Mehr Fasnacht geht nicht. Die Hegauer Gemeinde Volkertshausen hat etwa 3100 Einwohner. Eine vielfache Anzahl an Menschen wird drei Tage und Nächte lang für einen Ausnahmezustand im Dorf sorgen. Gut 8000 Narren treiben an drei Umzügen vom heutigen Freitag bis zum Sonntag ihren Schabernack. Sie reisen mit 130 Bussen an.

Es wird gleich doppelt gefeiert. Die Rehbock-Zunft Volkertshausen veranstaltet das Narrentreffen anlässlich des 111-jährigen Bestehens, die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee nimmt ihren 60. Geburtstag zum Anlass, närrisch bei einem Festbankett für 750 geladene Gäste am Samstag, 16. Februar, im Festzelt auf die Pauke zu hauen. Vertreter aus allen 120 Mitgliedszünften der Vereinigung geben sich in Volkertshausen die Ehre, ebenso wie närrische und politische Prominenz. In diesem Ort hat sich die Vereinigung am 19. April 1959 im Gasthaus "Zum Mohren" gegründet".

Lädt zu einem großen Narrentreffen ein: die Volkertshauser Rehbock-Zunft.  Bild: Sabine Tesche
Lädt zu einem großen Narrentreffen ein: die Volkertshauser Rehbock-Zunft. | Bild: Tesche, Sabine

250 Helfer sind im Einsatz

"Der Veranstalter ist eine Musterzunft, die im Turnus von zehn Jahren, Narrentreffen veranstaltet und das ganze Dorf einbindet", erklärt Rainer Hespeler, Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Dabei sei es aufgrund stark wachsender bürokratischer Anforderungen und Sicherheitsbestimmungen immer schwieriger geworden, Veranstalter für Narrentage zu finden. "Umso bemerkenswerter ist es, dass sich die Rehbock-Zunft, diesmal mit gut 250 Helfern, bei solchen Veranstaltungen immer wieder mächtig ins Zeug legt", betont Hespeler.

"Wir beschäftigen uns schon gut anderthalb Jahren mit der Organisation", erklärt Rehbock-Zunftmeister Jendo Mirthes. "Wir wollen die große Herausforderung wieder erfolgreich bewältigen, erhalten aber auch breite Unterstützung durch die Gemeinde, andere Vereine und die Bürger, die tatkräftig mithelfen." Vereine und Privatpersonen haben auch 23 Besenwirtschaften eingerichtet, überwiegend mitten im Ort rund um das 2500 Personen fassende Festzelt.

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Vereinigung hat vielfältige Aufgaben

"Die Aufgabe der noch jungen Vereinigung bestand in erster Linie in der Vertretung der Zünfte nach außen und weniger in der Kontrolle nach innen. Dies hat sich bis heute nicht geändert", blickt Hespeler auf die Anfänge der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee zurück. "Wir mischen uns nicht in Zunftinterna ein, außer wenn elementare Dinge der Fastnacht verletzt werden wie zum Beispiel das Tragen der Häser außerhalb der Fastnachtszeit. Durch diese liberale Haltung kommen wir mit relativ wenigen Richtlinien aus."

Die Vereinigung gebe der Fastnacht im Hegau-Bodensee-Gebiet den notwendigen Raum, sich sowohl an Tradition als auch an neuen Entwicklungen und Strömungen zu orientieren. Wichtiger als althistorische Wurzeln zur Legitimation des fastnächtlichen Treibens sei eine kreative Fastnacht, die Zünften und Gästen gleichermaßen Spaß bereite.

Die große Kontinuität im Präsidium sei ein Zeichen harmonischen Miteinanders in der Vereinigung: "Erst drei Präsidenten steuerten in 60 Jahren unser Narrenschiff, darunter mit jeweils 25 Jahren Amtszeit die beiden Ehrenpräsidenten Heinrich Rehm, Gründer der Narrenvereinigung, und sein glänzender Nachfolger Hans-Peter Jehle", zeigt Hespeler auf.

Die Spitze der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee führt auch die Umzüge von großen Fasnachtsveranstaltungen an. Das Bild zeigt Kanzelar Walter Benz (links) und Präsident Rainer Hespeler beim letztjährigen Narrentag in Gailingen an.
Die Spitze der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee führt auch die Umzüge von großen Fasnachtsveranstaltungen an. Das Bild zeigt Kanzelar Walter Benz (links) und Präsident Rainer Hespeler beim letztjährigen Narrentag in Gailingen an. | Bild: Tesche, Sabine

Wachsende Belastung für Zünfte

Überbordende Bürokratie in Verbindung mit enorm hohen Kosten machten den Zünften zu schaffen, meint Hespeler. Wenn heute dörfliche Zünfte als Gastgeber von Narrentagen 20 oder 30-seitige Sicherheitskonzepte erstellen und allein für den Sicherheitsdienst schon 15 000 Euro ausgeben müssten, sei das für solche Zünfte einfach nicht mehr zu schultern, so Hespeler.

"Hinzu kommen oft weitere Auflagen hinsichtlich der verkehrsrechtlichen Anordnung, die mit zusätzlichen Kosten verbunden sind. Aufgrund dieser bürokratischen Hürden benötigen die Zünfte heute wesentlich mehr Unterstützung von uns Verbänden als früher. Dies wirkt sich natürlich auch auf die Bereitschaft aus, Verantwortung im Ehrenamt zu übernehmen. Nicht wenige Zünfte finden keine Nachfolger mehr für Vorstandsämter", so Hespeler.

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Das Programm bei den Narrentagen

  • Freitag, 15. Februar: 19 Uhr Nachtumzug, anschließend Fete mit DJ Mike im Partyzelt.
  • Samstag, 16. Februar: 11 Uhr Alt-Narrentreffen / Frühschoppen im Festzelt für alle Junggebliebenen ab 60 Jahren, 13.11 Uhr Narrenbaum-Umzug und Narrenbaum-Stellen; 16.45 Uhr Festbankett der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee im Festzelt; 20 Uhr Historischer Umzug mit den Gründerzünften der Narrenvereinigung; 21 Uhr Stimmung im Festzelt mit der Froschenkapelle Radolfzell.
  • Sonntag, 17. Februar: 9.30 Uhr Narrenmesse in der Kirche St. Verena; 11 Uhr Zunftmeister- und Dirigenten-Empfang in der Alten Kirche; 11 Uhr Frühschoppen im Festzelt; 13.30 Uhr Großer Festumzug, anschließend Narrentreiben.
  • Sonderbus-Linien: Die Südbaden Bus Gesellschaft hat in Zusammenarbeit mit der Volkertshauser Rehbock-Zunft von Freitag, 15. Februar, bis Sonntag, 17. Februar, Sonderbus-Linien eingerichtet. Sie fahren von Singen und von Stockach aus nach Volkertshausen und zurück. Am Samstag gibt es auch zwei Linien, die spät nachts fahren. Teilweise fahren auch Anruf-Sammeltaxis, die rechtzeitig bestellt werden müssen. Die Fahrpläne können im Internet unter www.bahn.de/suedbadenbus abgerufen werden.
  • Die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee umfasst sechs "Fasnachtslandschaften" mit 120 Zünften: Hegau-Randen, Nellenburg, Heuberg, Rosenegg, Höri-Bodanrück, Linzgau.