Es wird eine der größten Schul-Investitionen der letzten Jahre: Der Landkreis will in Konstanz-Petershausen ein neues Berufsschulzentrum bauen, direkt neben der Zeppelin-Gewerbeschule. Diese soll dort zusammen mit der kaufmännischen Wessenbergschule einziehen. Erste Schätzungen gehen von rund 18 Millionen Euro an Investitionen aus. Und nun können auch die Architekten loslegen, denn die Schulpolitik-Spezialisten der Kreistagsfraktionen haben sich darüber geeinigt, wie das neue Berufsschulzentrum von innen aussehen soll. Welcher Fachbereich bekommt welche Räume in welcher Größe? Wo kommen welche Werkstätten hin? Soll es eine eigene Sporthalle geben? Antworten auf Fragen wie diese gibt ein Raumprogramm – und dieses fand die Zustimmung des Schulausschusses. Der Landkreis hatte sich für einen Neubau entschieden, weil das Wessenberg- und das Zeppelin-Gebäude teuer saniert werden müssten. Eventuell sollen Teile des Zeppelin-Schulhauses weiter genutzt werden.

Vorgesehen ist dabei auch, eine sogenannte Zweifeld-Sporthalle zu bauen. Dabei öffnete der Schulausschuss der Stadt Konstanz eine Tür: Weil diese händeringend nach weiteren Hallenkapazitäten für Vereine und Schulen sucht, könnte es für sie interessant sein, die Halle mitzunutzen, sodass die Halle auch größer gebaut werden könnte. Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) regte an, der Stadt ein entsprechendes Angebot zu machen. Der Stadt seien die Baupläne bereits kommuniziert worden, „wir warten jetzt auf Antwort“, entgegnete Landrat Frank Hämmerle. Klar sei dabei aber auch: Wenn die Stadt eine größere Halle wolle, müsse sie sich selbst finanziell dementsprechend beteiligen.

Die Wessenberg-Schule am Konstanzer Seerhein: Das Bauhaus-Gebäude müsste aufwendig saniert werden, der Landkreis will es verkaufen. <em>Archivbild: Jörg-Peter Rau</em>
Die Wessenberg-Schule am Konstanzer Seerhein: Das Bauhaus-Gebäude müsste aufwendig saniert werden, der Landkreis will es verkaufen. (Archivbild) | Bild: Jörg-Peter Rau

In der Schulpolitik gibt es noch eine weitere Baustelle: das Thema Werkrealschulen. Weil es zu wenig neue Schüler gibt, will die Stadt Konstanz die Werkrealschule Geschwister-Scholl-Schule auslaufen lassen. Dazu hat sie den Landkreis um eine Stellungnahme gebeten. Wie also soll der Landkreis sich nun positionieren? Aus Reihen von CDU und SPD kam Kritik an den Schließungsplänen – und Zustimmung für eine Erklärung von Martin Pohlmann-Strakhof, geschäftsführender Leiter der beruflichen Schulen. Dieser hatte in einem Schreiben ans Landratsamt argumentiert, dass die Werkrealschulen Azubis gut auf eine Ausbildung vor allem im Handwerk vorbereiteten und damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Fachkräftemangel leisteten. Die verbleibende Konstanzer Werkrealschule Berchen könne nicht alle Schüler aufnehmen. Und Müller-Fehrenbach gab zu bedenken: Die Geschwister-Scholl-Schule sei auch Hauptattraktion für internationale Vorbereitungsklassen (VKL).

Siegfried Lehmann (Die Grünen) sieht keine Zukunft für die Geschwister-Scholl-Schule: „Die Eltern haben das Wahlrecht – und man schafft nicht mehr Werkrealschüler, indem man den Standort belässt“, sagte er. „Für eine gute Schule braucht es eine Mindestanzahl an Schülern und eine Mehrzügigkeit, um sicherzustellen, dass kein Unterricht ausfällt.“ Nicht zuletzt angesichts fortwährender Unsicherheit im Blick auf die Zukunft „ist es nicht gut, eine Schule weiterzuführen, die kränkelt.“ Die Mehrheit des Ausschusses folgte Pohlmann-Strakhof: Bei drei Gegenstimmen sprachen sich die Schulpolitiker dafür aus, dass der Landkreis für den Erhalt der Geschwister-Scholl-Schule plädiert.

Alles neu bei Pflegeberufen

Auf die berufsbildende Mettnau-Schule Radolfzell kommt eine Neuerung zu: Ein Bundesgesetz fasst die drei Ausbildungen in der Altenpflege, der Krankenpflege und der Kinderkrankenpflege zusammen. Absolventen können dann in allen Sparten arbeiten. Das soll den Beruf attraktiver machen und Fachkräftemangel lindern, zumal auch das EU-Ausland diese Ausbildung praktiziert. „Man wird kaum Interessenten dafür finden“, kritisierte Rainer Luick (Die Grünen). Zu vielen potenziellen Interessenten fehlten Zugangsvoraussetzungen oder Sprachkenntnisse. Das Gesetz löse nicht das Grundproblem, dass eine vernünftige Ausbildungsvergütung fehle, meinte Siegfried Lehmann (Die Grünen). Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) widersprach: „Es ist heute zu früh, das Modell in Grund und Boden zu verdammen.“ Markus Zähringer (SPD) stimmte zu: „Es geht ja auch darum: Wie machen wir die Mettnau-Schule zukunftsfähig?“ (ebr)