Fragt man Lucia Kamp, Leiterin des Tourismusvereins Regio Konstanz-Bodensee-Hegau, nach dem schönsten Grillplatz in der Region, kommt ihr als Erstes der Platz am Horner Wasserturm auf der Höri in den Sinn. „Da hat man den gesamten See im Blick, mit den Schweizer Alpen im Hintergrund. Der Platz ist wirklich sehr attraktiv“, sagt Kamp. Die schönsten Plätze in der Region haben eines gemeinsam: einen tollen Ausblick auf den Bodensee oder die Hegauvulkane. Doch beim Grillen in der freien Natur gilt es, einige Regeln zu beachten. Gegrillt werden darf nur auf eingefassten Grillstellen oder mit geeigneten Grills und einige Plätze müssen bei der Gemeinde reserviert werden.

Das Holz für ein Feuer darf nicht in beliebigen Mengen aus dem Wald genommen werden. Laut dem Landeswaldgesetz dürfe Leseholz, also heruntergefallene Zweige oder dünneres, liegendes Totholz, das nicht mehr verwendet werden kann, in geringem Umfang entnommen werden, gibt Benedikt Graf von der Pressestelle des Landratsamts für das Kreisforstamt Auskunft. Dies gelte nicht für stehendes Holz. Bäume dürften, zum Beispiel durch das Abbrechen von Ästen, nicht beschädigt werden.

Feuerwehr gibt Tipps für sicheres Grillen

„Aus Sicht der Feuerwehr ist eine der wichtigsten Regeln, das Feuer nie unbeaufsichtigt zu lassen“, sagt der Singener Feuerwehrkommandant Andreas Egger. Das gilt, egal ob auf dem Grillplatz oder am heimischen Grill, so lange, bis das Feuer aus ist. Denn auch eine Restglut könne durch einen Windstoß oder ein fallendes Blatt ein Feuer entfachen. Der Landesfeuerwehrverband hat die wichtigsten Regeln unter dem Titel „Grillen ohne Reue“ zusammengefasst. Grillfreunde sollten grundsätzlich auf einem standsicheren Grill, auf festem Untergrund und mit genügend Abstand zu Feld und Wald grillen. Als geeignete Zündhilfen dürfen niemals Spiritus oder Benzin verwendet werden. Die Asche sollte vor dem Entsorgen komplett abgekühlt sein. Wer mit Gas grillt, tut gut daran, zu überprüfen, ob sämtliche Anschlüsse dicht sind.

Einsätze der Feuerwehr zu Grillbränden kämen eher selten vor, berichtet Egger. „Wir werden immer wieder wegen unklarer Rauchentwicklung auf Balkonen oder im Gelände gerufen“, erklärt der Kommandant. Trifft die Feuerwehr ein, hat sich der Rauch, der den Nachbar stört, meist schon wieder verzogen. „Wenn es in der Landschaft raucht, kann es auch sein, dass ein Gartenbesitzer seinen Grünschnitt verbrennt“, sagt Egger. Er rät Anwohnern oder Vorbeifahrenden, der Sache, wenn möglich, erst mal selbst auf den Grund zu gehen, bevor man die Feuerwehr rufe. Wenn sich ein Nachbar durch den Rauch belästigt fühle, sei nicht die Feuerwehr zuständig. Oft helfe ein klärendes Gespräch oder, im schlimmsten Fall, eine Anzeige bei der Polizei.

Gemeinden müssen Kosten für Müllentsorgung tragen

Lärm und Müll seien die größten Probleme, die Gemeinden mit öffentlichen Grillplätzen haben, berichtet Marcus Berger, Leiter des Singener Ordnungsamts. Derzeit kämen die meisten Beschwerden wegen zu lauter Musik und des Lärms, den an- und abfahrende Autos an Grillplätzen verursachen. Den Müll, den Grillende liegen lassen, müssten die Mitarbeiter der Stadtreinigung aufräumen. Auf den Kosten bleiben die Gemeinden sitzen. Dessen sollten sich die Grillfreunde bewusst sein, denn wenn die Probleme Überhand nehmen, können die Gemeinden den Platz abbauen.

Die schönsten Plätze der Region

  • Der Tipp aus Konstanz: Vom Grillplatz am Purren oberhalb des Konstanzer Vorortes Litzelstetten hat man beste Aussicht auf den Bodensee. Man erreicht ihn am Ortsende von Litzelstetten Richtung Dingelsdorf, links die Straße Zum Purren hoch. Oben angekommen, rechts abbiegen, am Baum mit Sitzgelegenheit vorbei an den Waldrand. Hier zeigt sich der idyllische Platz, der nicht nur zum Grillen, sondern auch zum Verweilen einlädt. Bänke, Tische, eine große Feuerstelle ebenfalls mit großen Sitzbänken sowie ein Korb mit Feuerholz warten auf die Gäste. Nur ein paar Schritte entfernt liegt die grandiose Sicht über See und Alpen. Der Platz ist so groß – hier können problemlos mehrere Gruppen grillen.
  • Der Tipp aus Singen: Der Alte Postweg oberhalb von Tengen-Watterdingen ist einer der Premiumwanderwege im Hegau. Gleich am Parkplatz an der Alten Postweg Hütte ist ein Grillplatz mit einem fantastischen Blick auf die Hegauvulkane bis zum See mit den Alpen im Hintergrund. Der Grillplatz ist auch für Gruppen geeignet. Wenn man die Hütte für Anlässe mieten will, muss man sich an die Hüttenwartin Alexandra Preter, Telefon (0 77 36) 89 58, wenden.
  • Der Tipp aus Radolfzell: Auf der Halbinsel Höri befindet sich eine der schönsten Grillstellen am Wasserturm Horn, der zur Gemeinde Gaienhofen gehört. Die Grillstelle ist mit Tischen und Bänken ausgestattet, dazu gibt es einen Parkplatz für Fahrzeuge. Vom Turm aus kann über den Untersee bis Konstanz, Radolfzell und die Schweizer Uferseite bis zu den Alpen geblickt werden. Größere Gruppen müssen sich beim Kultur- und Gästebüro Gaienhofen unter der Telefonnummer (0 77 35) 9 99 91 23 oder der Mailadresse info@gaienhofen.de anmelden.
  • Der Tipp aus Stockach: Der Grillplatz im Gütletal in Bodman befindet sich, umgeben von Äckern und Feldern, direkt am Waldrand. Der Grillplatz ist mit einer offenen Grillhütte und einer überdachten Feuerstelle ausgestattet. Sitzgelegenheiten und ein Grillrost sind vorhanden. Zu beachten ist, dass die Reservierung und Anmietung über die Tourist-Information in Bodman und Ludwigshafen erfolgt (Mail: info@bodman-ludwigshafen.de).

Tipps von Grillmeister Jochen Fecht

Jochen Fecht, Sternekoch aus Stockach, betreibt das Restaurant San Martino in Konstanz. Er grillt am liebsten ganz klassisch mit Holzkohle. Bei ihm kommt in erster Linie Fleisch auf den Rost.

  1. Es klingt wie eine Binsenweisheit, doch entscheidend für das Grillen sei der Grill, sagt Sternekoch Jochen Fecht. „Ich benutze beides, Gas und Holzkohle, doch mit Holzkohle bekommt man immer mehr Geschmack“, sagt der Experte. Viele nutzten Gas, weil es einfacher zu handhaben und man zeitlich flexibler sei. Beim Grillen mit Holzkohle müsse man die Zeit bis zur Glut mit einplanen, dann komme das Essen rechtzeitig auf den Tisch. Doch das Ergebnis, der grilltypische, rauchige Geschmack rechtfertige seiner Meinung nach den höheren Aufwand beim Grillen mit Holzkohle.
  2. Jochen Fecht grillt sowohl in der Küche als auch an Grillabenden draußen auf der Terrasse bei den Gästen. Er verwendet als Grill ein Big Green Egg in verschiedenen Größen, einen Keramikgrill, der tatsächlich wie ein großes, grünes Ei aussieht und nach Vorbild eines asiatischen Tonofens gebaut ist. Der Grill speichert die Hitze und bringt so ein optimales Grillergebnis. Für ein zusätzliches Raucharoma können Pellets sorgen, die auf die Glut gelegt werden. Der Sternekoch grillt gern Fleisch als Kurzgebratenes: „Ein schönes Steak, Rinder- oder Kalbsfilet.“ Qualität sei nicht nur beim Grill, sondern auch bei der Holzkohle und beim Fleisch entscheidend.
  3. Bei einem Grillabend in seinem Restaurant San Martino wird der Grill in den Innenhof gestellt und die Gäste können zum Beispiel aus drei verschiedenen Fleischsorten ihr Stück wählen. „Wenn wir grillen, dann muss man das riechen und Lust auf Gegrilltes bekommen“, sagt Sternekoch Jochen Fecht. Aktuell werde den Gästen „pulled pork“ mit Coleslaw, einem amerikanischen Krautsalat, und Ofenkartoffeln auf der Terrasse serviert. Ein 3,5 Kilo schwerer Schweinenacken wird 24 Stunden lang mariniert und mit Nadeln wird die Marinade auch ins Fleisch gespritzt. Dann kommt das Fleisch auf den Grill und wird für 12 bis 15 Stunden bei etwa 115 Grad gegart. Danach wird das Grillgut mit einer großen Gabel zerrissen, also „pulled“. Als Zutat empfiehlt er Selbstgemachtes, wie zum Beispiel eine selbst gemachte Barbecue-Sauce (siehe nebenstehendes Rezept).
  4. Eine ganz besondere Art ist das Grillen mit Binchotan, einer Holzkohle aus japanischer Steineiche, die härter als herkömmliche Holzkohle ist. Sie würde zwar bei niedrigerer Temperatur verbrennen, gebe dafür aber länger Wärme ab und entwickele nicht den typischen Brandgeruch. Direkt auf den Stäben dieser Kohle könne man zum Beispiel Thunfisch oder Garnelen grillen, beschreibt Jochen Fecht den Vorgang.(jac)