Mit dem eher nüchtern argumentierenden Ersten Landesbeamten aus Calw, Zeno Danner (40), gewann dann doch nicht der ältere Kandidat mit der Präsenz des erfahrenen Bürgermeisters die Konstanzer Landratswahl. 36 von 68 Stimmen bei einer Enthaltung vereinte Danner bereits im ersten Wahlgang auf sich. Sein Kontrahent Dirk Schaible (49 Jahre, 31 Stimmen) hatte sich als erster 20 Minuten lang ein letztes Mal um die Gunst der 68 Kreisräte bemüht. Sicher und mit gelassen wirkender Körpersprache erläuterte er seine Vorstellungen vom Amt des Landrats.

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Kliniken müssen dezentral und in öffentlicher Hand bleiben

In vielen Bereichen deckten sie sich mit jenen des späteren Wahlsiegers Danner. Beispielsweise bei der Gesundheitsversorgung: Beide Kandidaten halten eine dezentrale Kliniklandschaft in öffentlicher Hand für unverzichtbar. Eine Privatisierung, bei der sich Investoren die Rosinen rauspicken und der Steuerzahler die verlustbringende Grundversorgung zu bezahlen habe, komme nicht in Frage. Unterstützung von Pflegepersonal sei denkbar, zum Beispiel im Bereich des bezahlbaren Wohnens, aber erstmal müsse es genug Personal geben. Investitionen in die Kliniken seien Sache des ganzen Landkreises. Zeno Danner kann sich aber auch Kooperationen mit Kliniken in anderen Landkreisen vorstellen.

Flexible Gestaltung der Berufsschulzentren für künftige Berufsbilder

Die Berufsschulzentren sollten wie die Kliniken auf den Landkreis verteilt bleiben. Beide Kandidaten traten beim Bau neuer Berufsschulen dafür ein, sie flexibel zu halten. Denn man könne nicht wissen, welche noch unbekannte Berufsfelder es in ein paar Jahren geben wird. Bekannt ist hingegen bereits jetzt die schwierige Wohnsituation bei Auszubildenden im Dualen System. Hier könnte vom künftigen Landrat eine Initiative zur Bildung einer Kreiswohnbaugesellschaft ausgehen, zumindest aber eine engere Kooperation der bestehenden Gesellschaften. Und mehr Photovoltaikanlagen auf kreiseigenen Gebäuden.

Liebeserklärungen an Bodensee und Hegau

Irgendwann kamen beide Bewerber nicht mehr an der emotionalen Ebene vorbei. Der gebürtige Calwer und damit Hessefreund Dirk Schaible berichtete von einem Spaziergang zum Hesse-Haus in Gaienhofen. Dabei habe ihn das Gefühl befallen, in seiner künftigen Heimat angekommen zu sein. Der gebürtige Konstanzer Zeno Danner punktete mit einer Vielzahl von Beispielen kommunaler Aktivitäten im Landkreis und ließ seiner Begeisterung über die Schönheiten von Bodensee und Hegau freien Lauf. Man muss aber auch in und durch den Landkreis kommen. Deshalb versprachen beide Bewerber, sich sowohl für bessere überregionale Zugverbindungen einzusetzen wie auch für günstige Tarife im Landkreis.

 

Stimmen von Amtsinhaber, Kandidaten und Kreisräten zum Ausgang der Wahl

"Mit ihm werden wir einen guten Landrat bekommen." Frank Hämmerle, Landrat bis 40. April 2019
"Mit ihm werden wir einen guten Landrat bekommen." Frank Hämmerle, Landrat bis 40. April 2019 | Bild: Hanser, Oliver

Der bestens gelaunte Landrat Frank Hämmerle gab sich diplomatisch. "Wir haben zwei wirklich starke Kandidaten erlebt und ich gratuliere dem Gewinner. Mit ihm werden wir einen guten Landrat bekommen. Das hätte aber auch für den Unterlegenen gegolten."

 

"Letzte Woche hatte ich das Gefühl, zu gewinnen.“ Zeno Danner, künftiger Landrat
"Letzte Woche hatte ich das Gefühl, zu gewinnen.“ Zeno Danner, künftiger Landrat | Bild: Brunhöber, Eike

Zeno Danner, künftiger Landrat: „Ich bin nicht überrascht von meinem Sieg. Es war zwar klar, dass es knapp wird, aber letzte Woche hatte ich das Gefühl, zu gewinnen“, sagte Danner nach der Wahl. Die ersten Termine habe er bereits im Kalender. Seinen Wohnort im Landkreis wolle er dort am liebsten nehmen, wo er ohne Auto nach Konstanz kommt. Die Entscheidung werde aber von der Familie gefällt. Und nun müsse er erst mal in Calw seine Angelegenheiten regeln. Da sei in den vergangenen Wochen auch einiges liegengeblieben.

„Wenn man bei einer Wahl antritt, muss man auch damit leben, wenn man verliert.“ Dirk Schaible, unterlegener Kandidat
„Wenn man bei einer Wahl antritt, muss man auch damit leben, wenn man verliert.“ Dirk Schaible, unterlegener Kandidat | Bild: Hanser, Oliver

Dirk Schaible, unterlegener Kandidat: „Wenn man bei einer Wahl antritt, muss man auch damit leben, wenn man verliert“, sagte er, als viele Kreisräte sich bei ihm für den fairen Wahlkampf bedankten. Der Freiberger machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl, gab sich aber als guter Verlierer.

"Ich bin von einem knappen Ergebnis ausgegangen.“ Uli Burchardt, CDU
"Ich bin von einem knappen Ergebnis ausgegangen.“ Uli Burchardt, CDU

Uli Burchardt, CDU: „Die beiden guten Kandidaten hatten unterschiedliche Voraussetzungen und Qualifikationen. Ich bin von einem knappen Ergebnis ausgegangen.“ Der Konstanzer Oberbürgermeister sieht die Kontinuität an der Landkreisspitze gewahrt, es werde aber auch ein frischer Wind wehen.

"Inhaltlich haben sie die Zeichen der Zeit erkannt und dass es einen Politikwechsel braucht." Anne Overlack, Grüne
"Inhaltlich haben sie die Zeichen der Zeit erkannt und dass es einen Politikwechsel braucht." Anne Overlack, Grüne | Bild: Rau, Jörg-Peter

Anne Overlack, Bündnis 90, Grüne: „Das waren zwei superstarke und fähige Kandidaten. Wir hätten mit beiden gut gearbeitet“, lobt sie die Bewerber. Die größten Unterschiede machte Overlack bei den Biografien und im Lebensalter aus. "Inhaltlich haben sie die Zeichen der Zeit erkannt und dass es einen Politikwechsel braucht, speziell bei erneuerbaren Energien."

"Wir sind offen für die Zusammenarbeit.“ Georg Geiger, FDP
"Wir sind offen für die Zusammenarbeit.“ Georg Geiger, FDP | Bild: Patrick Pfeiffer

Georg Geiger, FDP: „Die FDP gratuliert und bietet Zeno Danner eine konstruktive Mitarbeit an, wir sind offen für die Zusammenarbeit“, kommentierte Geiger das Ergebnis. Zeno Danner wirke in seinen Vorstellungen vernetzter als Dirk Schaible. Die Schöpfung von Synergien habe Geiger bei Danner besser herausgehört.

"Danner ist visionärer, Schaible hingegen kommunal verankert und ein Realist.“ Tobias Volz, SPD
"Danner ist visionärer, Schaible hingegen kommunal verankert und ein Realist.“ Tobias Volz, SPD | Bild: SPD

Tobias Volz, SPD: „Wir freuen uns über zwei gute Kandidaten auf Augenhöhe. Danner ist visionärer, Schaible hingegen kommunal verankert und ein Realist“, schätzt Volz die Lage ein. In der SPD sei das Rennen offen gewesen, die Kreisräte hätten nach Sympathie abgestimmt. Fachlich seien die Kandidaten nahe beieinander gewesen und hätten sich auch bei sozialen Themen nicht viel geschenkt.