Der nächste Fahrplanwechsel im Regionalbusverkehr zum Jahresbeginn 2020 könnte ein wenig stressig werden – möglicherweise für die Fahrgäste, ganz sicher aber für die Betreiber der Buslinien und die Auftraggeber. Denn mit Wirkung vom 1. Januar an übernehmen zwei Unternehmen das Beförderungsgeschäft, die bisher im Landkreis Konstanz nicht aktiv waren. Zugleich scheidet die Südbadenbus GmbH (SBG) aus, die seit über 20 Jahren als Dienstleister im Regionalbusverkehr im Kreisgebiet mitmischt und derzeit etwa 80 bis 90 Prozent des Buslinien-Angebots abdeckt.

Zuschlag für Klettgauer und Tuttlinger Unternehmen

Der Konstanzer Kreistag hat die Leistungen des Regionalbusverkehrs neu vergeben. Für die vorangegangene europaweite Ausschreibung war das zu versorgende Gebiet in vier Verkehrsräume aufgeteilt. Den Zuschlag für den Verkehrsraum Stockach erhielt die Behringer GmbH Verkehrsbetriebe aus Klettgau im Landkreis Waldshut. Die verbleibenden Verkehrsräume Radolfzell, Engen und Singen bedient ab 2020 die Stadtbus Tuttlingen Klink GmbH.

Stillschweigen über viele Details

Wie viele Verkehrsdienstleister sich um die aufgesplitteten Aufträge beworben hatten? Waren auch Bieter aus dem Ausland dabei? Warum die Südbadenbus GmbH als bisheriger Platzhirsch nicht zum Zuge kam? Solche Fragen wurden in der Kreistagssitzung nicht gestellt und folglich auch nicht beantwortet. Ralf Bendl, der Leiter des Amts für Nahverkehr und Straßen, bittet um Verständnis: Bestimmte Details dürften aus wettbewerbsrechtlichen Gründen selbst nach Abschluss des Verfahrens nicht bekanntgemacht werden.

Südbadenbus hat gar kein Angebot abgegeben

Weniger zurückhaltend als das Landratsamt zeigte man sich hernach bei der Deutschen Bahn, deren Tochterunternehmen die Südbadenbus GmbH ist. Ein DB-Sprecher informierte auf Anfrage dieser Zeitung, die SBG habe bei der Ausschreibung des Regionalbusverkehrs im Landkreis Konstanz gar kein Angebot abgegeben. Beworben habe sich indes die DB-eigene Friedrich Müller Omnibus (FMO). Allerdings erfolglos. In Reaktion auf die neue Sachlage verhandelt die SBG-Geschäftsleitung nach Angaben des DB-Sprechers derzeit mit den Sozialpartnern über einen Sozialplan für das durch den Rückzug betroffene Personal. "Unseren Mitarbeitern steht der komplette konzerninterne Arbeitsmarkt der DB zur Verfügung", so der DB-Sprecher. DB-Tochter SBG betreibt in Radolfzell einen ihrer regionalen Betriebshöfe. Sie betreibt zudem den Radolfzeller Stadtbusverkehr. Dieser Vertrag läuft noch vier Jahre und soll laut DB auch erfüllt werden.

Der Landkreis bestimmt über das Linienangebot

Mit der Aufragsvergabe hat der Kreistag einen Systemwechsel eingeleitet. Bisher machten die Verkehrsunternehmen eigenverantwortlich Beförderungsangebote und kassierten dafür auch die Fahrgeldeinnahmen. Künftig bestellt der Landkreis bestimmte Leistungen und übernimmt zugleich das wirtschaftliche Risiko der Defizitabdeckung. Im Gegenzug fließen die Fahrgeldeinnahmen direkt an den Kreis. Nach Einschätzung der Fachleute in der Kreisverwaltung und der Kreispolitik könnte das Risiko nur dann zur Belastung werden, wenn die Fahrgastzahlen deutlich sinken. Doch die Prognosen für den Öffentlichen Personennahverkehr verheißen Wachstum.

Es geht um über 100 Millionen Euro

In den nächsten zehn Jahren, das entspricht der Laufzeit der neuen Verträge, will der Landkreis Konstanz mehr als 100 Millionen Euro für den Regionalbusverkehr ausgeben. Den Bürgern versprechen die Macher ein Buslinienangebot, dass nicht nur zu den Berufsverkehrszeiten gut ist, sondern auch in den Abendstunden und am Wochenende – und das auch für all jene Menschen, die auf dem Lande wohnen.

Wie sehr das Angebot ausgeweitet wird, zeigen die Zahlen. 4,6 Millionen Fahrkilometer werden derzeit im Regionalverkehr pro Jahr abgerechnet. Ab dem nächsten Jahr sollen es 5,6 Millionen Kilometer sein. Das entspricht einem Zuwachs von 21,7 Prozent.

Wie es um Anrufsammeltaxis steht

  • Neue Ausschreibung: Anrufsammeltaxis spielen im Regionalverkehrskonzept des Landkreises eine wichtige Rolle. Sie füllen auf dem Lande in Randzeiten Lücken im Verkehrsangebot. Die Ausschreibungsergebnisse bei diesen Verkehrsleistungen haben allerdings die Erwartung nicht erfüllt. In einigen Fällen gingen gar keine Angebote an, in anderen seien die Angebote nicht akzeptabel gewesen, so informierte das Amt für Nahverkehr und Straßen. Deshalb verzichtete der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung auf Auftragsvergaben. Nun gibt es ein neues Verfahren für eine weitere Ausschreibung. Der Leiter des Amts für Nahverkehr und Straßen, Ralf Bendl, ist zuversichtlich, dass rechtzeitig gute Lösungen gefunden werden.