Technologisch wäre es eine spannende Sache: Hybrid-Züge, die sowohl mit Batteriebetrieb als auch im klassischen Elektro-Antrieb mit Hilfe der Oberleitung fahren. Ginge es nach dem Hersteller Bombardier und wohl auch vielen Gemeinderatsmitgliedern in Bodman-Ludwigshafen und Sipplingen, könnten solche Loks demnächst auf der Strecke der Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen fahren. Es wäre modernste Hochtechnologie auf derzeit veralteter Strecke: Auf diesem Abschnitt gibt es immer noch keine Elektrifizierung, sprich Oberleitung, sodass alte Diesel-Loks fahren müssen. Und die landen in ein paar Jahren auf dem Abstellgleis, weil die Bahn die Diesel-Technik ausrangiert. Die Strecke zu elektrifizieren ist teuer und würde, so finden viele, die Uferlandschaft abwerten, was schlecht für den Tourismus sei. Im Sinne des Landschaftsschutzes könnten Batteriezüge der Ausweg sein. Und Experten von Bombardier und von der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch bei Aargau halten das jetzt technisch für möglich.

Jüngst stellten Mitarbeiter von Bombardier und den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Überlinger Rathaus kommunalen Vertretern von Verwaltung und Politik die Modellreihe "Talent 3" vor: Hybrid-Loks, die vor Radolfzell und hinter Friedrichshafen ihren Strom aus der Oberleitung ziehen und zwischen Radolfzell und Uhldingen – so weit ließe es die 34-Kilometer-Reichweite zu – aus einer Batterie. Damit würden die Planer die Landschaft an den sensibelsten Stellen schonen und dazu das Projekt um 19 Millionen Euro günstiger machen. Denn in dem Abschnitt liegen viele Tunnels, die die Elektrifizierung verteuern würden. Statt rund 94 Millionen Euro würde das Vorhaben somit nur rund 75 Millionen Euro kosten, schätzen Planer.

Die Bodenseegürtelbahn am See vor Sipplingen. Auf der Strecke fahren alte Diesel-Loks. Als Alternative für die Zukunft gelten ...
Die Bodenseegürtelbahn am See vor Sipplingen. Auf der Strecke fahren alte Diesel-Loks. Als Alternative für die Zukunft gelten Batterie-Loks – denn Oberleitungen für eine Elektrifizierung würden die Uferlandschaft abwerten, meinen Gegner. | Bild: Hanspeter Walter

Alles in Butter also? Oh nein, findet Georg Geiger, FDP-Mitglied im Konstanzer Kreistag und Verkehrspolitik-Experte. Denn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen sollten künftig ja nicht nur die Loks der Gürtelbahn fahren können, sondern auch Züge, die Basel und Ulm, Basel und Friedrichshafen sowie Basel und Lindau verbinden. Lindau etwa plant gerade einen neuen Bahnhof und schnelle Verbindungen nach München, Ulm und Basel. Ob aber Betreiber allein für eine Oberleitungs-Lücke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen Hybrid-Züge anschaffen, "da habe ich Zweifel", sagt Geiger. Mit Hybrid-Loks laufe vielleicht der Nahverkehr, vom Fernverkehr hänge sich die Region dann aber ab. "Und wir wollen touristisch ja die Leute aus Ulm und Basel an den See bringen." Es müssten Loks fahren können, die europaweit fahren. "Man darf den Abschnitt Radolfzell-Friedrichshafen nicht isoliert sehen, sondern es kommt auf die Durchgängigkeit an." Auf der Seehas-Strecke störe sich ja auch niemand wirklich an den Oberleitungen.

Die Gemeinderäte Bodman-Ludwigshafen und Sipplingen hatten sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Bahnstrecke zu modernisieren, dabei aber möglichst Oberleitungen zu vermeiden. Das sei kostengünstiger, bedeute Landschaftsschutz und behindere keine Bootstransporte ans Seeufer – manche Boote werden mit aufrechten Masten transportiert und kämen dann nicht unter den Leitungen durch. Der Bodman-Ludwigshafener CDU-Fraktionschef Robert Hermann gehört zu den wenigen im Rat, die die Oberleitungen nicht ablehnen: "Die Hybrid-Technik ist super. Aber es könnte auch passieren, dass wir damit abgehängt werden."

Der Bahnbauer

Bombardier Transportation gehört zum kanadischen Bombardier-Konzern und zählt weltweit zu den führenden Herstellern von Bahntechnik. Mit Schienenfahrzeugen, Fahrzeugkomponenten sowie Signal- und Steuerungstechnik gehört das Unternehmen zu den großen Anbietern in der Branche Bahndienstleistungen und Elektromobilität. Der Konzern ist in über 60 Ländern vertreten. Bombardier Transportation hat rund 37 150 Beschäftigte. Die Konzernzentrale ist in Berlin. (hpw)