Nach dem Ja der SPD-Basis in der bundesweiten Mitgliederabstimmung zu einer neuen großen Koalition in Berlin gibt sich der Konstanzer SPD-Kreisverband kämpferisch. Der Allensbacher Kreisvorsitzende Tobias Volz forderte die zukünftigen SPD-Minister in einer Presseerklärung auf, für die sozialdemokratischen Themen "in den Gesetzgebungsverfahren hart zu arbeiten und den Konflikt nicht zu scheuen". Auch lässt Volz durchblicken, dass der nun von den Mitgliedern mehrheitlich gebilligte Koalitionsvertrag für ihn durchaus Schwächen hat: "Der Koalitionsvertrag ist eine zwar solide Arbeitsgrundlage für eine Regierung; er gibt aber nur wenige Antworten auf wichtige Zukunftsfragen." Aufgabe der SPD sei nun, diese Antworten mit den Bürgern zu entwickeln.

Ein regionales Ergebnis aus dem Kreis Konstanz beim bundesweiten SPD-Mitgliedervotum lag laut Winfried Kropp, Pressesprecher der Kreis-SPD, gestern nicht vor. Die Stimmen wurden komplett in Berlin ausgezählt, und dabei seien keine regionalen Ergebnisse festgehalten beziehungsweise mitgeteilt worden, so Kropp. Bei den lokalen Parteiversammlungen, in denen über den Koalitionsvertrag diskutiert wurde, war nach seinem subjektiven Empfinden "im Hegau das Ja stärker ausgeprägt als in der Universitätsstadt Konstanz".

Willi Streit, Vorsitzender des Konstanzer CDU-Kreisverbands, zeigte sich erfreut über das Ja zur GroKo. "Endlich kann wieder regiert werden", schrieb Streit in einer Presseerklärung. Das SPD-Votum "haben wir mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen".

Volz lässt bei allem kämpferischen Unterton in seiner Erklärung indes auch keinen Zweifel daran, dass er die SPD nach dem GroKo-Entscheidungsprozess gestärkt sieht. Denn "in den vergangenen Wochen hat die SPD im Kreis Konstanz die Chancen und Risiken einer Regierungsbeteiligung und die Stärken und Schwächen des Koalitionsvertrags in vorbildlichem demokratischen Stil mit großer Leidenschaft diskutiert."