Die Felder ringsum stehen in herbstlichen Farben, auf der großen Ackerfläche gleich daneben wiegt sich ein leuchtend gelbes Blütenmeer. Armin Zolg vom Weingut Winkelhof in Gailingen wagt neue Wege: Er gehört zu den ersten Produzenten in der Region, die auf einer großen Fläche die Durchwachsene Silphie angebaut haben. Diese Pflanze kann durch ihre umweltfreundlichen Eigenschaften eine Alternative zu Mais sein.

"Fünf Hektar Fläche sind eine Menge, aber ich habe es riskiert", sagt Armin Zolg. "So wie es im Moment aussieht, ist das eine gute Sache." Hauptsächlich ist der Winkelhof ein Weingut, die Silphie-Ernte liefert der Betrieb neben anderen Energiepflanzen an die Biogasanlage Bucheli in Obergailingen. Nach der Aussaat im Frühjahr 2016 wird nach der ersten Blüte in diesem Herbst auch die erste Silphie-Ernte eingebracht.

Zolg sieht in der Pflanze nur Vorteile. "Die Silphie ist eine Dauerkultur, ist sie einmal in der Erde, kann bis zu 15 Jahren abgeerntet werden. Solange ist der Acker bedeckt, was der Erosion entgegenwirkt", das sei von Bedeutung für seine Grundstücke in Hanglage. Als weitere Vorteile nennt er Humusaufbau durch die starke Durchwurzelung, natürliche Düngung mit Gärresten aus der Biogasanlage, was den Kreislauf wieder schließe. Zolg betont, dass bisher keine Schädlinge auftraten und er keinen Pflanzenschutz eingesetzt hat.

Der Winkelhof liegt einen Kilometer von Gailingen entfernt, umrahmt von Wald ziehen auch mal Wildschweine über die Äcker. "Die meiden die Silphie-Felder, weil sie zu dicht bewachsen sind", zeigt Zolg die kräftigen, quadratischen Stängel der Pflanze, die mit vielen Blättern bewachsen stabil in die Höhe ragen."Die gelb leuchtenden Felder sind nicht nur ein schöner Anblick, die Blüten locken auch eine Unzahl von Bienen und anderen Insekten an", erläutert Zolg. Von Imkern weiß er, dass die Bienen bei dem Überangebot zu dieser Jahreszeit häufiger ausfliegen.

Die Energiepflanze Silphie stammt aus Nordamerika, der großflächige Anbau scheiterte an der Wirtschaftlichkeit. Durch die geringe Keimfähigkeit musste die Pflanze im Gewächshaus angezogen und dann auf dem Feld ausgepflanzt werden. Im Energiepark Hahnennest in Ostrach, Kreis Sigmaringen, wurde ein Saatgut als praxistaugliche Lösung entwickelt. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg baut in Zusammenarbeit mit Hahnennest Versuchsflächen in ganz Baden-Württemberg an. Das LTZ ist dem Landesministerium für Ländlichen Raum und Ernährung zugeordnet und hat mehrere Standorte, unter anderem in Donaueschingen und Tettnang.

Ein wichtiges Kriterium gegenüber Mais ist der Ertrag. "Getestet wurden auch Dauerkulturen wie Topinambur oder die Virginia Malve, aber alle schnitten schlechter ab als die Silphie", weiß Sebastian Weißenmüller vom LTZ. Die Erträge seien leicht geringer als beim Mais, was sehr stark von der Durchschnittstemperatur und den Niederschlägen der Region abhänge.

Von den 965 Betrieben im Landkreis Konstanz bauen vier bis fünf Landwirte die Energiepflanze an. Markus Porm vom Landwirtschaftsamt in Stockach sagt: "Wenn die Silphie die Vorteile bringt, die man sich verspricht, ist das ein attraktiver Effekt für die Landwirte und die Kulturlandschaft." In diese Einschätzung bezieht er den Landschaftsschutz mit ein.

Peter Graf, der Vorsitzende des Kreisverbands im Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV), sieht im Anbau der Durchwachsenen Silphie Vorteile, beispielsweise durch eine Auflockerung der Fruchtfolge. Er selber plant ihn nicht, da Energiepflanzen nicht zur Struktur seines Hofes passen. Er könnte sich aber vorstellen, dass Landwirte kleinere Flurstücke mit der bis zu drei Meter hoch wachsenden Silphie bepflanzen, die nicht jedes Jahr beackert werden müssen. Wobei dann eher die Insekten davon profitieren würden als der Landwirt. Peter Graf verteidigt allerdings den Maisanbau, der nach seiner Ansicht zu Unrecht in der Kritik steht.

Auch beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Stuttgart ist Positives über diese Energiepflanze zu hören. Franz Pöter, Referent für Umweltschutz und Energie, gibt aber zu bedenken, dass beim Anbau auf belastende Dünge- und Spritzmittel verzichtet werden sollte, um einen positiven Effekt zu erzielen. Dieser bestünde unter anderem darin, vom Maisanbau wegzukommen, der viele Regionen dominiere. Die für den Mais genutzten Maschinen könnten auch auf Silphiefeldern eingesetzt werden. Eine Frucht für den schnellen Ertrag sei diese Energiepflanze aber trotz der Erfolge bei der Saatgutentwicklung in Hahnennest nicht.

Im ersten Jahr müsse die Silphie herangezogen werden, bevor es an eine erste Ernte gehe. In dieser Phase müsse die Silphie vor der Überwucherung durch andere Pflanzen geschützt werden, möglichst ohne den Einsatz von Herbiziden.

Trotz seiner grundsätzlich positiven Haltung zur Silphie hält Franz Pöter aber daran fest, dass in den für die Energiewende wichtigen Biogasanlagen vorrangig geeignete organische Reststoffe verwertet werden sollten.

 

Familienbetriebe leisten Pionierarbeit

  • Projekt: Für die Produktion von Biogas wird in Deutschland bislang Mais angebaut, eine sinnvolle Alternative kann der Anbau der Durchwachsenen Silphie sein. Vier ambitionierte landwirtschaftliche Familienbetriebe aus Hahnennest haben sich zum Projekt Energiepark Hahnennest mit dem Ziel nachhaltiger Landwirtschaft zusammengeschlossen. In Zusammenarbeit mit der Metzler & Brodmann KG wurde Saatgut entwickelt und unter dem Namen Donau-Silphie bekannt gemacht. Die Energiepflanze braucht deutlich weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel und bietet vielen Insekten Nahrung.
  • Anbauflächen: Erste Erfahrungen im Anbau gab es 2007, im Jahr 2012 wurde erstmals großflächig angebaut. 2015 wurden in Baden-Württemberg 80 Hektar angebaut, 2016 in Bayern und Baden-Württemberg 400 Hektar, 2017 in Baden-Württemberg bereits 900 Hektar, in ganz Deutschland 1100 Hektar.
  • Fliegender Wechsel: Laut dem Fachverband Biogas können die Ernteausfälle im ersten Jahr ausgeglichen werden, indem man die Silphie in Maisfeldern als Untersaat ausbringt. Die Maisernte betrage dann drei Viertel der üblichen Menge. Die Silphie bleibt nach der Ernte auf dem abgeernteten Maisfeld stehen. (ros/bub)