Der Bieranstich der Gottmadinger Gerstensack-Zunft genießt närrischen Kult-Status. Das zeigt die 41. Auflage in der Fahr-Kantine eindrucksvoll auf. Die Besucher, darunter geballte närrische Prominenz, kommen nicht nur aus Gottmadingen und Umgebung, sondern auch aus dem Schwarzwald, vom Hochrhein, Heuberg und östlichen Bodensee. Der im Vorjahr gekürte Ehrengerstensafter Bernd Arnold zapft das Bierfass an. Hoch die Gläser, heißt es vereint. Die Zunfträte Christian Schopper und Stephan Huber hatten ein vollmundiges Märzenbier gebraut.

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Illustre Ehrengerstensafter

Vollmundig geht es den ganzen Abend auch zur Sache. Wortgewaltig preist Zunftmeister John Weber den Titel des Ehrengerstensafters an: "Im Leben bist du erst wirklich weit kumme, wenn dein Name wird als Ehrengerstensafter vernumme". Zum illustren Kreis dieser Würdenträger gehören Landrat Frank Hämmerle, der frühere Singener OB Andreas Renner, Rainer Hespeler als Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee und viel weitere Prominenz. Bernd Arnold vom Europapark Rust gibt mit spärlichen Worten seinen Ehrengerstensafter-Stab ab. Ganz ohne magische Momente, für die im Vorjahr ein Zauberkünstler aus dem Europa-Park gesorgt hatte. Die Original Aussteiger um ihren Leiter Hans Seiler heizen die Stimmung immer wieder mächtig an.

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Zeremonienmeister und Moderator Christoph Graf beschreibt mit markigen Versen den neuen Ehrengerstensafter, bevor er den Namen verrät. Kulinarisch und politisch nehme der Mann eine gewichtige Rolle ein – als harter Gegenspieler des Bürgermeisters und bekannter Hotel-Gastwirt der Höri, der jedes Rindvieh kenne und wisse, wieviele Ochsenfetzen es hergebe.

Eine Urkunde für den Ehrengerstensafter. Das Bild zeigt (v. l.) Gerstensack-Urgestein Walter Benz, Karl Amann, Zunftmeister John Weber und Zeremonienmeister Christoph Graf.
Eine Urkunde für den Ehrengerstensafter. Das Bild zeigt (v. l.) Gerstensack-Urgestein Walter Benz, Karl Amann, Zunftmeister John Weber und Zeremonienmeister Christoph Graf. | Bild: Tesche, Sabine

"Von der Hölle ins Paradies"

Er ist aber auch als Schwarzwurst-Karle bekannt. Karl Amann, der neue Ehrengerstensafter, zieht am Rezeption-Telefon Hirschen, Außenstelle Traktoren-Hotel Gottmadingen, eine gewaltige Nummer ab. Eine Pointe jagt die nächste. Das Publikum lacht in der biergeschwängerten Luft Tränen. Amann nimmt Gerstensack-Urgestein Walter Benz, Bürgermeister Michael Klinger und andere aufs Korn. Auch Pfarrer Nikolaus Böhler wird bedacht. Den zog es von Gottmadingen an den Bodensee. "Er wechselte von der Hölle ins Paradies", erklärt Amann. Er verteilt auch Spitzen an Nachbarn. "Wenn ein Schweizer Deutsch redet, ist das wie eine Wildsau, die über einen Acker rennt." Nicht nur Bier, auch Schwarzwurst ist Trumpf. Sein Markenzeichen verschenkt der Horner Heufresser – so der paradoxe Name seiner Zunft – hundertfach im Saal zur Verkostung.

Voll im Element: Karl Amann bringt als Gastwirt und Hotelier das Publikum zum Toben.
Voll im Element: Karl Amann bringt als Gastwirt und Hotelier das Publikum zum Toben. | Bild: Tesche, Sabine

 

„Ein bekannter Pfarrer geht in eine gemischte Sauna. Er habe kein Problem damit, sagt er und begründet: Die paar wenigen Evangelen, die kommen, mache mir nichts aus.„

„Alles, was dahom vergammelt, ist hier im Saal versammelt.„

„Was ist Porzellan-Allergie? Eine Politiker-Krankheit. Sie haben nicht alle Tassen im Schrank.„

„Ich ging auch wie viele Ehrengerstensafter auf eine höheren Schule, bin also bestens qualifiziert. Die Schule war in Schienen. Das Dorf liegt 720 Meter über dem Meeresspiegel.„

Karl Amann, Ehrengerstensafter