Engpässe bei stationären Pflegeplätzen und beim Pflegepersonal beschäftigen seit geraumer Zeit die Verantwortlichen im Landkreis Konstanz. Nun geben der Caritasverband und die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) neuen Alarm. So verweist Andreas Hoffmann, Vorstand des Caritasverbands Konstanz, auf eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, wonach bis zum Jahr 2030 die Zahl der Pflegebedürftigen im Landkreis um über 40 Prozent steigen könnte. Aus der demografischen Entwicklung hat die AOK Hochrhein-Bodensee für den Landkreis Konstanz einen zusätzlichen Bedarf von 1300 stationären Pflegeplätzen errechnet. Das aktuelle Angebot liegt bei 2600 Plätzen. Die Prognose geht von einem Bevölkerungszuwachs am westlichen Bodensee von 2013 bis 2030 um knapp fünf Prozent aus.

Uwe Daltoe, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Hochrhein Bodensee, verweist zugleich auf Folgewirkungen des neuen Pflegestärkungsgesetzes. Das macht aus den bekannten drei Pflegestufen fortan fünf Pflegegrade und sichert zum Beispiel Demenzkranken, die bisher keine Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten haben, finanzielle Unterstützung zu. Daltoe rechnet allein aus dem Kundenkreis der AOK-Versicherten im Landkreis Konstanz mit zusätzlich 285 Pflegebedürftigen, die von den neuen Vorgaben profitieren werden. In den drei Landkreisen Konstanz, Waldshut und Lörrach sind es für die AOK rund 700 Personen. In Bezug auf mögliche Konsequenzen aus der Datenlage sieht Daltoe akuten Handlungsbedarf. "Wir dürfen nicht warten", sagt er.

Die Pflegeheime Schloss Blumenfeld in Tengen und Friedrichsheim in Gailingen haben geschlossen, weil sie Auflagen nicht erfüllen können. 160 Pflegeplätze gehen damit im Hegau verloren.
Die Pflegeheime Schloss Blumenfeld in Tengen und Friedrichsheim in Gailingen haben geschlossen, weil sie Auflagen nicht erfüllen können. 160 Pflegeplätze gehen damit im Hegau verloren. | Bild: SK-Archiv
Bild: SK-Archiv

Caritasvorstand Hoffmann lobt das neue Punktesystem, mit dem die medizinischen Dienste der Krankenkassen den Fällen die Pflegegrade zuordnen, als präzise. Standen bei der Beurteilung bisher die körperlichen Fähigkeiten im Vordergrund, werden nun auch die geistigen Kapazitäten in Denken und Wahrnehmung berücksichtigt. Hoffmann verweist auch auf das Bestreben des Gesetzgebers, die ambulante Pflege zu stärken, damit so wenig Pflegebedürftige wie möglich stationär betreut werden müssen. An diesem Punkt setzen die Planungen der Caritas an. "Neue Pflegeheime zu bauen, ist nicht die alleinige Lösung", sagt Hoffmann. Er appelliert, Möglichkeiten zu schaffen, damit Senioren so lange wie möglich zu Hause bleiben können. Zugleich müssten Angehörige entlastet werden. Ansatzpunkte für die Lösung der Probleme seien zum Beispiel der Ausbau der Tagespflege und die Schaffung von Kurzzeitpflegeplätzen. Von Pflegewohnungen ist die Rede und Anlaufstellen in Wohnquartieren. "Da kann auch der Landkreis was tun", erläutert Hoffmann, der als Gesundheitsexperte der CDU-Fraktion selbst im Kreistag vertreten ist. Es bedürfe der Planungssicherheit und der finanziellen Unterstützung.

Der Caritasvorstand wie auch der stellvertretende AOK-Geschäftsführer sehen Handlungsbedarf bei der Ausbildung von Pflegekräften. "Alle Träger suchen Personal", so Hoffmann. Caritas und AOK machen sich derzeit für einen Pflegegipfel stark, bei dem alle Pflegevarianten erörtert werden sollen. Da müssten auch die Bürgermeister der Kreisgemeinden mit ins Boot. Man dürfe im Landkreis nicht mit den alten Strukturen weiterplanen.

"Wir brauchen mehr Mut zur Innovation", fordert AOK-Geschäftsführungsmitglied Uwe Daltoe. Als Kostenträger kämpfe die AOK mit dafür, dass die Infrastruktur verbessert werde. Über das neue Pflegestärkungsgesetz steht den Kassen offenbar auch mehr Geld für Leistungen im ambulanten Bereich zur Verfügung. Das kann eine Ermunterung für Antragsteller sein.

Die Prognosen

Die AOK verweist auf den Bedarf an stationären Pflegeplätzen. Bis 2030 werden demnach im Landkreis Konstanz 1300 zusätzliche Pflegeplätze benötigt. Vorhanden sind derzeit 2600 Plätze. Laut Caritasverband geht eine Studie der Bertelsmann Stiftung davon aus, dass von 2013 bis 2030 die Zahl der Pflegebedürftigen kreisweit um 3166 auf knapp 11 000 steigen wird. (fdo)