Wer vom Südufer bei Konstanz-Litzelstetten auf den Überlinger See schaut, dem bietet sich ein idyllisches Panorama. Der Blick schweift über die Blumeninsel Mainau bis zum nördlichen Ufer mit der Klosterkirche Birnau als besonders markantem Punkt. Mitten auf dem Überlinger See zwischen Mainau und Nordufer, bei starkem Wind auch ersatzweise in der Mainaubucht, richtet sich mitunter ein deutsches Zollboot ein. Über Stunden sei es dort präsent, so berichtet ein Seeanwohner. Der Mann fragt sich, wozu das stundenlange auf der Lauer liegen nützlich sein soll. Macht die Bootsbesatzung Pause? Wäre es nicht besser, der Zoll patrouillierte auf dem See dort, wo das Schweizer oder das österreichische Ufer nicht weit sind? Im Konstanzer Trichter zum Beispiel, oder weit oben auf dem Obersee?

Was für den einen oder anderen Betrachter kurios anmutet, hat für den Zoll nachvollziehbare Methode. Pause machen die Einsatzkräfte auf dem Zollboot jedenfalls nicht, wie Michael Hauck, der Sprecher des zuständigen Hauptzollamts in Singen, bekräftigt. Nach seiner Beschreibung ist die Lage folgendermaßen: Im Sommerhalbjahr, wenn der Bodensee von tausenden Schiffen und Schiffchen befahren wird, machen auch die mobilen Zöllner auf dem See Strecke. Sie kontrollieren Privatboote und den regulären Schiffsverkehr auf dem See oder an den Liegeplätzen im Hafen. Im Winterhalbjahr von Oktober bis März sieht die Strategie der Einsatzkräfte anders aus. Sie können von bestimmten Punkten aus die Verkehrsbewegungen auf dem Wasser auch aus einiger Entfernung gut überblicken. Denn der See ist dann verkehrsmäßig weitgehend entvölkert, viele der Bodensee-weit registrierten 57 000 Wasserfahrzeuge überwintern auf einem Liegeplatz an Land, Bewegungen auf dem See sind überschaubar und mit Hilfe technischer Hilfen gut einsehbar.

Diese Situation machen sich die Besatzungen der Zollboote zunutze, um von markanten Punkten aus das Geschehen zu beobachten. Da biete sich für die Zollbootbesatzungen die Überwachung des Sees "von einem fixen Punkt aus mittels Radar und Ferngläsern anstelle der sonst üblichen Streifenfahrten an", wie Zollsprecher Hauck erläutert. Und weiter: "Dies führt an manchen Tagen dazu, dass das Konstanzer Zollboot sich über Stunden an einem für die stationäre Überwachung gut geeigneten Punkt auf dem See aufhält." Der beschriebene Standort auf dem Überlinger See zwischen der Klosterkirche Birnau und der Insel Mainau sei zweifellos ein solcher Platz. Ob auch die geschützte Mainaubucht zu den erstklassigen Beobachtungsposten zählt, blieb indes offen.

Auch wenn die Seezöllner auf ihrem Beobachtungsposten zu dem Ergebnis kommen, dass ein Stück abseits ein Boot kontrolliert werden sollte, müssen sie den eigenen Schiffsmotor nicht zwangsläufig starten. Sie können Sprit sparen und über Funk motorisierte Zollstreifen an Land informieren. Die Kollegen werden dann in einem Hafen aktiv, wenn das verdächtige Boot dort angelegt hat. Der Zollsprecher aus Singen betont, dass die stationäre Beobachtung nur im Winterhalbjahr in Frage kommt und dann nur bei Tageslicht und gutem Wetter. Während der Sommermonate, in den Abend- und Nachtstunden sowie bei schlechten Witterungsverhältnissen seien regelmäßige Streifenfahrten der Zollboote auf See und Rhein unerlässlich.

Im Auftrag des Hauptzollamts Singen sind zwei Zollboote im Einsatz: eines vom Standort Konstanz aus, eines von der Reichenau aus. Derzeit steht aber nur ein Schiff zur Verfügung. Das Hauptzollamt Ulm setzt von Friedrichshafen aus zwei weitere Schiffe auf dem Obersee ein.


Jagd auf Schmuggler

  • Warenverkehr: Auf dem Bodensee überwachen Zöllner den Warenverkehr über die Grenze des Zollgebiets der EU. An der deutschen Grenze geht es auch um verbrauchssteuerpflichtige Waren wie Kraftstoffe, Tabak und Alkohol. Kontrollen sollen zudem Schmuggler von Bargeld, Wertpapieren und Gold aufspüren. Bei Einsätzen dürfen deutsche Zöllner nicht auf Schweizer Gebiet aktiv werden.
  • Die Kontrollen richten sich auf den privaten Schiffsverkehr und auf die Personenschifffahrt. Geprüft werden unter anderem Zulassungen von Booten sowie allerlei Zubehör, das aus der Schweiz beschafft beziehungsweise dort nachgerüstet worden ist. Auch Winterlager für Boote nehmen Zöllner unter die Lupe. Mitunter werden Schweizer Boote unangemeldet nach Deutschland eingeführt. Die Zollschiffe sind ebenso wie die von DLRG und Polizei in das Rettungswesen auf dem See eingebunden.