Das Ende der Bewerbungsfrist um den Posten des Landrats im Landkreis Konstanz war mit Spannung erwartet worden. Immerhin lag der letztmögliche Abgabetermin für die Unterlagen am 31. Dezember in einer postalisch betrachtet eher unwägbaren Phase. Kommt die Sendung an den letzten Tagen des alten Jahres noch an? Am sichersten, der spätentschlossene Bewerber steckt das große Kuvert selbst in den Briefkasten der Kreisverwaltung. Es steht zu vermuten, dass zwei Kandidaten, deren Bewerbungen erst nach den Weihnachtsfeiertagen eingegangen sind, dies aus Sicherheitsgründen vielleicht auch so gemacht haben.

Wie sieht die Bilanz der Ausschreibung aus?

Dem besonderen, beschließenden Ausschuss des Kreistags, der das Bewerbungsverfahren durchführt und die Abläufe organisiert, liegen vier seriöse Bewerbungen vor. Eine fünfte Nennung wurde bereits im Frühstadium des Verfahrens aussortiert. Der Bewerber hatte per E-Mail sein Interesse an der Stelle bekundet, aber dann die notwendigen persönlichen Unterlagen nicht eingereicht.

Spricht die Zahl von vier Kandidaten für großes Bewerberinteresse? Das ist schwer zu sagen. 1997, als der noch amtierende Landrat Hämmerle erstmals antrat, hatte der Kreistag die Wahl zwischen sechs Kandidaten. Als sicher gilt, dass das Bewerbungsverfahren um die Landratsstelle am westlichen Bodensee auch anderswo in Baden-Württemberg aufmerksam zur Kenntnis genommen worden ist. Denn drei der vier gemeldeten ernsthaften Kandidaten sind dem Vernehmen nach derzeit in einem anderen Landesteil tätig. Nur der vierte Bewerber soll in Kreisen der Kreispolitik bekannt sein und aus dem näheren Umfeld kommen.

"Wir respektieren diesen Wunsch"

Warum werden an dieser Stelle nicht die Namen der Kandidaten genannt? Ergänzt um einige Angaben zur Person, sodass der Leser sich ein erstes Bild machen kann? Bernd Häusler, der Vorsitzende des Organisationsausschusses für die Wahl des Landrats, sah am Mittwoch die Zeit für die Bekanntgabe von Namen noch nicht gekommen. Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte der stellvertretende Chef der CDU-Kreistagsfraktion lediglich, dass vier Bewerbungen vorliegen. Darüber hinaus stellt er fest: "Aktuell werden Sie von mir aber noch keine Namen erhalten. Es gibt Bewerber, die sich aus öffentlich gewählten Ämtern auf diese Position beworben haben. Diese Personen wollen ihre Bürgerinnen und Bürger selber über ihre Kandidatur informieren. Wir respektieren diesen Wunsch."

Und weiter ist Häusler überzeugt: "Ich bin mir sicher, dass die interessierte Öffentlichkeit diesen Wunsch ebenfalls respektiert, zumal die Wahl zum Landrat erst im März sein wird." Tatsache ist, dass nicht jedermann die defensive Einschätzung Häuslers teilen muss. Tatsache ist auch, dass die Kandidaten selbst ein Interesse daran haben dürften, bekannt zu werden und dass der Wahlkampf eigentlich beginnen könnte. Denn die Zeit der Meinungsbildung ist ohnehin nicht besonders lang. Der neue Landrat oder die Landrätin wird dem verabschiedeten Zeitplan zufolge am 25. März vom Kreistag gewählt.

Den besonderen Zeitdruck hat sich der Kreistag selbst auferlegt, denn der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Landrat Frank Hämmerle soll noch in der laufenden Amtsperiode des Kreistags bestimmt werden. Und die endet mit der Kommunalwahl am 26. Mai. Im Vorfeld zerschellte das Argument, der neue Kreistag solle den neuen Landrat wählen, an der Mehrheitsmeinung der Kreistagsfraktionen.

Was SPD und die Freien Wähler tun

Einstweilen bleibt einiges Spekulation, anderes gilt aber als sicher. Sicher ist, dass die sozialdemokratische Kreistagsfraktion keinen eigenen Bewerber ins Rennen um den Spitzenposten schickt. Sicher ist wohl auch, dass die Freien Wähler einen unabhängigen Kandidaten unterstützen wollen, der sich von auswärts um die Stelle im Konstanzer Landratsamt beworben hat.