Mit einiger Aufmerksamkeit dürften Bedienstete der Landespolizei am morgigen Mittwoch nach Stuttgart schauen. Denn an diesem Tag, dem 8. November, findet dort ein Treffen hochrangiger Polizeifunktionäre statt. Polizeipräsidenten und Polizeivizepräsidenten werden im Dutzend vertreten sein. Dazu kommen weitere wichtige Leute, wie zum Beispiel der Chef der Polizeihochschule des Landes. Eines ist allen Geladenen gemeinsam: Sie sind maßgeblich an einem Projekt zur Verbesserung der Polizeistrukturen beteiligt, das Anfang 2020 abgeschlossen sein soll. Das Treffen in Stuttgart ist sozusagen die Kick-off-Veranstaltung. Geleitet wird sie vom bisherigen Konstanzer Polizeipräsidenten Eckehard Falk, den der baden-württembergische Innenminister zum Gesamtprojektleiter berufen hat.

Für die Polizei am Bodensee sieht das Projekt "Polizeistruktur 2020" gravierende Veränderungen vor. Zwar bleibt Konstanz Präsidiumsstandort, wird aber vom bisherigen Zuständigkeitsbereich mit den Landkreisen Sigmaringen, Ravensburg und Bodenseekreis abgekoppelt. Stattdessen kommen die Landkreise Tuttlingen, Schwarzwald-Baar und Rottweil hinzu. In einer Neubewertung der erst Anfang 2014 umgesetzten großen Polizeireform im Land haben die politischen Entscheider beim Flächenzuschnitt des Polizeipräsidiums Bodensee Verbesserungsbedarf erkannt. Um den Standort der Zentrale war lange gerungen worden. Politischen Vertretern aus dem Raum Schwarzwald-Baar war Konstanz zu abseitig, sie kämpften für einen zentraleren Standort – vergebens.

Bisher Standort einer Kriminalpolizeidirektion: Polizeigebäude in Rottweil.
Bisher Standort einer Kriminalpolizeidirektion: Polizeigebäude in Rottweil. | Bild: Polizeidirektion Tuttlingen
Verliert den Präsidiumstatus: Polizeizentrale in Tuttlingen.
Verliert den Präsidiumstatus: Polizeizentrale in Tuttlingen. | Bild: Jutta Freudig
War mal Standort einer Direktion: die Polizeidienststelle Villingen.
War mal Standort einer Direktion: die Polizeidienststelle Villingen. | Bild: Jochen Hahne

Am morgigen Mittwoch vertritt Gerold Sigg in Stuttgart die Interessen des Polizeipräsidiums Konstanz. Der 59-Jährige war bisher stellvertretender Präsident des Polizeipräsidiums Tuttlingen, das es den neuen Vorgaben zufolge ab 2020 nicht mehr geben soll. Sigg soll in den nächsten Jahren als kommissarischer Polizeichef in Konstanz und Teilprojektleiter für die Umsetzung des Strukturprojekts den Zusammenschluss von Konstanz, Tuttlingen, Villingen-Schwenningen und Rottweil schaffen. Der Fachmann, der erst am 23. Oktober seine Arbeit in Konstanz aufgenommen hat, gibt sich entsprechend zurückhaltend. "Wir werden über dislozierte Lösungen nachdenken müssen", sagt er. Was heißen soll: Die Dienststellen der Polizei müssen auf die verfügbaren Standorte verteilt werden.

Gerold Sigg steht seit 1977 in Diensten der baden-württembergischen Landespolizei.

Wichtig ist ihm, "dass sich nichts verschlechtert". Und er stellt im Gespräch mit dieser Zeitung klar, dass "Konstanz nicht Tuttlingen übernimmt oder umgekehrt." Eifersüchteleien will der kommissarische Polizeichef vorbeugen, indem er örtliche Verantwortliche an den Polizeistandorten mit in die Entscheidungsfindung einbindet. Wichtig ist dem kommissarischen Polizeichef auch, dass die Umsetzung der Fusion sozialverträglich für das Personal erfolgt. Die Berufsvertretungen der Beschäftigten seien einbezogen in das Verfahren. Praktisch geht es zum Beispiel um Fahrzeiten zum Arbeitsplatz und um die Frage, wo sich der Einzelne in der neuen Organisationsstruktur wiederfinden kann.

Sicher ist: Konstanz bleibt Präsidiumssitz. Auch das Führungs- und Lagezentrum sowie das Revier bleiben hier erhalten, ebenso wie wohl auch das Kriminalkommissariat. Auch die Öffentlichkeitsarbeit dürfte weiter von Konstanz aus erledigt werden.

Polizeipräsidium Konstanz 2017.
Polizeipräsidium Konstanz 2017. | Bild: Oliver Hanser

 

 

Zur Person

Gerold Sigg (59) steht seit 1977 in Diensten der baden-württembergischen Landespolizei. Nach dem Studium an der Polizei-Hochschule Münster sammelte der passionierte Rennradfahrer an verschiedenen Stationen Erfahrung in Leitungsfunktionen. Von 1992 bis 1997 fungierte er bei der damaligen Polizeidirektion Konstanz als Leiter der Schutzpolizei. In Tuttlingen war Gerold Sigg seit 2014 Polizeivizepräsident. Als kommissarischer Polizeichef in Konstanz und Projektleiter vor Ort soll Sigg nun die Polizeiarbeit in den Landkreisen Konstanz, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar und Rottweil organisatorisch einen.