Die Deutsche Bahn (DB) will den Schrankenärger beseitigen, der immer wieder zu Verspätungen auf Strecke Konstanz-Singen führt. Zusammen mit den Anliegergemeinden investiert sie 6,4 Millionen Euro, um die Schranken-Technik an fünf Bahnübergängen sowie die Fahrbahnen über die Schienen zu erneuern. Fahrgäste müssen sich im März, im Mai und im November 2020 zwischen Radolfzell und Allensbach auf Unterbrechungen des Bahnbetriebs und auf Ersatzbusse einstellen. Für den Auto-, Fußgänger- und Radverkehr seien die Übergänge zeitweise ganz oder einseitig gesperrt, aber nie besonders lange, wie Claudia Eichhorn erläuterte, Projektleiterin der Deutschen Bahn, die zur Information über die Bauarbeiten mit einer Delegation nach Allensbach gereist war. Betroffen sind in Allensbach die Übergänge Lohorn und Unterhausgasse, in Markelfingen die Passagen Unterdorfstraße, Naturfreundehaus und Camping Willam.

Diese fünf Übergänge sind mit einer alten Schranken-Technik ausgestattet und zusammengeschaltet. Das bedeutet: Wenn es an einer Schranke hakt, sind alle fünf außer Betrieb. Dann muss der Lokführer aussteigen, und die Schranke über einen Spezialschlüssel im Handbetrieb herablassen und nach der Durchfahrt wieder anheben. Ein zeitraubendes Verfahren. Wegen Schranken-Defekten an den fünf Übergängen fuhren die Züge zwischen Konstanz und Singen immer wieder Verspätungen ein. Die Deutsche Bahn will nun die Schranken, die Schalthäuser, die Fundamente und die Blinklicht-Ampeln erneuern, ebenso die Straßen, die über die Gleise führen. Diese sollen auch verbreitert und etwa in Markelfingen durch Spuren für Fußgänger ergänzt werden. An den Straßenarbeiten beteiligen sich die Anliegergemeinden finanziell.

Mit der neuen Schranken-Technik seien Kettenreaktionen bei einem Defekt ausgeschlossen, sagte Claudia Eichhorn. In einem ersten Schritt von März bis Mitte Mai 2020 würden auf sieben Kilometern zwischen Allensbach und Markelfingen neue Kabelkanäle gelegt. Vom 22. bis 27. März ist nach den heutigen Planungen der Schienenverkehr unterbrochen. Passagiere müssen zwischen Radolfzell und Allensbach auf Busse umsteigen. Für Bahnkunden, die zuletzt wegen der Erneuerung von Gleisen und Bahnsteigen, immer wieder Sperrungen und Ersatzverkehre auf der Strecke Konstanz-Singen hinnehmen mussten, stellt sich die Frage, warum denn nicht in einem Bauschritt alle Modernisierungen vorgenommen wurden. Claudia Eichhorn erklärte, dies sei im Bahnbetrieb nicht immer möglich. So sei es etwa für einzelne Bauschritte notwendig, dass Materialien über die Gleise angeliefert werden. Ein gleichzeitiger Abbau sei dann nicht sinnvoll. „Wir versuchen das zu bündeln, aber manches passt nicht zusammen.“

 

Links abbiegen verboten: Claudia Eichhorn (von links) und Martin Alffermann vom DB-Projektteam und Ortsbaumeister Harald Seidler informieren an der Radolfzeller Straße in Allensbach über veränderte Verkehrsführung. Bilder: Claudia Rindt
Links abbiegen verboten: Claudia Eichhorn (von links) und Martin Alffermann vom DB-Projektteam und Ortsbaumeister Harald Seidler informieren an der Radolfzeller Straße in Allensbach über veränderte Verkehrsführung. | Bild: Rindt Claudia

Im September und Oktober 2020 folgen Straßenarbeiten und im November die Arbeiten an den Schranken. Komplettsperrungen der Übergänge seien so terminiert, dass sie in die betriebsfreien Zeiten von Naturfreundehaus und Campingplatz fallen, versicherte die Projektleiterin. Wenn die Bahn Strecken modernisiere, dann prüfe sie auch, wie der Verkehr an den Schienen-Übergängen sicherer werden könne, sagte Claudia Eichhorn. Weil es in Allensbach an den Passagen Schlappengasse und Unterhausgasse Engstellen gibt, an denen zwei Großfahrzeuge wie Lastwagen oder Autos mit Anhängern nicht reibungslos aneinander vorbei kommen, wurde jetzt ein neuer Einbahnverkehr für diese Fahrzeugtypen geschaffen. Ein neues Verkehrsschild an der Radolfzeller Straße verbietet diesen Fahrzeugen das Links-Abbiegen in die Schlappengasse. Dies dürfen sie erst an der Unterhausgasse. Der Weg zurück auf die Radolfzeller Straße führt dann über den Seeweg und die Schlappengasse. Nach Angaben von Ortsbaumeister Harald Seidler gebe es wenig Schwerverkehr an den beiden Übergängen und bisher seien pragmatische Ausweichmanöver üblich gewesen. Claudia Eichhorn aber stellte fest: „Wir brauchen eine amtliche Regelung.“ Das Eisenbahnbundesamt fordere, der Verkehr solle sich leicht und sicher bewegen können.

An 49 Tagen ersetzen Busse die Bahn

  • Das Bauprojekt: Zwischen Allensbach und Markelfingen erneuert die Bahn die Schranken und Straßen an folgenden fünf Übergängen: Lohorn, Unterhausgasse, Unterdorfstraße, Naturfreundehaus und Camping Willam.
  • Die Bauzeit: Im Jahr 2020 sind folgende Bauphasen vorgesehen: März bis Mitte Mai und August: Legen des Kabelkanals auf sieben Kilometern. Die Baustelle wandert. Mitte September bis Ende Oktober: Straßenbau an den Bahnübergängen, die zeitweise gesperrt sind. Anfang November bis Mitte November: Neubau der Schranken. Die Übergänge sind zweitweise gesperrt. Die Bahn baut jeweils tagsüber. Nachtarbeiten seien nicht vorgesehen, sagt Claudia Eichhorn, Projektleiterin der Deutschen Bahn. Diese verspricht, sie wolle Lärm und sonstige Beeinträchtigungen so gering wie möglich halten.
  • Der Ersatzverkehr: Zwischen Radolfzell und Allensbach ist der Bahnverkehr voraussichtlich zu folgenden Zeiten unterbrochen und wird durch Busse ersetzt: 22. bis 27. März 2020, 4. bis 17. Mai 2020, 1. bis 29. November 2020.
  • Die Kosten: Sie liegen bei 6,4 Millionen Euro. An den Straßenbauten beteiligen sich die Gemeinden Allensbach, Radolfzell und Reichenau. Der Übergang zum Campingplatz Willam liegt auf der Gemarkung Reichenau. Dort sollen Fußgänger eigene Spuren bekommen, die sie beim Queren der Gleise von Autofahrern trennen.