Die Sektion Konstanz im Deutschen Alpenverein (DAV) sonnt sich in einem anhaltenden Mitglieder-Hoch. Nach Angaben des Vorsitzenden Rolf Wilke ist die Zahl der DAVler im Landkreis Konstanz bis zum Jahreswechsel 2017/18 auf die Rekordzahl von 9000 gestiegen. Damit gewann der Alpenverein am westlichen Bodensee innerhalb eines guten Jahres mehr als 400 Neue hinzu. Unbestritten ist aus Sicht von Wilke und Fachreferent Hans Wölcken, dass ein Teil des Booms dem attraktiven Angebot des Kletterwerks in Radolfzell zuzuschreiben ist, das die DAV-Sektion (zu der die drei Ortsgruppen Konstanz, Radolfzell und Singen gehören) betreibt. Denn das rasante Wachstum begann im Jahr 2005, als das Kletterzentrum am Milchwerk eröffnet wurde. Zehn Jahre später rüstete der DAV Konstanz mit einer Millionen-Investition noch einmal nach.

"Durch die Kletterhalle haben wir die Jugend wieder gewonnen", sagt Rolf Wilke heute. Und er verweist auf den Bestand von 16 Jugendgruppen mit rund 300 Mitgliedern, die sich unter Anleitung von 40 Jugendleitern nicht nur im Kletterwerk tummeln. Heute zählt der DAV im Landkreis Konstanz 3000 Mitglieder unter 25 Jahren. Auf das Kletterwerk sind Rolf Wilke und Hans Wölcken, der als Referent für die Sportstätte zuständig ist, gleichermaßen stolz. 54 000 Eintritte wurden 2017 in Radolfzell gezählt, das sind rund 150 zahlende Kletterfans pro Tag. Den meisten Zuspruch hat die Einrichtung im Winterhalbjahr. Wobei Wölcken klarstellt: "Die Kletterhalle ist Teil der gemeinnützigen Arbeit der Sektion und kein Gewinnunternehmen." Die Sportstätte gilt ebenso wie die beiden Hütten des Vereins in den österreichischen Alpen, die Konstanzer Hütte und die Gauenhütte, als Zuschussbetrieb.

In absehbarer Zukunft dürfte dem Radolfzeller Kletterwerk Konkurrenz erwachsen. Gegenwärtig plant die Alpenvereinssektion Überlingen den Bau eines neuen Kletterzentrums. Die Halle soll bis zum Jahr 2020 fertig sein. Die Kosten werden vom Verein mit 1,7 Millionen Euro veranschlagt. Weil die Stadt Überlingen sich nicht an dem Projekt beteiligen will, tut sich derzeit noch eine Finanzierungslücke von 200 000 Euro auf. Der DAV Überlingen hofft auf kräftige Unterstützung von Sponsoren und Spendern.

Im Vorstand der DAV-Sektion Konstanz verfolgt man die Aktivitäten auf der anderen Seeseite, nur 30 Autominuten vom Radolfzeller Kletterwerk entfernt, mit Gelassenheit. Der Konstanzer DAV-Vorsitzende Rolf Wilke verweist auf unterschiedliche Schwerpunkte. Während die Radolfzeller Anlage über ein starkes Angebot für Klettern mit Seil und Gurt verfüge, liege der Schwerpunkt in Überlingen beim Bouldern, dem Klettern ohne Hilfsmittel bis zu einer gefahrlosen Absprunghöhe. In Radolfzell gibt es zwei Boulder-Räume. Und die seien ohnehin oft überlastet. Ein Überlinger Kletterzentrum werde dem Kletterwerk Radolfzell wohl einige Eintritte abziehen, am Ende aber würden beide Standorte gewinnen, glaubt Hans Wölcken.

Der Klettersport in Deutschland und der Welt rechnet in den nächsten Jahren mit einem weiteren Popularitätsschub. Denn für die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 steht Klettern vorerst einmalig als Wettbewerb auf dem Programm. Bestandteil des Kombinationswettbewerbs ist neben Schwierigkeits- und Geschwindigkeitsklettern auch das Bouldern. Mit steigendem Interesse der Kletterfans ist also zu rechnen. Die DAV-Sektion Konstanz investiere kontinuierlich nach, um ein gutes Sportangebot anbieten zu können, versichert Rolf Wilke.

Projekte, Pläne, Personal

  • Im Kletterwerk wird eine genormte Boulder-Trainingswand installiert. Die Neigung des sogenannten Moonboards ist verstellbar, die erlaubten Griffe werden mit LED-Licht angezeigt. Ein aufweniges Projekt dürfte die für die nächsten Jahren avisierte Sanierung der Außenkletterwand werden. Hans Wölcken rechnet mit Kosten von 200 000 bis 300 000 Euro. Derzeit gilt die Konzentration der Modernisierung der Konstanzer Hütte.
  • Die Mitgliederversammlung: Der Ausbau der Konstanzer Hütte ist auch Thema in der Jahresversammlung der DAV-Sektion am 22. März, Beginn 19.30 Uhr, im Hotel Barbarossa in Konstanz. Zudem müssen die Mitglieder eine Personalentscheidung treffen. Vorsitzender Rolf Wilke wird sein Amt abgeben.