Jetzt sind sie wahrscheinlich wieder in der Schweiz: Die vier Autofahrer aus dem Kanton Zürich, die sich am Sonntag auf der A81 Singen-Stuttgart ein illegales Rennen geliefert haben sollen. Sind sie damit aus dem Schneider und haben keine Sanktionen mehr zu befürchten?

Den Führerschein könnten die vier Fahrer auch in der Schweiz verlieren

Nicht ganz: Zwar können sie in der Schweiz nicht strafrechtlich belangt werden – ein Führerscheinentzug wäre theoretisch aber auch dort möglich, sei es vür vier Wochen oder gar für mehrere Monate.

Dass Raser erwischt werden, ist selten

Für die Autobahnpolizei war es ein seltener Glücksfall: Dass ihr Autofahrer illegale Autorennen auf der A81 melden, kommt oft vor; dass die Beamten die Raser dann aber noch erwischen, ist selten. Die Übeltäter sind mit ihrem Bleifuß eben auch stets schnell wieder weg. Am Sonntagmorgen aber hatten die Polizisten Erfolg: Gegen 10 Uhr hatte ein Zeuge gemeldet, dass sich auf der A81 zwischen dem Kreuz Hegau und Engen vier PS-starke Wagen ein Rennen lieferten.

Jeder Fahrer muss 1500 Euro Kaution zahlen

Die Autobahnpolizei legte sich auf Höhe Balingen auf die Lauer, fand die vier Wagen und kontrollierte die Fahrer. Die fuhren zu dem Zeitpunkt kein Rennen mehr und es ist noch unklar, wie lang ihr mutmaßliches Rennen gedauert hatte. Jedenfalls hat die Polizei nun die Personalien des Quartetts. Alle vier kommen aus dem Kanton Zürich.

Während des Rennens war es nach dem Stand der Ermittlungen nicht zu brenzligen Situationen mit anderen Autofahrern gekommen. Deshalb nahmen die Polizisten die Vier nicht fest, sondern ließen sie nach einer Vernehmung wieder laufen.

Jeder musste 1500 Euro Kaution zahlen: Das soll sicherstellen, dass sie im Falle einer Gerichtsverhandlung auch vor Gericht erscheinen. Täten sie das nicht, hätte die Kaution für sie persönlich dann de facto wenigstens die Funktion einer Art Geldstrafe.

Was den mutmaßlichen Rasern jetzt blühen könnte

Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt wegen des Verdachts auf ein illegales Autorennen. Ob sie Anklage erhebt, steht noch nicht fest: Die Ermittler wollen noch einmal Zeugenaussagen einholen, sagt Andreas Mathy, Sprecher der Konstanzer Staatsanwaltschaft. Es gibt nun drei Möglichkeiten:

Ein Gerichtsprozess: Sollte es zur Anklage und zum Gerichtsprozess kommen, bekämen die vier Schweizer die Vorladung – und wenn sie nicht vor Gericht erscheinen, wäre ein Haftbefehl möglich. Die Vier müssten an der Grenze stets fürchten, verhaftet zu werden.

Ein Strafbefehl: Der ist denkbar bei Geldstrafen und bei Bewährungsstrafen von weniger als einem Jahr. Im Fall einer Geldstrafe müssten die Vier dann bei jedem Grenzübertritt fürchten, zur Kasse gebeten zu werden.

Sanktionen in der Schweiz: Sollte das Quartett in Deutschland verurteilt werden oder einen Strafbefehl bekommen, wird das in der Schweiz keine Rolle spielen: Hier greife der Grundsatz, dass niemand für eine Tat zweimal bestraft werden darf, erklärt Marco Breu, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen. Eines aber könnten die vier mutmaßlichen Rennfahrer gegebenenfalls auch in der Schweiz fürchten, so Breu: dass ihnen der Kanton Zürich für gewisse Zeit den Führerschein entzieht. Auch eine Verwarnung wäre möglich.

Die Schweizer Polizei weiß Bescheid

„Administrativmassnahme“ nennt sich das: Eine Behörde greift durch, wenn sie meint, dass ein Autofahrer ein Sicherheitsrisiko ist und diszipliniert werden muss. Die deutsche Polizei hat ihre Schweizer Kollegen schon mal über den Fall informiert.

Das kürzlich verschärfte Schweizer Strassenverkehrsgesetz könnte den mutmaßlichen Rasern Ärger einbringen: Bei entsprechend schweren Verstößen im Ausland können Schweizer Behörden einem Schweizer Bürger den Führerschein entziehen, für einen Monat, für länger oder, unter sehr engen Voraussetzungen, für immer. Voraussetzung ist, dass in Deutschland ein Fahrverbot ausgesprochen wird.

Knackpunkt: Wie gefährlich war das Freisperren der Strecke?

Knackpunkt bei allen Varianten dürfte allerdings diese Frage sein: Haben die vier mutmaßlichen Raser andere Fahrer konkret gefährdet? Die Vier haben laut dem Zeugen stark verlangsamt, um vor ihnen eine Freifläche freizusperren, auf der sie dann Gas gaben. Ob sie beim Freisperren andere Fahrer gefährdet haben, ist noch unklar.