Das Niedrigwasser bringt Dinge zu Tage, die lange verschollen waren. Im nordrhein-westfälischen Kleve ist der Rhein so weit zurückgegangen, dass das Wrack des 1895 gesunkenen Schiffes "De Hoop" wieder auftauchte. Es war damals gesunken, weil auf einem Schiff daneben eine Ladung Dynamit explodiert war.

Auch der Bodensee gibt jetzt explosive Dinge aus vergangener Zeit frei, in diesem Fall aus der düstersten Zeit: Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Exemplare lagen auf dem Seegrund vor dem Ufer der Insel Lindau, auf Höhe der Karlsbastion, also nicht weit vom Hafen entfernt.

Im Niedrigwasser liegen die Granaten nur 1,40 Meter tief

Ein Urlauber tummelte sich am Samstagnachmittag vor der Karlsbastion – beim Schnorcheln. Und dabei fand er die zwei Granaten. Sie lagen in nur 1,40 Meter Tiefe, wie die Polizei gestern berichtete. So flach ist es an dieser Stelle normalerweise nicht, doch auch hier macht sich das derzeitige Niedrigwasser bemerkbar.

Polizei sperrt den Bereich sofort ab

Die Wasserschutzpolizei sperrte den Bereich ab. Experten vom Sprengmittelräumdienst konnten dann allerdings schnell Entwarnung geben: Die Granaten hatten keine Aufschlagzünder und konnten somit auch nicht in die Luft gehen. Es habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden, so die Polizei.

Sie barg die Sprengkörper, der Räumdienst transportierte sie am Sonntag ab. Unklar ist, ob die Granaten jahrzehntelang an der Stelle gelegen hatten oder von anderer Stelle angeschwemmt worden waren.

Tschechische Granaten im Bodensee? Gar nicht so verwunderlich, sagt ein Experte

Laut Kampfmittelräumdienst waren es tschechische Granaten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Wie aber kamen tschechische Granaten in den Bodensee? Das sei gar nicht so verwunderlich, sagt Andreas Heil vom Kampfmittelräumunternehmen Tauber, das mit dem Lindauer Granatenfund betraut war. Wahrscheinlich sei es sogenannte Beutemunition, die der Wehrmacht in die Hände gefallen sein könnte.

Als sich zu Kriegsende die Alliierten näherten, sei es oft so gewesen, dass man Munition schnell verschwinden lassen wollte. "Seen und Flüsse waren beliebte Orte, um sich Munition zu entledigen", erklärt der Experte.