Es ist ein heißer August-Nachmittag. Neben dem Konstanzer Münster hat sich das Bundestagswahlkampf-Team der Sozialdemokraten eingerichtet. Eine Kundgebung mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel ist angesagt. Der Mann aus Berlin ist ein sehr guter Redner und einer, der polarisiert. Da ist mit Publikumsinteresse zu rechnen. Nachher werden die Veranstalter von 700 Zuhörern sprechen. Noch bevor Gabriel eingetroffen ist, hat Tobias Volz seine Chance. Der Betreiber eines ambulanten Pflegedienstes ist Bundestagskandidat der SPD im Landkreis Konstanz. Volz spricht laut und es klingt an manchen Stellen ein bisschen gehetzt. Das Jackett hat er vorher abgelegt. In 15 Minuten muss er alles erzählen – über das Programm seiner Partei und über sein eigenes. Volz sagt, dass das Rennen noch nicht gelaufen sei, auch wenn Meinungsforscher das die Wähler bereits glauben machen wollten. 

Wenige Tage später. Es ist 8 Uhr am Morgen. Volz sitzt in seinem Wohnzimmer in Allensbach und trinkt Kaffee. Wieder soll er sagen, was ihm wichtig ist in diesem Bundestagswahlkampf. Diesmal in einem persönlichen Gespräch. Und wieder ist die Zeit knapp. Die Wochen bis zur Wahl sind durchgetaktet. Bevor sein Wahlkampfteam mit ihm alles für die nächsten Tage durchsprechen kann, hat er noch einen beruflichen Termin. "Sie werden von mir keine weltpolitischen Ausflüge hören", sagt der Mann, der im November 49 Jahre alt wird. Er setzt da an, wo er persönliche Erfahrungen gemacht hat. Beruflich, politisch und privat. "Wir brauchen eine menschenwürdige Versorgung in der Pflege", appelliert Volz. Die sei ab bestimmten Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte in Gefahr.

Der Sozialdemokrat verweist auf den Fachkräftemangel, fordert aber auch die Dienstleister zum Umdenken auf: "Mich ärgert, dass sich die Pflegebranche im Jammertal bewegt, es fehlen innovative Ansätze." Mit der Erfahrung eines Pflegedienst-Unternehmers, der sich mit 27 Jahren selbstständig gemacht hat, hält er entgegen: "Man kann auch in dieser Branche erfolgreich arbeiten." Er nimmt dabei für sich in Anspruch, die Mitarbeiterinteressen wertzuschätzen und zu berücksichtigen.

Während die Bundes-SPD auf vielen Wahlplakaten nur Bilder sprechen lässt, trägt Tobias Volz seine individuelle Kernaussage in die Öffentlichkeit. Sie lautet: Soziale Verantwortung leben! "Man muss es einfach machen", ermuntert er. In diesem Sinne ist ihm wichtig, dass Menschen von ihrem Lohn leben können, dass der Anspruch auf gleiche medizinische Versorgung und der auf gleiche Bildungschancen gesichert wird. Bei Bedarf geht der Vater zweier Kinder auch gerne ins Detail. Im Bildungssektor erlebe er viel Frust: über schlechte Ausstattung von Schulen, über Lehrermangel. Volz' Appell: "Schulen müssen als Orte des Lebens gesehen werden."

Das Motto "soziale Verantwortung leben" praktiziert der Mann aus Allensbach offensichtlich auch gegenüber der eigenen Partei. Im Landtagswahlkampf 2011 rückte Volz erstmalig und überraschend in die erste Reihe. Er sprang als Zweitkandidat für die bei einer Gewaltattacke verletzte SPD-Landtagskandidatin Zahide Sarikas ein. 2013 stieg er erstmals als Bundestagskandidat für die Sozialdemokraten im Landkreis Konstanz, der mit dem Wahlkreis Konstanz identisch ist, in den Ring. Damals errang er 19,2 Prozent der Stimmen. Diesmal rechnen sich die Wahlkampfstrategen der Partei für Volz ein Plus aus, weil Name und Person inzwischen bekannter seien. Das wäre ein persönlicher Erfolg. Tobias Volz ist es wichtig, sich für die Demokratie einzusetzen, denn die Demokratie sei ein großer Schatz. Zum Engagement gehöre auch Kampfeswille. Und den ist Volz auch bereit, gegenüber der rechtspopulistischen AfD aufzubringen: "Der Wähler wird sich ein Bild machen."

Ganz ohne "weltpolitische Ausflüge" bleibt es dann doch nicht im Gespräch mit Volz. Zumal des Thema Flüchtlinge tief in den deutschen Alltag hineinreicht. Volz fordert mehr Differenzierung. "Flüchtlinge. Einwanderer, Terroristen – wir vermischen da zu viel", sagt er. Für ihn ist ein Einwanderungsgesetz wichtig, um qualifizierte Arbeitskräfte zu holen. Die weitere Verschärfung der Asylgesetzgebung lehnt der Sozialdemokrat ab und fordert Hilfe in Krisenländern. Zugleich ist er überzeugt: "Wenn wir 16 Millionen Menschen auf der Flucht haben, können die nicht alle nach Europa kommen.

" Volz warnt, dass auch die Klimaentwicklung eine wachsende Zahl von Menschen zu Flüchtlingen mache. Bei einem Besuch in Indien, dem Heimatland seiner Mutter, konnte er davon zuletzt schon einen Eindruck gewinnen.

Tobias Volz, SPD: seine Person, sein Leben, seine Ziele

Der Name von Tobias Volz (SPD) steht auf dem Stimmzettel für die Bundestagswahl im Wahlkreis Konstanz an zweiter Stelle. 

  • Der Werdegang: Tobias Volz wurde 1968 in Göppingen geboren. Nach der Mittleren Reife verließ Volz sein Elternhaus, um sich in Überlingen am Bodensee zum Koch ausbilden zu lassen. Es folgten eine Ausbildung zum Altenpfleger und eine Reihe beruflicher Weiterqualifizierungen. Im Alter von 27 Jahren machte Volz sich selbstständig und gründete in Allensbach seine eigene Seniorenbetreuung, die er später um einen mobilen Pflegedienst erweiterte. Das Unternehmen zählt heute rund 50 Mitarbeiter.
  • Das Privatleben: Der SPD-Kandidat kam als zweites Kind einer indischen Mutter und eines deutschen Vaters zur Welt. In seiner Jugend engagierte sich Tobias Volz als Rettungsschwimmer, er spielte in einem Verein Tischtennis und arbeitete in der evangelischen Jugendarbeit mit. Der Pflegedienst-Unternehmer hat zwei Kinder, für die er viele Jahre alleinerziehender Vater war. Volz besucht regelmäßig das Heimatland seiner Mutter. In seiner Freizeit wandert er gerne, unternimmt Skitouren und spielt Gitarre.
  • Die Positionen: Schwerpunkte setzt Tobias Volz in der Sozial- und Gesundheitspolitik. Alle Menschen sollen Anspruch auf eine gleich gute medizinische Versorgung haben. Deshalb plädiert Volz für eine Bürgerversicherung. Er lehnt die weitere Absenkung der Rentenbezüge ab, auch eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters sei mit ihm nicht zu machen, sagt er. Gleiche Bildungschancen für Arm und Reich sind ihm wichtig. Kita-Gebühren, Studiengebühren und Gebühren bei Meisterprüfungen lehnt er gleichermaßen ab. Volz räumt Fehler in der Sozialpolitik in Zeiten der rot-grünen Bundesregierung ein. Der Hartz-IV-Bezug müsse neu geregelt werden. Die derzeitige Praxis sei für ältere Arbeitnehmer nicht zumutbar. Der Gemeinderat (Allensbach) und Kreisrat sagt zum Diesel-Skandal: "Die Autobauer haben betrogen. Dafür müssen sie Verantwortung übernehmen."