In seiner Zeit als Geschäftsführer der Konstanzer Stadtwerke galt Konrad Frommer als Mann, der sich auch um Details kümmerte. Seit Jahren ist der inzwischen 71-Jährige nun bereits im Ruhestand, die Dinge des Alltags betrachtet er nicht mehr als Entscheider eines Unternehmens, sondern als Kunde. Doch auch als Kunde kümmert sich Frommer noch um Details, wenn er sie für wichtig genug hält. Im aktuellen Fall geht es um eine angekündigte Einschränkung, die ab Mitte des Jahres zahlreiche deutsche TV-Zuschauer im deutschen Grenzgebiet treffen dürfte.

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Was ist passiert? Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) will die Verbreitung ihrer Fernsehsender über DVB-T (Digitale Videoübertragung – Antennenfernsehen) mit Wirkung von 3. Juni 2019 einstellen. Begründet ist dieser Beschluss mit notwendigen Sparmaßnahmen und dem Hinweis, dass auf Schweizer Seite ohnehin nur noch weniger als zwei Prozent der TV-Kunden das Antennenfernsehen nutzen. Alle anderen nutzen Kabel-, Satellit- oder Internetverbindungen. Auf der anderen Seite verweist die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft auf die enormen Kosten, die der Betrieb von über 200 DVB-T-Sendeanlagen verursacht.

Das Ende der Schweizer-TV-Verfügbarkeit

Nun ließe sich argumentieren, auch auf deutscher Seite im Grenzgebiet sei die Zahl derer, die Fernsehen noch über Antenne ins Haus holen, eher gering. Doch von der DVB-T-Abschaltung der in Deutschland hochgeschätzten Schweizer TV-Programme SRF 1, SRF 2 und SRF Info sind ebenso Kabelkunden wie zum Beispiel Konrad Frommer betroffen. Denn Frommers Kommunikationsanbieter SeeConnect (Konstanzer Stadtwerke) nutzt das DVB-T-Signal, um die Schweizer Programme ins Kabelnetz einzuspeisen. Genauso macht es auch Anbieter Unitymedia, wie Recherchen dieser Zeitung ergaben. Die Konstanzer Stadtwerke hatten ihren früheren Geschäftsführer über das Ende der Schweizer-TV-Zeit im Kabelangebot informiert und angemerkt, dass die SRF-Angebote über alle anderen Kanäle verschlüsselt ausgestrahlt und nur für Schweizer Staatsbürger mit einer speziellen Karte empfangbar seien.

Bild: Domgörgen, Franz

Nicht weit her mit der Gemeinsamkeit

Konrad Frommer will die Entwicklung nicht klaglos hinnehmen. Wie solle denn im internationalen Bodenseeraum das Verständnis der Menschen über die Landesgrenzen hinweg wachsen, wenn die Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt werden, fragt der Konstanzer? "Wenn solche Dinge nicht funktionieren, ist es mit der Gemeinsamkeit des Bodenseeraums nicht weit her", argumentierte Frommer im Gespräch mit dieser Zeitung. Inzwischen hat Frommer in Sachen frei empfangbares Schweizer Fernsehen auch eine Anfrage an die Internationale Bodensee-Konferenz gerichtet. Darin bittet er die Vertretung der Länder und Kantone am Bodensee, sich mit dem Thema zu beschäftigen. "Nach meiner Meinung ist die grenzüberschreitende Kommunikationsbeziehung ein wesentlicher Schlüssel für ein gutes Miteinander in der Region", schreibt der frühere Stadtwerke-Geschäftsführer an die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag, die in diesem Jahr Vorsitzende der Internationalen Bodensee-Konferenz ist.

IBK-Vorsitzende bittet um Geduld

Haag hat immerhin versprochen, die IBK werde sich mit dem Thema befassen. Sie bat allerdings auch um Geduld. Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt hat zugesagt, im Rahmen seiner Möglichkeiten die Initiative für frei empfangbares Schweizer Fernsehen zu unterstützen. Konrad Frommer wird dranbleiben, so steht zu erwarten. "Es wäre Aufgabe der Politik, da Lösungen zu suchen", sagt er.