In der modernen Arbeitswelt spielt die Digitalisierung mittlerweile die bestimmende Rolle. Um den Umgang mit den entsprechenden Werkzeugen stärker in die berufliche Ausbildung zu integrieren, fördert die Landesregierung sechs Projekte mit insgesamt 1,1 Millionen Euro. Dabei geht es nicht nur um technisch orientierte Berufe, sondern auch um den kaufmännischen Bereich. Für ein solches Projekt erhält die Universität Konstanz knapp 200 000 Euro. Neben den Industrie- und Handelskammern Hochrhein-Bodensee und Bodensee-Oberschwaben kooperiert die Uni bei diesem Projekt unter anderem mit der Wessenberg-Schule Konstanz, der Robert-Gerwig-Schule Singen und dem Berufsschulzentrum Stockach.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut wird in einer Mitteilung ihres Hauses mit diesen Worten zitiert: "Wir nutzen die Digitalisierung für eine intensivere Vernetzung von Berufsschulen, Betrieben und überbetrieblichen Bildungsstätten und geben damit wichtige Impulse für eine moderne und zukunftsorientierte berufliche Ausbildung." Bei dem Projekt der Uni Konstanz heißt das Schlüsselwort ERP (Enterprise-Ressource-Planning). Die Uni umschreibt es in einer Mitteilung so: "Im kaufmännischen Berufsalltag verläuft nahezu jeder Bestell- und Kassiervorgang digital. Zum Einsatz kommen dabei sogenannte ERP-Systeme, Softwarelösungen zur Steuerung von betrieblichen Ressourcen. Die Fähigkeit, komplexe Geschäftsprozesse durch den Einsatz digitaler Technologie zu verstehen und kompetent zu managen, stellt heute eine zentrale Kompetenz kaufmännischer Berufe dar."

Auf deren betrieblichen Einsatz würden die kaufmännischen Auszubildenden in der Schule bislang nur unzureichend vorbereitet, erläutert die Uni, an der Professor Stephan Schumann mit seinem Team im Bereich Wirtschaftspädagogik forscht und das Gesamtprojekt leitet. Hier wird bewertet, ob durch das Programm die Lehrprofessionalität der Lehrkräfte gefördert wird und welche Auswirkungen das ERP-basierte Lernen auf die beruflichen Kompetenzen der Auszubildenden hat.

Das Projekt steckt indes noch in den Anfängen. Mitte Januar habe man ein erstes Treffen mit dem Uni-Team, erläutert Karin Schoch-Kugler, Leiterin der Robert-Gerwig-Schule. Dabei werde man die konkreten Vorhaben besprechen. Für diese soll im Rahmen des laut Wirtschaftsministerium bis Februar 2020 laufenden Projektes eine zentral-serverbasierte ERP-Umgebung geschaffen werden, kündigt die Uni an. Sie solle zur Nutzung mobiler Endgeräte, insbesondere Tablets, als Unterrichtswerkzeug zur Verfügung stehen. Von den Unterrichtskonzepten und Arbeitsmaterialien sollen die beruflichen Schulen im ganzen Land kostenlos profitieren. Das Landesinstitut für Schulentwicklung habe laut Uni Konstanz eine steigende Nachfrage nach entsprechenden Schulungsangeboten festgestellt.