Konstanz Millionen-Ding: MS Schwaben wird innen komplett erneuert

Alte Böden raus, Decken raus, Wände raus: Die Bodensee-Schiffsbetriebe investieren viel Geld, um den Innenraum des Fahrgastschiffs Schwaben zur Wohlfühloase zu machen. Der Ausbau erfolgt im Stil des verspielten Art déco. Die Kosten: 1,5 Millionen Euro.

Auf der Werft der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) in Friedrichshafen geht es in diesen Wochen ordentlich rund. Objekt des Handelns ist das Motorschiff Schwaben. Arbeiter entkernen das an der Pier fest vertäute Fahrgastschiff aus der Flotte der BSB. Die Böden kommen raus, Wände und Decken ebenso. Auch die alte Elektrik muss weichen – von der Lautsprecheranlage bis zur Notbeleuchtung. Das Motorschiff wird im Innenraum komplett erneuert. Erhalten bleiben lediglich jene Holzbestandteile, die mit dazu beigetragen haben, dass die „Schwaben“ 2014 unter Denkmalschutz gestellt wurde: Treppenaufgänge aus Holz, Holzbuffet, Holzsäulen.

Wenn Christoph Witte, der BSB-Geschäftsbereichsleiter für Schiffs- und Hafentechnik, von dem Großprojekt erzählt, spricht er von der „Revitalisierung“ des Schiffs. Die Bodensee-Schiffsbetriebe, die eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Konstanzer Stadtwerke sind, haben sich in diesem Fall einiges vorgenommen. 1,5 Millionen Euro sind bewilligt, um der 1937 in Dienst gestellten „Schwaben“ wieder zu einem attraktiven Auftritt zu verhelfen und sie zu einem wahren Publikumsliebling zu machen. Das Motorschiff, das in Zeiten des Art déco an den Start ging, soll nun ein Interieur im Stil eines gehobenen, verspielten Art déco erhalten, nicht des einfachen, schlichten. Wertigkeit ist Trumpf. Es sei wichtig, eine eigene Marke zu entwickeln, um für Aufmerksamkeit zu sorgen, sagt Witte. In der Animation des neuen Innenraums zeigt jedes Deck eine andere farbliche Anmutung. Die Einrichtung soll leicht wirken. Transparenz ist ein wichtiges Merkmal. Ein eigens entwickeltes Lichtkonzept setzt später die Wohlfühloase mit ihren Sitzgruppen, Hochtischen und Lounges angemessen in Szene.

 

So soll es aussehen

Sonnendeck: hier teilt sich die Fläche (83 Quadratmeter) in den überdachten Bereich mit einem Café und das Freideck zum Sonnenbaden. Zudem ist das Steuerhaus angesiedelt
Hauptdeck: Hier empfängt die Crew den Gast: Eingangsbereich, Kasse und zwei Restaurants auf 225 Quadratmetern. Halbrechts hinter blauer Verkleidung der Treppenaufgang.
Oberdeck: Hier sind auf 131 Quadratmetern zwei Restaurants untergebracht. Sie sollen "Bodan" und "Art déco" heißen.

 

Eigentlich sollte das Projekt schon früher in Angriff genommen werden. Doch auf eine erste umfassende Ausschreibung meldete sich Ende 2016 nur ein Bewerber. Eine Auftragsvergabe war unter diesen Vorzeichen gar nicht möglich. „Da waren wir ganz geknickt“, schildert Schiffsbauingenieur Christoph Witte. Die Bodensee-Schiffsbetriebe schlugen daraufhin einen anderen Weg ein. Sie beauftragten mehrere Innenarchitekten mit einem Entwurf für die Innenausstattung der „Schwaben“. Eine Schiedskommission traf dann eine Auswahl. Den Zuschlag erhielt das Büro IDA Interior Design Allmendinger in Stuttgart. Auf der Basis des IDA-Konzepts wurde das Projekt erneut europaweit ausgeschrieben und vergeben. Das Leistungsverzeichnis ist in verschiedene Lose aufgeteilt. Ein Großteil der Arbeiten übernimmt ein Unternehmen aus Würzburg. Aber auch Firmen aus der Bodenseeregion sind beteiligt. IDA wird den Innenausbau betreuen. Christoph Witte ist überzeugt davon, dass das Projekt ein großer Wurf wird. Denkt er an die Vorstellung der Entwürfe der Innenarchitekten und insbesondere des Siegerentwurfs zurück, gerät er ins Schwärmen: „Die Präsentation war der beste Tag meines Arbeitslebens.“ Dem Zeitplan zufolge dürfte das Schiff zum Saisonstart im Frühjahr 2018 wieder in See stechen. Man werde besondere Fahrten anbieten, um die MS Schwaben vorzustellen, kündigte BSB-Marketing-Fachfrau Tanja Glaser an.

Das kann entsorgt werden: Die Innenausstattung der MS Schwaben mitsamt der Fußböden, Vertäfelungen und Isolierungen hat ausgedient. <em>Bild: Kevin Rodgers</em>
Das kann entsorgt werden: Die Innenausstattung der MS Schwaben mitsamt der Fußböden, Vertäfelungen und Isolierungen hat ausgedient. Bild: Kevin Rodgers

Kulturdenkmal

Das Motorschiff (MS) Schwaben, Baujahr 1937, ist eines von vier Schiffen der Bodensee-Schiffsbetriebe, die seit 2014 als Kulturdenkmale eingestuft sind. In der Begründung des Landesamts für Denkmalpflege Stuttgart hieß es: Die Schiffe "belegen als materielle Dokumente wichtige Phasen der Entwicklung der Bodenseeschifffahrt". Die "Schwaben", ausgelegt für 750 Fahrgäste, steht für die Ära der großen Motorschiffe der 1930-er Jahre, die für die Nutzung im Freizeitverkehr ausgelegt waren. Die Konzeption der "Schwaben" werteten die Denkmalschützer technisch wie gestalterisch als sehr modern.

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