Radolfzell Projekt Icarus: Eine Antenne geht auf die Reise ins All

Wie die Raumstation ISS bei der weltweiten Beobachtung von Tierwanderungen helfen soll und was Radolfzeller Ornithologen damit zu tun haben.

Gespannt sehen die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell dem kommenden Sonntag entgegen. Um 9.58 Uhr deutscher Zeit soll am 11. Februar vom Weltraumbahnhof in Baikonur in Kasachstan eine Rakete ins All starten. Ziel der Mission ist die Internationale Raumstation ISS. Und an Bord des Trägers befindet sich die Antenne des deutsch-russischen Tierbeobachtungssystems Icarus. Diese Antenne soll später auf der ISS Raumstation montiert werden. Und in dem Projekt steckt viel Wissen und Arbeit der Vogelkundler vom Bodensee. Der Begriff Icarus steht für eine internationale Kooperation zur Beobachtung von Tieren aus dem Weltraum heraus. Dabei geht es um die Erforschung von Wanderungsbewegungen. Wissenschaftler arbeiten zusammen, um ein satellitengestütztes System zur Beobachtung von Kleintieren wie Vögeln, Fledermäusen oder Wasserschildkröten zu entwickeln. Die Tiere werden mit Sendern ausgerüstet. Eine Empfangsstation im All nimmt die Bewegungsdaten auf und schickt sie an eine Bodenstation. So können Forscher die Informationen auswerten.

Das Max-Planck-Institut (MPI) hat auf die Bedeutung des Raketenstarts hingewiesen. Der auf deutscher Seite in der Zusammenarbeit federführende Biologe und Ornithologe Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, ist Experte für Wanderungsbewegungen bei Tieren. Wikelski habe mit seinem Team viele Jahre auf den Start des Projekts Icarus hingearbeitet, so stellt Babette Eid vom Öffentlichkeitszentrum des MPI in einer Mitteilung fest. "Forscher können dann die Wanderung von kleinen Tieren rund um den Globus verfolgen, die Ausbreitung von Krankheiten untersuchen und vielleicht sogar Naturkatastrophen vorhersagen", schreibt Eid.

Die Befestigung der Icarus-Antenne an der ISS erfolgt bei einem Weltraumspaziergang. Kosmonauten haben nach Angaben von Eid eigens auf der Erde dafür trainiert, damit im Weltraum die Handgriffe passen. Der Icarus-Computer, das Gehirn des Tierbeobachtungssystems, war im Herbst 2017 zur ISS transportiert worden. Martin Wikelski wird laut MPI den Raketenstart am Sonntag vor Ort in Kasachstan verfolgen.

In der Vorbereitung hat auch Konstanz eine Rolle gespielt. So unterzogen deutsche Wissenschaftler und russische Ingenieure ein Modell der Antenne im Thermalbad einem Schwebetest. Für die Entwicklung der Icarus-Technologie auf deutscher Seite, einschließlich Transport zur ISS, Weltraumspaziergang und Training der russischen Kosmonauten sind nach Angaben von Projektkoordinatorin Uschi Müller 40 bis 50 Millionen Euro veranschlagt.

Ein deutsch-russisches Projekt

  • Das Icarus-Projekt zur Verhaltensforschung bei Tieren gründet nach Angaben des MPI auf einer deutsch-russischen Kooperationsvereinbarung. Beteiligt sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die russische Raumfahrtagentur Roscosmos. Das DLR stellt die auf der Raumstation ISS zu installierende Icarus-Ausrüstung, die russischen Partner sind für Transport, Installierung und Betrieb zuständig.
  • Der Schwebetest: Im Oktober 2016 gingen Forscher des MPI und ihre russischen Partner in der Konstanzer Therme auf Tauchstation. Dabei wurde ein Modell der Icarus-Antenne einem Schwebetest unterzogen. Denn an einem solchen Modell sollten Kosmonauten die Montage auf der ISS üben. Am Ende des Tests herrschte Zufriedenheit auf Seiten des Unternehmens SpaceTech (Immenstaad), das die Antenne entwickelt hat.
  • Live dabei sein: Das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell macht darauf aufmerksam, dass Interessierte den Raketenstart in Kasachstan und den Transportflug der Antenne am Sonntag, 11. Februar, live via Internet mitverfolgen können. Demnach soll der Start um 9.58 Uhr deutscher Zeit erfolgen.

 

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