Wer regional einkauft, schont die Umwelt. Die Verbesserung des eigenen ökologischen Fußabdrucks kann manchmal so einfach sein. Also geht der Griff im Supermarktregal zum Bodensee-Apfel und der Paprika von der Reichenau. Das schlechte Klima-Gewissen ist zunächst beruhigt. Aber nur einen Schritt weiter liegt ein Apfel aus Neuseeland. Heißt es nicht, dass die Klimabilanz eines Apfels aus Neuseeland besser sei, wie die eines heimischen Apfels? Was stimmt denn nun?

„Jeder Verbraucher kann seinen eigenen ökologischen Fußabdruck reduzieren, wenn er sich darüber Gedanken macht, was gerade Saison hat“, sagt Michael Baldenhofer, ILE Bodensee (Integrierte Ländliche Entwicklung Bodensee)
„Jeder Verbraucher kann seinen eigenen ökologischen Fußabdruck reduzieren, wenn er sich darüber Gedanken macht, was gerade Saison hat“, sagt Michael Baldenhofer, ILE Bodensee (Integrierte Ländliche Entwicklung Bodensee) | Bild: Hfr

Mit dieser Frage beschäftigt sich Michael Baldenhofer vom ILE Bodensee (Integrierte Ländliche Entwicklung Bodensee). „Die Antwort darauf ist nicht so einfach“, sagt er. Der Apfel aus Neuseeland könne klimafreundlicher sein. „Aber nur unter bestimmten Umständen und zu einem bestimmten Zeitpunkt“, sagt er.

Heimische Äpfel muss energieaufwendig gelagert werden

15 bis 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen entstehen laut dem Bundesumweltamt durch unsere Ernährung. Die Abgase bilden sich hauptsächlich bei der Produktion, der Lagerung und dem Transport von Lebensmitteln. Deswegen könne man nicht pauschal sagen, dass kurze Transportwege gut für das Klima seien, erläutert Baldenhofer. Auch der Zeitpunkt des Kaufes spiele eine entscheidende Rolle.

Foto: Achim Mende
Foto: Achim Mende | Bild: FEZE

„Ein Apfel aus Neuseeland kann klimafreundlicher sein. Aber nur im Frühjahr, wenn am Bodensee keine frischen Äpfel geerntet werden können. Bodensee-Äpfel, die im April, Mai oder Juni in den Auslagen liegen, müssen energieaufwendig gelagert werden. Das versaut natürlich die Energiebilanz“, erklärt er. Das Beste sei, Lebensmittel nach Saisonalität und Regionalität zu kaufen.

Mit regionalen Produkten erfolgreich

Einer, der hauptsächlich mit regionalen und saisonalen Produkten arbeitet, ist Markus Bruderhofer. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens „Delikat Essen – Feines aus dem Hegau“. Er und sein etwa 20-köpfiges Team stellen in Gottmadingen Brotaufstriche, eingelegte Früchte, Chutneys, Pestos und Fruchtkompotte her.

„Wir achten darauf, dass wir Lebensmittel von regionalen Herstellern beziehen“, sagt Bruderhofer. Er ist überzeugt, dass „Regionalität zwangsläufig gut für die Ökobilanz„ ist. Regional bedeutet für ihn, Erzeugnisse in einem Umkreis von 40 Kilometern vom Bodenseeufer entfernt.

Regionalität ist vor allem sozial nachhaltig. Klimatechnisch effektiv ist es, wenn Obst und Gemüse saisonal eingekauft werden. Das ist Markus Bruderhofer auch bewusst: „Deshalb produzieren wir auch nur dann Apfelmus, wenn es Bodensee-Äpfel gibt.“ Dafür nehme der Unternehmer auch kürzere Produktionszeiten in Kauf. „Unser Bärlauch-Pesto können wir zum Beispiel nur sechs Wochen lang produzieren“, sagt er. Erntezeit für das Kraut ist von März bis Mai. „Danach“, sagt der Feinkosthersteller, „schmeckt Bärlauch sowieso nicht mehr so intensiv.“

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Verzicht auf Lagerhallen

Im Moment hat die Höri-Bülle Saison. Die flache, bauchige Zwiebel mit der hellroten Haut und dem zarten, milden Geschmack wird im Betrieb von Bruderhofer zu einem Chutney verarbeitet. „Wir kochen das Chutney, solange wir Höri-Bülle haben. Unser Bestand ist nicht so groß, da wir auch keine großen Lagerkapazitäten haben – mit Absicht“, wie Bruderhofer betont. Die Lagerhalle müsste er kühlen.

Der Lagerraum des Unternehmens Delikat Essen in Gottmadingen ist nicht sonderlich groß. Muss er auch nicht sein. Feinkosthersteller Markus Bruderhofer will Lebensmittel nicht lange lagern, sondern gleich weiterverarbeiten.
Der Lagerraum des Unternehmens Delikat Essen in Gottmadingen ist nicht sonderlich groß. Muss er auch nicht sein. Feinkosthersteller Markus Bruderhofer will Lebensmittel nicht lange lagern, sondern gleich weiterverarbeiten. | Bild: Steinert, Kerstin

Saisonalität sei in Zeiten von Fridays-for-Future-Bewegungen das Zauberwort, findet Michael Baldenhofer. „Jeder Verbraucher kann seinen eigenen ökologischen Fußabdruck reduzieren, wenn er sich darüber Gedanken macht, was gerade Saison hat. Dann kann man guten Gewissen regionale Produkte beziehen“, sagt er. Bei manchen Lebensmitteln wie Spargel oder Kürbis funktioniere das schon sehr gut. Tomaten und Paprika würde es aber das ganze über Jahr im Supermarkt geben. „Erntezeit ist aber von Juli bis Oktober“, sagt er.

Muss es Erdbeeren zu Weihnachten geben?

Die Macht, was schlussendlich im Supermarkt oder den Marktständen angeboten werde, gehe vom Verbraucher aus. „Wenn Kunden Erdbeeren an Weihnachten essen wollen, dann wird sich ein Bauer aus der Region überlegen, ob er diese nicht auch im Winter anbieten sollte“, sagt er. Letztlich sei das eine wirtschaftliche, aber keine klimafreundliche Entscheidung.

Die Saison für Tomaten ist von Juli bis Oktober. Tomaten, die es früher oder später gibt, kommen oft aus dem Ausland. Auf der Insel Reichenau wachsen die Tomaten besonders gut im Sommer.
Die Saison für Tomaten ist von Juli bis Oktober. Tomaten, die es früher oder später gibt, kommen oft aus dem Ausland. Auf der Insel Reichenau wachsen die Tomaten besonders gut im Sommer. | Bild: Reichenau Gemüse e.G.

Passen dann Klimaschutz und Landwirtschaft überhaupt zusammen? Natürlich tue es das, sagt Michael Baldenhofer. „Es ist ein aufregendes Spannungsfeld, dass man viel diskutieren kann“, sagt er. Deshalb veranstalte das ILE Bodensee zu dem Thema die nächste Strohballenarena (siehe Infokasten).

Strom kommt über eine Photovoltaikanlage

Neben der nachhaltigen Herstellung seiner Produkte setzt Markus Bruderhofer auch auf erneuerbare Energien. Ein Großteil des benötigten Strombedarfs liefert die betriebseigene Photovoltaikanlage auf dem Dach der Produktionshalle. „Ich möchte ein nachhaltiges Unternehmen führen. Deshalb haben wir kurz nach der Gründung unseres Unternehmen beschlossen, eine Photovoltaikanlage auf das Dach der Produktionshalle zu bauen. Und Anfang November haben wir diese Anlage noch erweitert“, sagt er stolz. Mit dem Strom, den die Solarzellen erzeugen, könne der Produzent 80 bis 90 Prozent seines Energieverbrauchs selbst decken.