Konstanz Hauptbahnhof bis Singen Hauptbahnhof: Mit dem Seehas braucht man für diese Strecke 33 Minuten, mit der Schwarzwaldbahn 21 Minuten, mit dem Auto im allerbesten, eher illusorischen Fall 33 Minuten, mit dem Fahrrad 60 Minuten. Aber nur dann, wenn man sehr flott unterwegs ist. So wie Florian Kern, der lange mit einem sogenannten Velomobil zwischen Konstanz und seiner früheren Arbeitsstelle in Singen gependelt ist. Allerdings selten auf deutschen Radwegen. „Meistens bin ich von Konstanz aus über Stein am Rhein nach Singen gefahren, weil man dort flüssiger vorankommt“, erklärt Kern. Diese Strecke ist nach Kerns Messungen mit 40 Kilometern zwar acht Kilometer länger als in Deutschland, dennoch brauchte er in beiden Fällen eine Stunde.

Zur Vorstellung von Ideen für eine Radschnellverbindung zwischen Konstanz und Singen kamen zahlreiche Besucher ins Radolfzeller Milchwerk. Eine weitere Vorstellung gab es tags darauf in Singen. Die dritte und letzte Infoveranstaltung ist am Dienstag, 29. Oktober, ab 18 Uhr im Konstanzer Landratsamt.
Zur Vorstellung von Ideen für eine Radschnellverbindung zwischen Konstanz und Singen kamen zahlreiche Besucher ins Radolfzeller Milchwerk. Eine weitere Vorstellung gab es tags darauf in Singen. Die dritte und letzte Infoveranstaltung ist am Dienstag, 29. Oktober, ab 18 Uhr im Konstanzer Landratsamt. | Bild: Jarausch, Gerald

Wie sich die Verhältnisse im Kreis Konstanz verbessern lassen, soll eine Machbarkeitsstudie für eine Radschnellverbindung zwischen Konstanz, Radolfzell und Singen zeigen. Der Landkreis hat im Frühjahr die beiden Planungsbüros VIA eG und brenner Bernard GmbH damit beauftragt. Jetzt wurden die ersten Ideen zum Verlauf in Radolfzell und Singen vorgestellt. Am Dienstag, 29. Oktober, wird es um 18 Uhr eine weitere Veranstaltung im Landratsamt in Konstanz geben.

Die Studie, die durch das Land Baden-Württemberg gefördert wurde, soll unter Berücksichtigung laufender Infrastruktur- und Stadtentwicklungs­projekte sowie naturschutzrechtlicher Belange die Umsetzbarkeit einer qualitativ hochwertigen Verbindung zwischen den Städten Konstanz, Radolfzell und Singen sowie den Gemeinden Allensbach und Reichenau prüfen.

Merkmale eines Radschnellwegs

Kraft Definition soll ein Radschnellweg den Nutzern auf einer längeren Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern ermöglichen. Dabei sind Zeitverluste zu berücksichtigen (Knotenpunkte und Teilbereiche, in denen eine geringere Höchstgeschwindigkeit gilt). Er muss mindestens eine Gesamtstrecke von fünf Kilometern aufweisen. Auf dem Weg müssen sich mindestens 2000 Radfahrer pro Tag bewegen. Radschnellverbindungen sollen direkt und steigungsarm geführt werden und mit hoher Oberflächenqualität ausgestattet sein.

Zum Nebeneinanderfahren, Überholen sowie störungsfreien Begegnen werden Radschnellverbindungen im Zweirichtungsverkehr vier Meter und im Einrichtungsverkehr drei Meter breit gebaut. Sie können ebenso wie die übrigen Radverbindungen selbstständig, straßenbegleitend oder auf Nebenstraßen geführt werden. Fußgänger haben in der Regel einen eigenen Gehweg. Um den Status eines Radschnellweges zu erlangen, müssen mindestens auf 80 Prozent der Strecke diese Qualitätsstandards des Landes Baden-Württemberg eingehalten werden.

Anforderungen erschweren die Trassensuche

Schon allein diese Vorgaben machen es den Planern nicht leicht, zwischen Singen und Konstanz den besten Verlauf auszumachen. Bei der Veranstaltung in Radolfzell zum Beispiel kristallisierte sich schnell heraus, dass es vor allem im innerstädtischen Bereich etliche Engpässe gibt. Florian Kern kennt sie gut. Auch angesichts der vielen Autos habe er dort immer besonders konzentriert fahren müssen.

Interessierter Blick auf die Streckenpläne einer Radschnellverbindung: Hanspeter Bürgel (2. von rechts) schaut sich zusammen mit anderen Besuchern die Pläne für den Bereich Radolfzell an.
Interessierter Blick auf die Streckenpläne einer Radschnellverbindung: Hanspeter Bürgel (2. von rechts) schaut sich zusammen mit anderen Besuchern die Pläne für den Bereich Radolfzell an. | Bild: Jarausch, Gerald

Ein paar Kilometer weiter westlich liegt ein prägnantes Beispiel für die vielen Stellen, die Florian Kern hindern, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern zu fahren: Auf dem direkt an der Bundesstraße verlaufenden Radweg zwischen Böhringen und Singen habe er nie Vorfahrt und müsse immer anhalten, um querende Autos durchzulassen, vor allem an der Abzweigung nach Friedingen.

Aber selbst die generelle Linienführung in Radolfzell stellt die Planer vor Herausforderungen. Unter Berücksichtigung vieler Aspekte wie Einzugsgebiet, Kosten und eine möglichst attraktive Route müssen sie die beste Mischung aller Punkte herausfinden. Denn am Ende kommt es wie immer auf das Geld an. Die Kosten-Nutzen-Rechnung des Projektes ist eine komplexe Rechenaufgabe, denn in der Bewertung spielen neben den reinen Baukosten Elemente wie Kohlendioxid-Verringerung und die verbesserte Gesundheit von Radfahrern eine Rolle.

Florian Kern sieht im Kreis Konstanz großen Verbesserungsbedarf an der Radverbindung zwischen Singen und Konstanz: „Meistens bin ich von Konstanz aus über Stein am Rhein nach Singen gefahren, weil man dort flüssiger vorankommt. Es nervt, wenn ein Radweg um Bäume herumkurvt. Die Radwege sind hier eher touristisch ausgerichtet.“
Florian Kern sieht im Kreis Konstanz großen Verbesserungsbedarf an der Radverbindung zwischen Singen und Konstanz: „Meistens bin ich von Konstanz aus über Stein am Rhein nach Singen gefahren, weil man dort flüssiger vorankommt. Es nervt, wenn ein Radweg um Bäume herumkurvt. Die Radwege sind hier eher touristisch ausgerichtet.“ | Bild: Privat/Kern

Dabei greifen die Planer praktisch nur auf vorhandene Zahlen zurück, ohne diese vor Ort zu überprüfen. Die Anzahl der Radfahrer zum Beispiel, die sich zwischen Singen und Konstanz bewegen oder es künftig werden, basieren auf Rechenmodellen und Daten, die die generellen Verkehrsströme zwischen den Städten kennen. Generell kann man „von Kosten in Höhe zwischen 800 000 und zwei Millionen Euro pro Kilometer ausgehen“, sagte Peter Gwiasda aus dem Kreis der Planer.

Am 29. Oktober wird in Konstanz informiert

Auch bei der letzten der drei Informationsveranstaltungen am Dienstag in Konstanz können die Besucher nicht nur die bisherigen Planungen einsehen, sondern auch selbst Vorschläge machen. Während die meisten Besucher in Radolfzell durchaus von einem Radschnellweg angetan waren, zeigten sich einzelne skeptisch. Hanspeter Bürgel von der ADFC-Ortsgruppe Radolfzell (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) äußerte auf Nachfrage: „Den Radschnellweg brauchen wir nicht unbedingt. Lieber wären mir verbesserte Abschnitte auf dem Streckenverlauf.“

Dieser ist nach Ansicht von Florian Kern derzeit touristisch geprägt, er sagt: „Mich ärgert, wenn die Fahrt gebremst wird, weil man um einen Baum herumkurven muss.“ Einen guten Ansatz hingegen sieht er am Radweg in Konstanz Richtung Reichenau-Waldsiedlung entlang der Bahnlinie. Trotzdem ein Aber: „In den Stoßzeiten wird es auf der Strecke viel zu eng und man muss häufig bremsen.“

Genauere Berechnungen sollen zum Jahresende vorliegen

Eine Realisierung der Radschnellverbindung steht noch in den Sternen, denn genaue Berechnungen und eine Vorzugsvariante des Streckenverlaufs liegen noch nicht vor. Die sollen aber bis zum Ende des Jahres geliefert werden. Aber: „Die Umsetzung kann stufenweise stattfinden. Das hängt unter anderem davon ab, ob für einzelne Bereiche Planfeststellungsverfahren notwendig sind“, ließ Peter Gwiasda wissen.