten. „Die Titelseite muss vorne sein“, sagt er. „Das sieht schöner aus. Ich will, dass der Kunde Freude und Spaß hat an der Zeitung.“

4:00 Uhr, Konstanz: Unterwegs im Bezirk. Jeder Zusteller hat ein gewisses Zeitfenster, welches er selbst wählen kann, um die Zeitungen zuzustellen. Die Stirnlampe ist Gold wert, wenn Martin Löber mitten in der Nacht den SÜDKURIER an seine Kunden bringt.
4:00 Uhr, Konstanz: Unterwegs im Bezirk. Jeder Zusteller hat ein gewisses Zeitfenster, welches er selbst wählen kann, um die Zeitungen zuzustellen. Die Stirnlampe ist Gold wert, wenn Martin Löber mitten in der Nacht den SÜDKURIER an seine Kunden bringt. | Bild: Feiertag, Ingo

Es ist ein sternenklarer Himmel, neun Grad, der Mond scheint hell. Grillen zirpen. Das perfekte Wetter gibt es nicht für Löber. „Ich mag den Sommer, wenn die Vögel zwitschern und die Sonne früh aufgeht“, sagt er, „im Winter ist es toll, wenn ich der Erste bin, der durch den frischen Schnee stapft.“

6:00 Uhr, Konstanz: Die Zeitung ist beim Leser. Spätestens bis 6 Uhr haben die Zusteller alle Zeitungen verteilt. Eine seiner Kundinnen erwartet Martin Löber immer mit ihrem Hund in einem warmen Café.
6:00 Uhr, Konstanz: Die Zeitung ist beim Leser. Spätestens bis 6 Uhr haben die Zusteller alle Zeitungen verteilt. Eine seiner Kundinnen erwartet Martin Löber immer mit ihrem Hund in einem warmen Café. | Bild: Feiertag, Ingo

Langsam erwacht die Stadt. Die Sonne geht auf. Wecker klingeln. Martin Löber, Stirnlampe, gelbe Warnweste über der Fleecejacke, Turnschuhe, graue Jeans und Brille, ist am Ende seines zweiten Bezirks angekommen. Es duftet nach frischen Brötchen, erste Katzen streifen durch die Straßen. Um kurz nach 6 Uhr hat der 70-Jährige nach 8,5 Kilometern auf dem Rad Feierabend und freut sich auf sein Frühstück. Das schmeckt Martin Löber am besten, wenn er weiß, dass seine Kunden zuhause zufrieden die Zeitung lesen.