Kreis Konstanz – Normalerweise transportieren Waldarbeiter geschlagene Baumstämme möglichst schnell zum Sägewerk ab, schließlich wird das Holz durchs Herumliegen nicht wertvoller für den Verkauf. Im Moment aber liegen die Stapel länger, als es den Forstwirten lieb ist. "Es läuft gerade relativ zäh", sagt Bernhard Hake, Leiter des Kreisforstamts: An vielen Stellen müssen Waldbesitzer unfreiwilligerweise Holz-Zwischenlager bilden.

"Der Wald ist voll mit Schadholz"

Der Grund: Die kommunalen und privaten Waldbesitzer mussten viel mehr Holz fällen, als sie eigentlich wollten. Sie mussten es tun, weil viele Bäume nach der langen Hitze- und Trockenheitsperiode kaputt waren. Insbesondere Fichten sind stark vom Borkenkäfer befallen, für den der trockene Hitzesommer ideale Bedingungen geboten hat. Die Ausbreitung des Schädlings lässt sich derzeit nur mit dem Fällen heimgesuchter Bäume eindämmen. "Der Wald ist jetzt voll mit Schadholz", sagt Hake. Und für so viel Holz gibt es gar nicht genug Abnehmer.

Die Sägewerke sind überlastet

Dabei brummt die Baukonjunktur, die Nachfrage nach Bauholz ist hoch. Jedoch: Nach den immensen Sturmschäden des Frühjahrs seien die Holzlager noch gut gefüllt, das Zusammenwirken von Sturm im Frühjahr sowie Trockenheit und Hitze im Sommer sei mehr, als der Holzmarkt aufnehmen könne, sagt Hake.

Da sieht selbst der Laie, dass es den Bäumen nicht gut geht: Fichten im Radolfzeller Stadtwald.
Da sieht selbst der Laie, dass es den Bäumen nicht gut geht: Fichten im Radolfzeller Stadtwald. | Bild: Jarausch, Gerald

Und selbst wenn er das könnte: "Die Sägewerke sind gar nicht in der Lage, alles zu verarbeiten." Und so staut sich das gefällte Holz. Der Kanton Thurgau schlägt sich gerade mit demselben Problem herum. Er hat schon die Waldbesitzer angewiesen, derzeit keine gesunden, nicht vom Borkenkäfer befallenen Bäume zu fällen.

Sturmtief im Frühjahr, Dürre im Sommer – das ist einfach zu viel

Andererseits gibt es in den Wäldern des Landkreises bei gut zu vermarktendem Holz von Bäumen wie Kiefern, Rotbuchen, Kastanien, Hainbuchen und Ahornen dürrebedingte Ertragseinbußen von zehn bis 20 Prozent, schätzt Hake. Besonders betroffen sei das tief gelegene Gebiet in und um Singen, zudem auch Radolfzell. In diesen Gegenden gebe es viel Kiesboden, der sehr wasserdurchlässig ist und entsprechend schnell austrocknet.

Im Kreis Konstanz sind Fichte und Buche die beiden am häufigsten vorkommenden Baumarten. Das Problem: Just diese beiden haben besonders stark unter der Dürre gelitten. Die Fichte wegen des Borkenkäfers – und der Verlsut lasse sich so schnell aucb nicht wieder aufholen, sagt Hake: "bei mittelalten Bäumen gebe es einen "rasanten Verlust", der so schnell nicht nachwachsen könne.

Buchen werfen Blätter zu früh ab

Bei der Buche wiederum haben viele Exemplare schon vorzeitig Laub abgeworfen – und zwar noch bevor die Stämme sich, so wie sie es normalerweise tun, vorher noch die Nährstoffe aus den Blättern gezogen und gespeichert haben. Im Trockenheitsstress haben viele Bäume die Blätter aber schon vorher abgeworfen. Diese Nährstoffe könnten nun im Frühjahr fehlen.

Die Buche, so meint Hake, werde trotzdem auch künftig ein wichtiger Baum in dieser Gegend sein. Die Fichte hingegen müsse durch Douglasie und Weißtanne ersetzt werden, die mit Trockenheit besser zurechtkommen.

Die Forderung nach Douglasien statt Fichten gibt es schon länger. In Zeiten des Klimawandels könnte der heimische Wald sein Gesicht in dieser Hinsicht nun schneller verändern, als bislang gedacht.