Es war ein heiterer, freundlicher Empfang, den das Schulamt Konstanz für seine neuen Junglehrer bereit hielt. Über 130 Frauen und Männer füllten am Freitag das Foyer der Ekkehard-Realschule in Singen. Sie wurden feierlich vereidigt, über die Strukturen der Schulverwaltung informiert und auch noch ein wenig motiviert für die neue Aufgabe. Ab Montag werden sie mit unbefristeten Arbeitsverträgen und besten Aussichten auf eine lange Beamtenlaufbahn in Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen die Teams der Lehrkräfte verstärken. Und sie dürften aus der Veranstaltung in Singen einen wichtigen Eindruck mitgenommen haben: In Zeiten wie diesen, in denen sich die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand verabschieden, sind gut ausgebildete Fachkräfte wichtig. Auch bei den Lehrkräften in den Schulen kommt es auf jeden Kopf an.

Nachteile für Schulen auf dem Land

Das Stichwort Lehrermangel klammerte bei der Veranstaltung Karlheinz Deußen nicht aus. Der Leiter des staatlichen Schulamts Konstanz, das für die Landkreise Konstanz und Tuttlingen zuständig ist, warb für den ländlichen Raum. "Tuttlingen ist schön", sagte Deußen. Junglehrer heuern lieber an Schulen in größeren Städten an, das zeigt die Erfahrung der Kultusbehörden. Ländlicher strukturierte Kreise wie Tuttlingen, Schwarzwald-Baar, Rottweil oder Konstanz geraten da leicht ins Hintertreffen bei der Lehrerversorgung. Eine Karte des Stuttgarter Kultusministeriums zeigt, dass hier im Grundschulbereich für Nachrücker sehr gute Einstellungsmöglichkeiten bestehen. Gemessen an den vorhandenen und im baden-württembergischen Landeshaushalt finanzierten Lehrerstellen könnten allein im Grundschulbereich im Landkreis Konstanz noch 36 Lehrkräfte eingestellt werden, im Schwarzwald-Baarkreis 34 und im Kreis Tuttlingen 27. So informierte das Regierungspräsidium Freiburg am Donnerstag.

15 Vollzeitkräfte fehlen

Einen Tag später machte der Konstanzer Schulamtsleiter bei der Vereidigung der Junglehrer eine andere Rechnung auf. Was nützten die Stellen im Staatshaushalt, wenn es keine Bewerber gebe, sagte Deußen. Das Schulamt orientiert sich daran, wie viele zusätzliche Stellen nötig sind, um 100 Prozent des Pflichtunterrichts abzudecken – ohne jegliche Zusatzangebote. Unter dieser Vorgabe fehlen derzeit an Grundschulen, Werkrealschulen und Gemeinschaftsschulen 15 Vollzeitlehrkräfte. Doch diese Bedarfsplanung steht auf wackeligen Beinen. Sobald sich Pädagogen längerfristig krank melden, oder Lehrerinnen in Elternzeit gehen, entsteht wieder zusätzlicher Personalbedarf. Für Eltern hält Schulamtsleiter Deußen vor dem Unterrichtsbeginn am kommenden Montag zumindest eine beruhigende Nachricht bereit: "Es wird am Montag kein Schüler nach Hause geschickt. Und am Dienstag auch nicht." Soll heißen: Auch wenn Lehrkräfte fehlen, wir kriegen das hin. In bestimmten Fällen werden etwa Klassen zusammengelegt.

Appell an junge Pädagogen

"Nehmen Sie den Schwung ihres Wissens mit an Ihren Arbeitsplatz", riet Deußen den Junglehrern bei der Vereidigung. Lehrkräfte müssten mit Heterogenität umgehen und mit den verschiedenen Rollen, die an sie herangetragen werden, jonglieren können. Herzblut und Engagement seien wichtig, ebenso wie die Bereitschaft der Lehrenden, auch selbst lebenslang zu lernen. Im Zuständigkeitsbereich des Schulamts sind zum neuen Schuljahr 134 Lehrkräfte mit unbefristeten Verträgen eingestellt worden. Weitere 137 neue Arbeitsverhältnisse sind befristet. Im Landkreis Tuttlingen sei es schwieriger, die 100-prozentige Unterrichtsversorgung zu garantieren, als im Landkreis Konstanz, so hieß es.

3150 Lehrer und 30.000 Schüler

  • Junglehrerin Bahar Özay
    Junglehrerin Bahar Özay | Bild: Domgörgen, Franz
    Sie ist mit dabei: Bahar Özay ist eine der 134 neuen Lehrkräfte, die in Singen vereidigt wurden. Sie tritt am Montag eine Stelle als Realschullehrerin in Tuttlingen an und ist sehr zufrieden mit dem Arbeitsort. Die 28-jährige hat in Heidelberg die Fächerkombination Kunst, Ethik und Deutsch studiert. Heute wohnt Özay in Schwenningen. Was man als Lehrerin braucht? "Kraft, Motivation und Offenheit sind wichtig", sagt Bahar Özay.
  • Zahlen: Das staatliche Schulamt Konstanz/Tuttlingen betreut 150 Lehranstalten: Grundschulen, Hauptschulen, Werkrealschulen, Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (früher Förderschulen). In den Einrichtungen unterrichten 3150 Lehrer rund 30 000 Schüler.
  • Gymnasien und berufliche Schulen: Nach Angaben des baden-württembergischen Kultusministeriums ist der Lehrkräftebedarf an Gymnasien gedeckt. An den beruflichen Schulen seien noch 30 von 990 ausgeschriebenen Stellen unbesetzt.